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14. Dezember 2011, 07:49 Uhr

Der Koryphäen-Zoo blickt zurück

Bei Sandra Maischberger hechelten Experten im Schnelldurchgang durch das "Panikjahr 2011". Der Kollaps kommt auch 2012 nicht, versprachen die Welterklärer: Doch wo war eigentlich Helmut Schmidt an diesem Abend? Von Jan Zier

Maischberger, Sandra Maischberger, Helmut Schmidt, Jakob Augstein, Peter Scholl-Latour, Mathias Richling

Sandra Maischberger hechelte mit den üblichen Experten durchs abgelaufene Jahr© Illustration: Philipp Möller/stern.de

Helmut Schmidt fehlt. Dabei war der kleine Egomane, pardon: der ewige Altkanzler, doch eine ganze Weile schon nicht mehr bei "Maischberger" zu Gast. Und: Er darf eigentlich in keiner Runde von Welterklärern und Krisendeutern fehlen. Zu all den Journalisten in Sandra Maischbergers Runde hätte der "Zeit"-Herausgeber zudem hervorragend gepasst. Aber gut. Der Koryphäen-Zoo zum Thema "Panikjahr 2011: Kommt 2012 der Kollaps?" ist auch so bestens ausgestattet.

Von Helmut Schmidt ist natürlich trotzdem die Rede, vor zart rosafarbenem Hintergrund rückt er ins Bild: Sandra Maischberger hat ihn zu einem "Gewinner des Jahres" gekürt. Der Kabarettist Mathias Richling findet dessen unaufhörliche Popularität übrigens "unerklärlich" - und vergleichbar nur noch mit der der ewigen katholischen Kirche. Dazu passt, dass Roger Köppel, der wirtschaftsliberale Chefredakteur der Schweizer "Weltwoche", Schmidt zumindest für fast unfehlbar hält.

Ein Jahr in Stichworten

Fukushima. Eurokrise. Schuldenberge. Stuttgart 21. Der Aufstieg und Fall der Grünen, der Liberalen, der Piraten. Helmut Kohl. Guido Westerwelle. Karl-Theodor zu Guttenberg. Mubarak. Ben Ali. Gaddafi. Maischberger hechelt sich schlaglichtartig durch die Schlagzeilen und Protagonisten des ablaufenden Jahres, imitiert en passant ein wenig die Satiresendung "extra 3" und bietet mutig und fast schon konsequent all jenen eingeladenen Männern Paroli, die sich gerne zu wichtigen Themen wichtig reden hören - und das auch anderer Stelle oft im Fernsehen dürfen.

Peter Scholl-Latour etwa, der sich auch mit 87 noch durch jeden arabischen Volksaufstand nuschelt, ein TV-Experte für Geostrategie und Anekdoten, ein Mann, der alles gesehen und erlebt hat, davon gerne erzählt. Margot Käßmann, aller Fehlbarkeit zum Trotz immer noch Fachfrau für das Gutmenschentum und mediengewandteste Protestantin auf Gottes Erde. Frank Lehmann, der ARD-Börsenerklärer mit dem unerschütterlichen Glauben an den Euro. Jakob Augstein, "im Zweifel links" und Verleger des "Freitag". Roger Köppel, der Agent Provocateur der Runde, der die Energiewende von schwarz-gelb für die "populistischste politische Aktion" überhaupt hält, und die Kritik an der Atomenergie für eine "imaginierte Massenstimmung".

Der Kollaps kommt übrigens nicht

Der Kollaps kommt 2012 übrigens nicht, da zumindest sind sich alle einig. Dafür vielleicht die Eurobonds, aber wer hat die schon so genau verstanden? Wir lernen zudem, dass der Neoliberalismus entweder "ideologisch widerlegt" und im Abschied begriffen ist, wie Journalist Augstein sagt. Oder aber noch gar nicht stattgefunden hat, weil allenthalben sozialdemokratische Ideen Triumpfe feiern, wie Kollege Köppel sagt. So oder so, der Euro wird bleiben, prophezeit jedenfalls Herr Lehmann, und der Sozialstaat wird weiter gehen, also: darnieder. Und der "tugendhafte calvinistische Kapitalismus", den Peter Scholl-Latour gerne hätte, wird nicht kommen. Ebenso wenig wird Margot Käßmann SPD-Politikerin oder Bischöfin oder beides, das jedenfalls hat sie jetzt öffentlich versprochen, auch wenn außer der Moderatorin niemand so Recht danach gefragt hat. Doch es wird ja auch noch ein Nachfolger für Thomas Gottschalk gesucht. Dazu sagt Käßmann nichts.

War sonst noch was? Ach ja, was kommt denn nun 2012, wenn schon nicht der Kollaps? Eine Angela Merkel, die länger als Bundeskanzlerin regieren wird als einst der Kohl (sagt Mathias Richling). Ein Barack Obama, der als US-Präsident wiedergewählt wird – wenn auch mangels Alternativen (sagen Käßmann und Köppel). Dazu ein Fußball-Europameister aus Deutschland (sagt Lehmann).

Und nun zurück zur "Tagesschau".

Von Jan Zier
 
 
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