. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
29. September 2011, 08:15 Uhr

Der Charme der Schirme

Soll man nun, oder soll man nicht: Den Rettungsschirm erweitern? Griechenland helfen? Eine europäische Finanzpolitik einführen? Statt Antworten gab es bei "Anne Will" Anlagetipps. Von Malte Krebs

Anne Will, Talkshow, Rettungsschirm, Euro

Anne Will hatte sich für ihre Sendung das Thema der Woche ausgesucht: Euro-Rettungsschirm und die Abstimmung im Bundestag darüber© Jörg Carstensen/DPA

Tja, über was könnte man an einem Mittwochabend denn mal reden? Soll sich ja nicht immer wiederholen. Mal sehen: Sonntag hatte Jauch die Kanzlerin da zum Thema "Kampf um den Euro". Montag war Plasberg dran, "Der Euro-Aufstand - Deutschland vor der Gewissensfrage?" Und nun kommt Anne Will und setzt noch einen drauf: "Die Euro-Abstimmung - Riskieren wir morgen alles?". Oh mein Gott, wird es überhaupt ein Morgen geben?

Also, riskieren wir alles, wenn der Bundestag der deutschen Beteiligung am erweiterten Euro-Rettungsschirm zustimmt? "Nein" lautet die übliche Antwort auf solch boulevardeske Echauffier-Fragen. Und "nein" sagte dann Steffen Kampeter (CDU), Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium: "Der Schutzschirm schützt Deutschland vor den Auswirkungen der Schuldenkrise". "Nein" sagte auch Klaus von Dohnanyi (SPD), ehemaliger Erster Bürgermeister von Hamburg: "Der Fond hilft, um Zeit zu gewinnen."

Ein Slowake mimt die Gegenposition

Allgemeines aufatmen, die Welt ist gerettet, Anne Will lächelte charmant - und eigentlich hätte man jetzt den Fernseher auch ausschalten können. Wer solche Gäste hat, scheint die Suche nach Rettung bereits aufgegeben zu haben. In seiner Rolle als "Gegenposition" war der slowakische Parlamentspräsident Richard Sulik von der rechtsliberalen Partei SaS eingeladen. Er bezeichnete die Euro-Abstimmung als "teures Kaufen von Zeit", "Wahnsinn" und "perverse Solidarität". Wenn in Griechenland wenigstens eine Naturkatastrophe - ein Erdbeben zum Beispiel - passiert wäre, könne man ja über Solidarität reden. Anne Will zog eine Augenbraue hoch und spielte schnell einen Einspieler ein.

"Die Abgeordneten dürfen auf keinen Fall mit 'ja' stimmen!", forderte auch Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Rein zufällig saß seine Frau Dagmar Wöhrl im Publikum, ihrerseits CSU-Parlamentarierin und Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, und kündigte an, bei der Euro-Abstimmung mit "ja" stimmen zu wollen. Anne Will lächelte wieder und freute sich, dass die Euro-Rettungsfront sogar mitten durch Familien geht.

Anlagetipps und Absurditäten

"Wir haben keine andere Wahl", sagte auch die Wirtschaftsjournalistin Silvia Wadhwa, "niemand weiß, was bei einer Griechenland-Pleite passieren würde". Ansonsten durfte die neben der Moderatorin einzige Frau in der Runde nur sehr wenig sagen. Doch ihr großer Auftritt kam ganz am Schluss, als sie Geld- und Anlagefragen der Zuschauer beantworten sollte: Soll man in Gold anlegen? (Nein) Soll man in Franken investieren? (Nein) Soll man in Aktien investieren? (Jein) Wie sicher ist die private Altersvorsorge angesichts der Griechenlandkrise? (Geht so) Was ist die beste Anlagestrategie? (Von allem ein bisschen).

Es war wieder eine Talkshow ohne befriedigende Antworten, dafür aber mit einem angegliederten Serviceblock mit Anlagetipps. Das ist wenig originell und angesichts der dramatischen Frage "Riskieren wir morgen alles?" reichlich absurd. Aber es ist irgendwie beruhigend, dass die meisten Zuschauer auch am Ende der Sendung nicht wissen, wohin mit ihrem Geld.

Von Malte Krebs
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
TV-Kritik Anne Will erleidet mit den Piraten Schiffbruch

In Berlin hat die Piratenpartei gerade das Abgeordnetenhaus geentert - steht nun eine "Meuterei auf der 'Deutschland'?" bevor, wollte Anne Will wissen. Doch außer einem Bekenntnis zum straffreien Kiffen von Roger Willemsen brachte die Runde keine neuen Einsichten. mehr...

"Anne Will"-TV-Kritik Lustgreise und Laberdamen

Schön ist es nicht - das Älterwerden. Falten breiten sich aus, man wird gebrechlich, die Rente reicht nicht, der Zustand in Pflegeheimen ist desolat. Wissen Sie alles? Anne Will füllte dennoch eine Sendung mit diesen Erkenntnissen. Einzige Neuigkeit: Richard Wagner ist beim Sex gestorben. mehr...

Medienkolumne zur Talkshow-Schwemme Viel Gerede, meist um nichts!

Zwei Mal "Beckmann", zwei Mal "Anne Will", zwei Euro-Debatten, keine über die FDP - und jetzt das Jauch-Debüt: Was hat die Talk-Offensive gebracht? mehr...

+++ Protokoll der Rettungsschirmdebatte +++ Kampf um die Kanzlermehrheit

Im Ringen um den Euro-Rettungsschirm haben sich die politsischen Schwergewichte im Bundestag eine heftige Diskussion geliefert. Hier die Höhepunkte der Debatte zum Nachlesen. mehr...

Euro-Abstimmung Zerreißprobe auf Raten

Vor der Abstimmung über den Rettungsschirm spielt die Unionsspitze den Wert der Kanzlermehrheit herunter. Doch es geht um viel – bei mangelndem Rückhalt wackeln die nächsten Euro-Entscheidungen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft