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Sympathisches Kanonenfutter

Angesichts der hohen Gewinnsumme von drei Millionen Euro bleibt "Schlag den Raab"-Kandidat Mario ausgesprochen cool. Glänzen kann er nur bei zwei Spielen, bleibt aber unverletzt. Am Ende gewinnt Raab.

Von Katharina Gipp

  Keine Chance für Kandidat Mario: Stefan freut sich über seinen "historischen Sieg"

Keine Chance für Kandidat Mario: Stefan freut sich über seinen "historischen Sieg"

  • Katharina Gipp

Freudestrahlend betritt Steven Gätjen das Studio und schwenkt sechs Koffer vor der Kamera hin und her: An diesem Samstagabend geht es bei "Schlag den Raab" um drei Millionen Euro. Vor drei Jahren war der Jackpot das letzte Mal so hoch – und konnte geknackt werden. Bilder vom glücklichen Sieger Nino werden eingeblendet. Doch noch bevor den Zuschauern die neuen potenziellen Kontrahenten vorgestellt werden, macht Moderator Gätjen auf die vermeintliche Bedeutsamkeit eines weiteren Raab-Siegs aufmerksam. Gelänge es Stefan Raab erneut, den Kandidaten zu schlagen, stiege der Jackpot auf dreieinhalb Millionen Euro. Das wäre "ein Stück Fernsehgeschichte", prophezeit Gätjen.

Kandidat Mario gibt dem Zuschauer dann allerdings doch Grund zur Hoffnung. Der 44-Jährige ist Tischler, hat breite Schultern und zeigt sich in seinem Vorstellungsvideo als begeisterter Kletterer. Einst hätte er auch Profi-Football-Spieler in Kanada werden können, hätte sich dann aber doch für seine Familie und Deutschland entschieden. Mario gibt sich sehr bodenständig, lächelt viel und wirkt gelassen. Von dem Gewinn würde er mit seiner Frau verreisen und sich einen VW Käfer kaufen wollen. Raab begegnet seinem auserkorenen Gegner mit gewohnter Großspurigkeit. Der selbsternannte "Henker von ProSieben" glaubt an seine Siegesserie, die laut Raab noch mindestens fünf Jahre anhalten werde.

Ewige Nörgelei

Gleich das erste Spiel gibt einen guten Vorgeschmack für den weiteren Verlauf des Abends. Mit Flaschenverschlüssen sollen auf den Hals gestellte Plastikflaschen umgeschnippst werden. Nach einigem Herumprobieren hat Raab eine gute Technik entwickelt, die Mario übernimmt. Der Entertainer spielt den Empörten: Dass sein Gegenspieler bei ihm abgucken könnte, sei unfair. Als dieser dann auch noch das erste Spiel für sich entscheiden kann, fordert Raab, dass derartige Geschicklichkeitsspiele zukünftig nur unter Ausschluss des jeweilig anderen durchgeführt werden.

Wenn Raab nicht gerade nörgelt, und die Ungerechtigkeiten beklagt, die ihm wiederfahren, redet er sich heraus. Zu einem Bild von Andreas Voßkuhle, dem Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts, sagt er: "Der muss sich noch Mühe geben mit der Popularität, wenn ich den nicht kenne."

Während Raab sich die Haare rauft und unentwegt hektisch vor sich hinmurmelt, bleibt Mario gelassen. Äußerlich ist ihm die Stresssituation nicht anzumerken – und dass obwohl Gätjen und auch Kommentator Frank Buschmann nicht müde werden, zu betonen, wie viel Geld es zu gewinnen gibt. Dennoch will es für den Kandidaten nicht so recht laufen. Raab schlägt ihn unter anderem im Volleyball, Automarken-Raten, Baggern, Fechten und im Elektroroller-Fahren. Für den Familienvater gibt es nur zwei eigentliche Lichtblicke. Im Hochseilgarten klettert er Raab davon, beim Zählen von Würfelaugen zeigt er beeindruckende Kopfrechenkünste. Nach 13 Runden ist dann aber Schluss. Mario sortiert Boris Becker chronologisch vor Rudi Altig in die Liste der "Sportler des Jahres". Nach fast fünf Stunden Sendezeit gewinnt Raab mit 68 zu 23.

"Ein Stück Fernsehgeschichte"

Wie auch in den vorangegangenen Ausgaben von "Schlag den Raab" ist die Anzahl der zu absolvierenden Spielrunden nicht alleiniger Grund für die ausgesprochen lange Sendezeit. Zu jeder sich bietenden Gelegenheit gibt es eine Werbeunterbrechung – dazu müssen noch nicht einmal aufwendige Umbauarbeiten anstehen. Den Kontrahenten wird Wasser nachgeschenkt – schon wird ein Werbespot eingespielt. Und zwischendurch wollen dann auch noch ein paar Musiker beachtet werden: Lana del Rey leidet und singt, Udo Lindenberg nimmt seine Sonnenbrille ab und die Fantastischen Vier kommen mit karibischen Rhythmen daher.

Wirkliche Spannung entsteht nicht und das Mitfiebern mit dem Kandidaten nimmt ein jähes Ende nachdem Raab Runde zwölf ("Elektroroller") für sich entscheiden kann. An Marios Sieg glaubt keiner mehr so recht – auch wenn dieser wiederholt versichert, bis zum Schluss kämpfen zu wollen.

Als Mario dann schließlich eine letzte falsche Antwort gibt, ist er schnell nicht mehr interessant für die Kameras. Noch kurz sieht man sein enttäuschtes Gesicht, seine Familie, die zu ihm gelaufen kommt, dann rieselt der Glitzerregen. Steven Gätjen trabt wieder schwer beladen ins Bild – diesmal mit einem zusätzlichen siebten Koffer und einer leichtbekleideten, grinsenden Frau im Schlepptau. Bei der nächsten Ausgabe von „Schlag den Raab“ am 15. Dezember werden 3,5 Millionen Euro im Jackpot sein – welch "Fernsehgeschichte".

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