Gute Nachrichten aus Küppersbuschs Hobbykeller

11. Juni 2013, 07:10 Uhr

Friedrich Küppersbusch war mal ein Star des Gebührenfernsehens. Jetzt kehrte er mit neuem Politsatire-Format auf den Bildschirm zurück. Sanfter als früher, aber immer noch ein Systemverweigerer. Von Mark Stöhr

Tagesschaum, Friedrich Küppersbusch, ARD, Satire

Kein Alibi-Provokateur für die Apparatschiks vom Fernsehen: Friedrich Küppersbusch©

Berühmte letzte Worte: "Das sollte uns zu denken geben." Friedrich Küppersbusch sprach sie Ende 1997 in der letzten Ausgabe seiner Politsatireshow "Privatfernsehen". Er hatte schon eine Viertelstunde überzogen und mit Roger Willemsen, der per Monitor zugeschaltet war, über dies und das geplaudert. Über den "Focus"-Gründer Helmut Markwort, wie der in einem Softsexfilm mal einen Taxifahrer gespielt und Gila von Weitershausen seine Hand zwischen die Beine gelegt hatte. Und über die Quote. Wie die in der ARD mal gestiegen sei, als es einen Sendeausfall gegeben habe. So eine typische Willemsen-Geschichte. Und Küppersbusch darauf: "Das sollte uns zu denken geben." Ende der Durchsage.

Gut 15 Jahre später spricht er wieder im Fernsehen. Nicht mehr so wahnwitzig rasant und barock wie zu seinen Hochgeschwindigkeitszeiten bei "ZAK" in den Neunzigern, als er seine Gäste und die Zuschauer fast ins Koma kalauerte. Lässig und launig spult Küppersbusch seine Moderationen in "Tagesschaum" herunter, ein messerscharfer Formulierer und Sezierer wie eh und je. Er war ja auch nie wirklich weg. Für Zeitungen und fürs Radio kommentierte er all die Jahre hindurch die allgemeine Lage. Nur den Alibi-Provokateur für die Apparatschiks vom Fernsehen wollte er nicht mehr geben. Denen begegnete er stattdessen lieber als Produzent in größerer geschäftlicher Distanz.

"Sozialkundelehrer mit Glatze"

"Tagesschaum" ist eine Mischung aus politischer Satire und Magazin, also eigentlich das, was Küppersbusch immer gemacht hat, nur komprimierter. In schlanken elf Minuten und in einer spartanischen Hobbykellerkulisse schickt der 52-Jährige die wichtigsten Ereignisse des Tages durch seinen und den Reflexions-Router seiner Autoren.

Was dabei herauskommt, ist feinsinniger bis brachialer Spott, aber auch Aufklärung im eigentlichen Sinne des Wortes. "Tagesschaum" ist keine Polit-Comedy wie die "Heute-Show" im ZDF, wo Politikern hauptsächlich Clownsgesichter aufgemalt werden. Küppersbusch ist an Themen interessiert. Bei der Premiere gestern nannte er sich einen "Sozialkundelehrer mit Glatze". Das war nicht nur selbstironisch gemeint. Sein Diktum aus den 90ern, "ein politisches Magazin für Leute zu machen, die keine politischen Magazine schauen", hat nach wie vor Bestand.

Reduktion statt Innovation

Und so bekamen Steinbrücks "Inkontinenz-Team" und sein neuer Pressesprecher Rolf Kleine ihr Fett ab, der als vormaliger PR-Chef eines nicht sehr mieterfreundlichen Immobilienkonzerns geoutet wurde. Thomas de Maizière, die "Nebelgranate der Herzen", wurde mit der gewohnten Häme überzogen, verbunden aber mit mit einer ziemlich bündigen Kurzanalyse der ganzen Drohnen-Angelegenheit und der Rolle des Autobauers Fiat ("Fehler in allen Teilen") darin.

Dazu kamen Rubriken wie "Irgendwas mit Hitler" ("Die Stelle, wo wir die Quoten brutal in den Himmel recken") und "Die besten Menschen der Welt". Karl-Heinz Rummenigge schaffte es mit dem jüngsten Strafbefehl wegen der nicht-verzollten Rolex-Uhren auf den zweiten Rang. Küppersbuschs Prognose: "Damit ist er nicht mehr zu verhindern als künftiger Bayern-Präsident."

Das ist alles nicht wahnsinnig innovativ und radikal, aber die Sendung hat Potential, gerade auch wegen ihrer unaufgeregten und reduzierten Form. Dreimal wöchentlich, immer montags, dienstags und donnerstags, wird sie auf YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=_eg8bDa-wEk) und im WDR ausgestrahlt. Bis zur Bundestagswahl im September, dann ist Schluss. "Es ist wichtig, jemand zu sein, auch wenn die Kamera nicht an ist", sagte Küppersbusch 1997 zum "Spiegel". Das sollte vielen seiner Kollegen zu denken geben.

Zum Thema
stern TV-Programm
Kostenlos downloaden: stern TV-Programm für iPhone, iPad und Android-Smartphones und -Tablets Mehr Infos über die App
 
Humor
Tetsche, Haderer, Mette und Co. Tetsche, Haderer, Mette und Co.
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Gast 108867: Kann ich eine Votovoltaikanlage auf dem Hausdach von der Steuer absetzen ..

 

  von Gast 108865: Muss ich bei einem bebauten Erbbaugrundstück die volle Grunderwerbssteuer zahlen?

 

  von Gast 108858: Wie kann ich eine AVI-Datei auf dem Windows Media Player anschauen?

 

  von Amos: Woran liegt es, daß der örtliche Gasversorger von einem strengen Winter spricht, obwohl es hier...

 

  von Celsete: Wo gilt der Tag der Arbeit eigentlch als Feiertag, an dem nicht gearbeitet werden darf (sollte)??

 

  von Gast 108842: muß ich eine steuererklärung abgeben bei einem 455 euro jop?

 

  von Gast 108832: Ab wann, Welches Baujahr, wird für einen Oldtimer, keine Abgasuntersuchung mehr gefordert?

 

  von Gast 108812: wie lange muss ich nach einem medizin studium z.b. an einer klinik arbeiten bis ich meine eigene...

 

  von Gast 108808: Wie kann man den Reisepass verlängern?

 

  von Gast 108802: Wie unterscheiden sich Dressursattel und Vielseitigskeitsattel?

 

  von Gast 108785: Alt-Autoentsorgung

 

  von Gast 108781: Günstiges Haus, schätzt das FA eine Schenkung ?

 

  von Gast 108767: kann ich während der Mobilitätsgarantie eine andere Werkstatt für eine Inspektion nutzen als...

 

  von Gast 108765: Wer kennt das? Habe schon immer Querrillen am Bauch mittlerweile aber auch im Kniebereich und am...

 

  von Gast 108763: Welche Drucker besitzen LINUX-Unterstützung?

 

  von Amos: Warum können sich hochrangige Manager vor Gericht auf Erinnerungslücken berufen? Wer...

 

  von Gast 108721: Holzfarbe

 

  von Gast 108717: Was hilft gegen Zahnfleischschwund bei Implantaten?

 

  von Gast 108715: bekomme ich trotz mietrückstände meine kaution zurück

 

  von Gast 108711: Wird der Zuschuss zum Krankengeld mit dem Krankengeld verrechnet?