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24. September 2011, 11:18 Uhr

Nerventod auf Raten

Jugendliche sind so einiges an Gewalt im Fernsehen gewohnt. Dennoch wurde der Münchener "Polizeiruf" ins Spätprogramm verbannt - zu Recht findet unsere Autorin. Von Anna Miller

Polizeiruf 110, München, Matthias Brandt, Anna Maria Sturm, Cassandras Warnung, Polizeiruf

Der Polizeiruf-Schauspieler Matthias Brandt (hier mit seiner Kollegin Anna Maria Sturm) hält die Jugendschutzbedenken für übertrieben© Marc Müller/DPA

Viel wurde diskutiert, ob der NDR überreagiert. Ob die zweite Folge des neuen Münchener Polizeiruf "Denn sie wissen nicht, was sie tun" wirklich zu brutal und traumatisierend ist. Sabine Mader, die Jugendschutzbeauftragte des Norddeutschen Rundfunks, hat den Polizeiruf auf nach 22 Uhr verlegt, also ins "Erwachsenenprogramm" - und damit das richtige Gespür bewiesen. Für eine richtige Einschätzung von Gewalt, die mit Zuschlagen und Schrammen im Gesicht nichts zu tun hat.

Das eigentliche Drama in "Denn sie wissen nicht, was sie tun" spielt sich subtiler ab. Es sind die zittrigen Hände des Kommissars, mit welchen man als Zuschauer derart mitfühlt, dass man seinen drohenden psychischen Zusammenbruch förmlich nachempfindet. Es sind die Todesschreie, die Verzweiflung, der Kontrollverlust, die man als Zuschauer permanent spürt.

Plötzlich kriecht eine Unsicherheit in einem hoch, ob man einem Attentäter glauben darf, der eigentlich in sich noch das Herz eines unschuldigen Kindes mit unbändigen Locken trägt, dem das alles irgendwie doch sehr leid tut zum Schluss, und der doch "nur" über zwanzig Menschenleben auf dem Gewissen hat, weil seine Mutter ihn verlassen hat.

Kommissare, die schon lange Burnout-Patienten sind

Diese Psycho-Momente machen den Film emotional schwer verdaulich. Aber es sind auch Themen, die Jugendliche schwer nachvollziehen können – haben diese doch in den meisten Fällen noch keine Schicksalsschläge durchlebt, haben sie doch noch keine Empathie auf dem Niveau der großen Lebensthemen.

Vielleicht ist es einfach besser, wenn sich die Jugendlichen nicht selbst im Fernsehen wiedererkennen – als Täter und als Opfer, inmitten einer Großstadttragödie des 21. Jahrhunderts, zwischen Religionskriegen und Bombenattentätern, geschiedenen Familien und Kommissaren, die eigentlich schon lange Burnout-Patienten sind.

Von Anna Miller
 
 
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