Hau den Hoeneß

23. April 2013, 07:00 Uhr

Viel Aufregung um einen mutmaßlichen Steuersünder. Auch bei Plasberg schossen die Spekulationen und Schmähungen in der Causa Hoeneß ins Kraut. Nur einer sprach von einer "Jagdgesellschaft". Von Mark Stöhr

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Auch Frank Plasberg talkte im Dunkeln: "Ausgerechnet Hoeneß - wem kann man jetzt noch trauen?"©

Fangen wir mal mit dem Positiven an. Schätzungsweise 50 Millionen Euro Steuern hat Uli Hoeneß in den letzten zwei Jahrzehnten bezahlt. Die Schätzung stammt von Hans Leyendecker von der "Süddeutschen Zeitung". 50 Millionen Euro - so viel sind ungefähr Arien Robben und Manuel Neuer zusammen wert. Eine Riesensumme schrumpft so wieder plötzlich auf vier Fußballerbeine zusammen. Unter Profikickern, erzählte Manfred Breuckmann bei Plasberg, gebe es das Spiel, in der Gepäckausgabe im Flughafen darauf zu wetten, wessen Koffer als erstes vom Band laufe. Jeder Mitspieler gibt 500 Euro, der Gewinner kassiert den ganzen Batzen. Auch das ist die Welt von Uli Hoeneß. Vielleicht in erster Linie.

Über dem Bayern-Macher und Wurstfabrikanten bricht gerade der Himmel ein. Jetzt hat die Öffentlichkeit die knallrote Erregungsbirne, die sonst sein Markenzeichen ist. Wer so wie Hoeneß zeitlebens polarisierte, musste mit einer heftigen Reaktion rechnen. Nur: Bis er sich selbst zu dem Fall äußern kann, ist er beim derzeitigen Tempo der Demontage gesellschaftlich gesehen schon ein toter Mann. Leyendecker sprach von einer "Jagdgesellschaft", die sich kritisch befragen müsse, wie weit sie gehe wolle. Der "SZ"-Chefermittler versuchte, Sachlichkeit in eine Debatte zu bringen, die randvoll mit Emotionen und Spekulationen ist. Das war der wohltuendste Aspekt der ganzen Sendung.

"Hoeneß nicht der typische Steuerhinterzieher"

Dabei weiß nicht einmal Leyendecker selbst mit letzter Gewissheit, was Hoeneß genau ausgefressen hat. Er referierte noch einmal den aktuellen Stand seiner Recherchen: Von den Millionen, die Hoeneß von dem ehemaligen Adidas-Chef Louis-Dreyfus offenbar um die Jahrtausendwende geliehen hat. Von Zockereien im Börsenfieber der New Economy. Von der möglichen Verquickung dieses privaten Deals mit einer Sponsoringvereinbarung für den FC Bayern. Alles sehr dubios und hochproblematisch.

Hoeneß sei jedoch, so Leyendecker, nicht der typische Steuerbetrüger, der sein Geld bei Nacht und Nebel in die Schweiz geschafft habe. Es lag von Anfang an auf einem Schweizer Konto und war teilweise versteuert. Durch das deutsch-schweizerische Steuerabkommen hoffte er, es ganz "sauber" zu bekommen. Daraus wurde nichts, aus den bekannten Gründen.

Stichwort Steuerabkommen, Auftritt Roger Köppel. Der Chefredakteur der rechtspopulistischen Schweizer Zeitung "Weltwoche" wütet seit Jahren gegen den Ankauf von Steuer-CDs durch deutsche Behörden. Sein Furor ging schon so weit, dass er seiner Regierung die Verhaftung deutscher Minister nahelegte, sollten diese Schweizer Boden betreten. Köppel ist ein neoliberaler Prediger ohne Herz. Ein schmunzelnder Zyniker. Wenn wohlhabende Leute ihr Geld vor dem deutschen Fiskus in die Schweiz retten würden, sei dies kein Vertrauensbeweis für den deutschen Staat, sagte er. Soll heißen: Die Politik ist schuld, nicht der Geiz und die Gier der Steuerflüchtlinge.

Wieso betrügt so einer?

Das brachte den rheinland-pfälzischen Finanzminister Kühl auf die Palme, der 40.000 Schweizer Datensätze von mutmaßlichen Steuersündern gekauft hat. Es sei nicht akzeptabel, dass Leute nach Gusto mit ihrem Geld verfahren würden, je nachdem, ob sie mit der jeweiligen Politik einverstanden seien oder nicht. Es gäbe schlicht Steuergesetze. Und die gelten nun mal auch für Hoeneß, der sich als eine Art guter Mensch von der Säbener Straße Respekt quer durch alle Lager und Ligen verschafft hat. Wieso betrügt so einer? Weil er wie so viele den Hals nicht voll bekommt? Weil er sich verzockt hat?

Nun waren wieder Improvisation und Fantasie gefragt in dieser Aufführung, bei der die Hauptperson fehlte. Manfred Breuckmann, der Sportreporter, hatte den plausibelsten Einfall. Wem wie Hoeneß häufig "heiligengleiche Verehrung" entgegenwehe, der entwickele irgendwann die Mentalität: Das Gesetz bin ich. Der denke: "Ich tue ja so viel Gutes und das Geld ist schon versteuert, aber jetzt noch mal Abschlagssteuer zahlen - nein, das mache ich nicht." Damit wollte Breuckmann die Geschichte nicht klein reden, im Gegenteil: "Steuerhinterziehung in diesem Umfang zeugt von hoher krimineller Energie." Seine Forderung: Hoeneß solle seine Ämter ruhen lassen. Das würde man sich allerdings auch von dem spekulativen Teil dieser Debatte wünschen.

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