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Würdevolles Weichei

Seinen Namen kannten jahrelang nur Musik-Nerds. Jetzt probiert Olli Schulz in einer eigenen Sendung das Leben anderer Leute aus. Erste Station: eine Kommune, die mit vögeln den Regenwald retten will.

Von Simone Deckner

  Wie Kai aus der Kiste: Olli Schulz, Liedermacher, Spaßvogel, Poet

Wie Kai aus der Kiste: Olli Schulz, Liedermacher, Spaßvogel, Poet

  • Simone Deckner

Am Schluss sitzt er auf dem Boden bei den Berliner Hippies, in deren Leben er für 24 Stunden hereingeschneit ist. Olli Schulz trägt ein viel zu kleines Goofy-T-Shirt, eine Gitarre und Melancholie im Blick, als er von der schrecklich schönen Welt singt: "Kannst'n Pornostar werden, dich komplett rasieren, kannst alle Drogen dieser Erde ausprobieren. Kannst dein Leben aufgeben und neu beginnen, kannst zur Tour mit mir kommen und dann im Background singen. Das ist dir alles freigestellt, in dieser schrecklich schönen Welt."

Das sagt eigentlich schon alles über die Idee von "Schulz in the Box". Eine Sendung, für die sich ProSieben gleich ein ganz neues Genre ausgedacht hat: Comedy-Doku. Schulz selbst verrenkt sich nicht derart verbal. "Schulz in the Box" soll eine unterhaltsame Sendung sein, zwischen Humor und Ernsthaftigkeit.

Schulz ist mehr Pastewka als Atze Schröder

Er will unterhalten. Galgenhumor ist dabei wichtig. Schulz kommt in seinen Storys oft selbst am schlechtesten weg. Als sturzbetrunkener Charles Schulzkowsi etwa. Ohne Rücksicht auf Verluste forderte er bei "Neo Paradise" und "Circus Halligalli" da Promis am roten Teppich auf, mit ihm gemeinsam "’nen Lütten" zu kippen. Fast alle ließen ihn stehen. Til Schweiger drehte sich angewidert weg. Schulz brüllte ihnen was von Kaltherzigkeit in der Medienwelt hinterher.

Wegen solche Aktionen feierte ihn "Die Zeit" kürzlich erst als "revolutionären Erneuerer" des Fernsehens. Und erkannte: Endlich ist da mal wieder einer, der Geschichten erzählen kann. Nicht die Art von Schenkelklopferstorys, in denen am Ende immer die anderen die Doofen sind. Schulz ist eben nicht der x-te Atze Schröder, er feuert keine Gagfeuerwerk ab, macht keine "Meine Freundin ist ja so eine Frau"-Flachwitze. Wenn man ihn denn schon vergleichen will, dann eher mit Leuten wie Bastian Pastewka, Dieter Nuhr und Olli Dittrich. Schulz mag die brüchigen, unperfekten Typen, die mit den Selbstzweifeln. Solche, wie er selbst einer ist.

Praktika im Leben der Anderen

Auch in "Schulz in the Box" riskiert er wieder, sich zum Affen zu machen. Die Idee kam dem Vater einer Tochter, weil er stramm auf die 40 zusteuert. "Ich bin bereit vor dem Gnadenschuss noch mal neue Sachen zu erleben", sagt er in der Ankündigung zur Sendung.

Ein Holzkiste dient dem Künstler dabei als Transportmittel. In ihr wird er ausgesetzt; muss sich dann in fremder Umgebung durchschlagen. Die Frage hinter dem kuriosen Setting ist eine ernste. Noch dazu eine, die sich wohl jeder nicht mehr ganz taufrische Mensch schon einmal gestellt hat: Soll das jetzt etwas schon alles gewesen sein? Was wäre, wenn ich in meinem Leben eine andere Richtung eingeschlagen hätte und Tischler wäre statt "anerkannter Singer/Songwriter" (Schulz über Schulz)?

Unsicher zwischen Halbnackten

Dass er in der ersten Folge ausgerechnet in seiner Wahlheimat Berlin landet, ist für Schulz allerdings "eine mega Enttäuschung". Berlin, wo er schon alles kennt? Pfft! Doch hinter einer unscheinbaren Altbautür öffnet sich ihm tatsächlich eine völlig neue Welt. Eine Hippie-Kommune, die unter dem Motto "Fuck for Forest" eine Website betreibt, auf der sie erotische Fotos und Pornos feilbieten. Damit wollen sie den Regenwald retten. 300.000 Euro sind schon zusammengekommen.

Schulz bewegt sich anfangs sichtlich unsicher in der mit Teppichen und halbnackten Menschen vollgelegten Wohnung. Schnell macht er einen besonders argwöhnischen Hippie als "Chef" aus, scheitert jedoch mit dem Versuch, über den voll aufgedrehten John-Lennon-Song Kontakt mit dem "Silberrücken" aufzunehmen. Tommy ist generell eher von der angekotzten Sorte. Besonders Berlin kommt bei der Kommune ganz schlecht weg: "Boring, too liberal and safe." Nur noch Bielefeld ist schlimmer. Ein Mädchen zählt auf, wen sie da schon alles gevögelt hat. Nur die guten zehn Bielefelder, die es gibt halt. Niemand lacht. Das fällt auch Schulz auf. "Mir fehlt hier noch ein bißchen der Fun-Factor" versucht er, das Eis zu brechen.

Mit nacktem Fleisch gegen fettige Fleischklopse

Erst als die Gang mit veganem Essen vor einer Fast-Food-Kette protestiert, nackt natürlich, lockert sich die Stimmung etwas. Es wäre ein Leichtes, die Nackerten mit ihren bierernsten Parolen vorzuführen. Schulz lässt es und stellt fest, dass zu viel Fleischkonsum "doof im Gehirn macht". Die Aktion findet er gut, versteht aber nicht "wieso man dafür nackt sein muss". Er selbst traut sich nicht aus seinen Klamotten raus, auch wenn er sich in ihnen vorkommt "wie ein transsexueller Jesus". Er sei eben "ein Weichei."

Dass seit Minuten verpixelte "Brüste, Pimmel, Scheiden" über den Bildschirm laufen, man nimmt es kaum mehr wahr. Was man sehr wohl wahrnimmt: die unverstellte Neugier und Freude, mit der sich Schulz diesen Menschen nähert, die mit ihm so wenig gemein haben. Wieder zurück in der WG fragt er einen tätowierten Mützenträgerhippie, der sie natülich auch schon alle hatte: "Bist Du ein Herzenstyp?" Die Antwort "Jetzt nicht mehr, aber als ich das noch war, war das sehr schön" verblüfft den Befragten augenscheinlich mehr als den Fragenden.

Es sind Momente wie diese, für die man Olli Schulz zunicken möchte. Oder der, als er sich die Pornos seiner neu gewonnenen Bekannten auf dem Laptop anguckt. Und feststellt: "Ich finde das ok, wenn Leute ihre Sexualität öffentlich ausleben wollen. Für mich ist das aber eine private Sache." Damit es nicht zu ernst wird, fordert er kurz darauf alle Interessierten auf, Fotos ihrer "Schwengelbengel" hochzuladen.

Ob Olli Schulz nochmal aus der Kiste steigt, entscheiden nun die Einschaltquoten. Falls nicht, wird er auch aus dieser Erfahrung eine gute Geschichte machen. Oder ein Lied.

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