Alles wie immer

20. April 2013, 11:00 Uhr

Kein Biss, kein Witz, kein gar nichts: die dritte Sendung "Let's Dance" zieht sich – bis ausgerechnet ein Mann mit dem Hüftschwung eines Kühlschranks die Show ein wenig rettet. Von Sophie Lübbert

TV-Kritik, "Let's Dance", RTL, Daniel Hartwich, Rezension, Show, Freitag

Eingeschlafen? Jürgen Milski und Oana Andreea Nechiti im dramatischen Clinch.©

Das Schicksal hat es nicht gut gemeint mit Jürgen Milski. Nicht nur, dass er früher mal bei "Big Brother" mitgemacht hat. Oder dass er jetzt sein Geld damit verdienen muss, vor grölenden Betrunkenen am Ballermann auf der Bühne zu stehen. Nein, all das ist nichts gegen diesen einen, den heutigen Abend. Denn heute Abend macht Jürgen Milski bei der dritten Show von "Let's Dance" mit.

Er trägt einen lila-schwarzen Anzug, schaut mit nervösem Grinsen um sich. Als Musik erklingt, bewegt er zaghaft ein paar Muskeln. Mehrere Minuten tut er das, bis die Musik aufhört und Milski ebenfalls. Sein Tanz erinnerte an eine Stunde Krankengymnastik für Senioren. Die Jury gibt ihm trotzdem Punkte, weil "der Kopf war richtig". Aber von nun an geht es bergab für Jürgen Milski. Er lacht laut, macht eine Laola-Welle, umarmt jeden, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen kann. Und dann sagt er den einen, den verhängnisvollen Satz: "Das ist die beste Truppe, die Let's Dance jemals hatte". Spätestens jetzt ist klar: Jürgen Milski ist offenbar verrückt geworden.

Keine Überraschung, keine Ideen

Weil: Diese sechste Staffel von RTLs Promi-Tanz-Zirkus ist nicht die beste. Ganz im Gegenteil. Es ist eine der schlechtesten. Das wird an diesem Abend leider richtig deutlich. Denn obwohl sich der Sender redlich müht und mit Superlativen nur so um sich schmeißt, ist die Sendung schlicht: langweilig. Es ist alles wie immer. Keine Überraschung. Keine besonderen, guten Ideen. Nichts. Nur das Übliche. Das da wäre:

Juror Jorge tritt im glitzernden Ganzkörper-Fetzen-Strampelanzug auf, Kollegin Motsi Mabuse im sehr tief ausgeschnittenen Abendkleid, der strenge Jurychef Joachim Llambi mit herunter gezogenen Mundwinkeln. Moderator Daniel Hartwich macht Witze. Seine Partnerin Sylvie van der Vaart grinst und bezieht alles, aber auch wirklich alles mit vor Dramatik bebender Stimme auf sich ("Das weiß ich aus eigener Erfahrung").

Angst vor dem Auftritt

Das mag normalerweise ausreichen. Diesmal nicht. Denn das größte Problem ist weder Jury noch Moderatoren-Duo. Es sind die diesjährigen Promi-Kandidaten. Klar, die tun dasselbe, was alle vor ihnen auch schon getan haben: tanzen lernen, mit mehr oder weniger Erfolg, mit mehr oder weniger Hüftschwung und Rhythmusgefühl. Aber sie sind einfach nicht prominent, nicht spannend, nicht lustig genug, als dass man ihnen gern 165 Minuten am Stück dabei zuschauen möchte. Man stellt sich ja auch nicht so lange hin und guckt seinem Nachbarn beim Tango-Tanzen zu. Der dürfte aber in etwa denselben Bekanntheitsgrad haben wie viele der hier Versammelten.

Und leider zeigen sie auch nicht genug, als dass sich das ändern würde. In den Einspielern zur Show wird immer und immer wieder dieselbe, am Anfang für den jeweiligen Kandidaten festgelegte Geschichte weitergedreht. Marijke Amado gibt die ältere Dame, die ihren jungen Tanzpartner anschmachtet. Ex-Capitano-Gattin Simone Ballack ist schüchtern und hat Angst vor dem Auftritt. Manuela Wisbeck ist die lustige Dicke, die sich auf ihren Partner drauf setzt und ihn platt macht. "Bachelor" Paul Janke findet sich selber toll („Fällt mir was ein, was ich nicht kann...? Nö“). Ja doch, kapiert. Und sonst? Nichts. Leider.

Amado muss gehen, Milski kommt weiter

So eine flache Darstellung reicht für die erste Sendung. Für die zweite mit viel gutem Willen auch noch. Aber jetzt nicht mehr. Jetzt ist das Ganze nur noch fad. Und deshalb ist es am Ende eigentlich auch egal, wer rausfliegt. Die meisten der Promi-Kandidaten sind ja eh austauschbar. Dieses Mal stehen sich am Ende die holländische Sirene Marijke Amado und der bedauernswerte Jürgen Milski gegenüber. Amado sagt dann das, was man eben in dieser Situation als politisch korrekter Z-Promi so sagt: unbedingt weiter dabei bleiben, viel Spaß, toller Tanzpartner, danke, danke, danke. Dann nimmt Milski das Mikrofon. Und er sagt: "Ich gönne der Marijke das Weiterkommen von ganzem Herzen... aber noch ein bisschen mehr gönne ich es mir selbst". Und das ist dann endlich mal ein Hauch von der Überraschung, der Unterhaltung, dem Humor, auf den man die ganze Zeit gewartet hat. Leider etwas zu spät, leider etwas zu wenig.

Aber es gibt Hoffnung: Amado muss gehen, Milski kommt weiter. Vielleicht wird es ja doch noch besser. Das wäre gut. Denn schlechter kann es kaum werden.

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