Hobbit erlegt Hulk

12. Mai 2013, 08:20 Uhr

Ein Mann wie ein Baum kämpft gegen Stefan Raab um 1,5 Millionen Euro. Und muss sich am Ende doch geschlagen geben. Weil Raab seinem Motto treu bleibt: Keine Angst vor niemand. Von Simone Deckner

"Schlag den Raab", Geld, Gewinn, Steven Gätjen, Stefan Raab, Show, Pro7, Kritik

Kandidat André aus Gelsenkirchen lieferte sich mit Stefan Raab bis zum Ende der Show ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende jedoch gewann Stefan Raab.©

Der Mann mit dem Stock im Allerwertesten ist salopp geworden: "Diese Sendung heißt der Hulk gegen den Hobbit", kalauert Steven Gätjen. Genau: Der Steven Gätjen, der bislang als Moderator so oberlehrerhaft auftrat wie Fräulein Rottenmaier in "Heidi". Aber bevor wir hier mit den fiktiven Gestalten komplett durcheinander geraten, zurück zum Gätjen: Der nennt seinen Chef aus gutem Grund einen Hobbit. Weil der neben Kandidat André aus Gelsenkirchen tatsächlich so aussieht, als sei er in der Wäsche eingelaufen.

André, Stahlbauschlosser aus Gelsenkirchen, 1,95 Meter groß, Muskelberge unterm T-Shirt, ist der Hulk. Mit einem Gesicht, das an Soapdarsteller und Moderatorendarsteller Carsten Spengemann erinnert. Kurz nach Andrés Wahl zum Herausforderer spricht Gätjen aus, was alle denken: "Hat der auch was in der Birne?" 1,5 Millionen Euro trägt hier niemand allein deshalb raus, weil er so gut Gewichte stemmen kann. Es braucht auch Köpfchen. Kommentator Frank "Buschi" Buschmann aber ist schwer beeindruckt: "Der André frisst den doch auf", fürchtet er. Das potentielle Frühstück aber gibt sich unbeeindruckt. "Ich hab keine Angst", sagt Stefan Raab.

Tatsächlich ist diese Kaltschnäuzigkeit sein Erfolgsgeheimnis. Raab ist ein Adrenalinjunkie. Er dreht immer dann zur Hochform auf, wenn der Druck am dollsten ist. Er heizt Bobbahnen in Küchengeräten herunter. Er fährt Stockcars zu Klump. Unvergessen auch die "Schlag den Raab-Folge", in der er über einen Fahrradlenker plumpste und trotz Gehirnerschütterung weitermachte. Er schreit und zetert, verunglimpft Schiedsrichter, gestikuliert wild herum, ist ganz "im Tunnel" und zieht die Zuschauer mit hinein. Machen wir uns nichts vor: Ohne Raab wäre Pro 7 heute vermutlich so beliebt wie Bibel-TV.

DSL? Die schnelle Leitung

Es macht einfach Laune, Raab dabei zuzusehen, wie er seine Ärmchen länger und länger werden beim Versuch, einen Boxsack zu umklammern, ohne herunterzurutschen. Dabei fixiert er André mit giftigem Blick. Ohne Wirkung. Die Runde "Klammern" geht an den Kraftprotz.

Doch wie steht es mit Andrés Köpfchen? Der erste Test geht schon mal richtig in die Hose: Bei "Wo liegt das"“ markiert er Städte auf einer Europakarte mit der Genauigkeit einer Gießkanne. Erwartungsgemäß keine Schnitte hat er auch bei Raabs Paradedisziplin "Blamieren oder Kassieren". Oder bei Spielen, bei denen Promis eine Rolle spielen. Raab stellt sich da höchstens selbst ein Bein. Nachdem er nicht weiß, dass Pat Cortina Eishockey-Nationaltrainer ist, fragt er schelmisch: "Wie, macht das nicht mehr der Xaver Unsinn?" Und wofür beim Internet die Abkürzung DSL steht, ist für den Rabinator auch klar: "Die schnelle Leitung." Richtig wäre Digital Subscriber Line gewesen.

André kann sich die Reihenfolge bei einem Memory aus farbigen Bällen schlechter merken als Raab. Mit der Kamera-Einparkhilfe in einem von innen abgedunkelten Auto steht er auf Kriegsfuß. Wie groß sind die Bundesländer und wer ist jünger: Veronica Ferres oder Katja Riemann? Auch bei derlei Fragen hat "Meister Propper" (Buschi) das Nachsehen. Dafür sticht er Raab in den Sportdisziplinen aus: Beim "Mini-Autoball" versucht Raab immer noch, die Fernsteuerung zu verstehen, als André ihn schon zu null abgeschossen hat. Auch beim Wasserball und einem ulkigen Spiel namens "Piratenbilard", bei dem Raab bis zum Schluss die Regeln nicht kapiert, glänzt der Hulk.

Wo bleiben weitere "Hass-Martins"?

Über weite Teile ist es ein ausgeglichener Kampf. Mit einem selten angenehmen ruhigen, aber dennoch nicht faden Kandidaten. Das war ja das große Manko der vergangenen Ausgaben: Dass die alle immer so nett sein mussten! Wie oft wünschte man sich Gegner vom Format eines Hans-„Hass-Martin“ zurück. Der angehende Apotheker aus Pinneberg klopfte 2009 ordentlich Sprüche. „Ich habe einen IQ von 143. Ich bin mir sicher, dass ich ihm in allen Gebieten überlegen bin.“ Damit gewann er zwar keine Sympathien, aber eine halbe Million Euro. "Hass-Martin" hatte verstanden: Der Rabinator braucht echte Gegner, kein Kanonenfutter. Die Statistik spricht für sich: Von insgesamt 41 Sendungen gewann Raab 27.

Zwar ging André beim Bogenschießen kurzzeitig wieder in Führung, verlor dann aber das "Sortierspiel", bei dem wieder Allgemeinwissen gefragt war. Und dann wurde aus dem ruhigen Muskelberg beim letzten Spiel "Tisch schnipsen" plötzlich ein Nervenbündel. Der seine anfängliche Führung noch verspielte. Raab behielt ausgerechnet mit einer für ihn völlig unüblichen Sicherheitstaktik die Oberhand: Und schnipste den Spielstein langsam Tisch für Tisch voran, sicherte jedes erreichte Zwischenziel. Naturgemäß zerterte er dabei wie wild, schlug sich theatralisch vor den Kopf und war ganz Raab. Als solcher konnte er nach insgesamt vier Stunden und 48 Minuten und einem Endstand von 65:40 die Faust recken. Gewonnen. Wieder einmal. Nach der Sommerpause geht es nun um zwei Millionen Euro. Und um die Frage: Wenn selbst der Hulk nichts gegen den Raab ausrichten kann, wer dann? Vielleicht sollte man mal den neuerdings so lässigen Gätjen fragen.

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