3. September 2012, 08:08 Uhr

Auf in die Verblödung!

Computer machen süchtig, das Internet ist eine Droge, wir klicken uns das Hirn weg: Reißerisch klangen die Ankündigungen für Jauchs Talkrunde. Doch am Ende hielt sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen. Von Christoph Forsthoff

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Die Gefahren des Internet waren das Thema in der Talkrunde von Günther Jauch©

Und welche Bestseller-Sau treiben wir nächsten Sonntag durchs Talk-Dorf? Oder müssen die Buch-Neuerscheinungen dafür herhalten, dass Günther Jauch bei handfesten politischen Themen nicht gerade mit Hintergrundwissen glänzt und daher lieber irgendwelche Thesen gerade veröffentlichter Publikationen aufgreift? Nachdem letzte Woche die unselige Polit-Professorin mit ihrer Pseudo-Psychoanalyse der Kanzlerin aufs Podium durfte, nun also der Psychiatrie-Professor Manfred Spitzer mit seiner Streitschrift zur "Digitalen Demenz" - wobei sich mit fortschreitendem Verlauf der Sendung die Frage stellte, ob es nicht vielmehr das Fernsehen und nicht der Computer und das Internet sind, die den Zuschauer verblöden lassen…

"Achtung, Computer! Macht das Internet dumm?" hieß es also. Klar, dass das Thema möglichst quotenträchtig verpackt werden musste; schade indes, dass am Ende außer Allgemeinplätzen nur wenig bei dieser Diskussionsrunde herauskam. Dabei sind Spitzers Ansätze nachdenkenswert: Der Einsatz digitaler Medien in Kindergarten und Schule reduziere die Fähigkeiten zur geistigen Vernetzung, sagt der Ulmer Hirnforscher. Die ständige Verfügbarkeit von Google führe zu Gedächtnisverlust - ganz abgesehen davon, dass es "zum Googeln Vorwissen (braucht) - das ist der Faktor, mit dem Sie die Spreu vom Weizen trennen".

Herablassende Arroganz unter Wissenschaftlern

Nun gibt es in der Wissenschaft zu jeder Studie meist eine Untersuchung, die das Gegenteil belegt sowie einen Forscher, der anderer Ansicht ist, in dieser Runde in Person Klaus Peter Jantkes. Das hätte interessant werden können, doch leider übte sich der Leiter des Bereichs Kindermedien am Fraunhofer-Institut vor allem in herablassender Arroganz: "Sie wissen nicht, was Computerspiele sind", hielt der Mathematiker dem Psychiater vor. "Sie reden über Dinge, von denen Sie nichts verstehen." Ohne dass er selbst mit einem Mehr an Wissen hätte überzeugen können.

So blieb es dem Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar überlassen, zumindest ein paar grundsätzliche Erkenntnisse zu formulieren: etwa, dass Kinder an die Neuen Medien und den Umgang mit ihnen "herangeführt werden müssen" und die Eltern "einen Blick darauf haben" sollten. Oder dass das grundlegende Problem dicker, dummer und computersüchtiger Kinder doch sei, dass sie von ihren Eltern in jeder Hinsicht allein gelassen würden - und zwar sowohl vor dem PC als auch in puncto "Ernährung und sportlicher Betätigung".

Stolz auf den eigenen Nachwuchs

Und auch TV-Moderatorin Petra Gerster konnte hier noch ein paar allgemeine Betrachtungen zum Thema Internet beisteuern: "Die Klugen macht es klüger und die Dummen macht es dümmer - das ist die große Gefahr, dass die Gesellschaft weiter auseinanderdriftet", stellte die "heute"-Nachrichtenfrau fest. Vor allem aber würden die Neuen Medien den Kindern die Zeit stehlen, "sie machen keine Hausaufgaben mehr, spielen nicht mehr Klavier oder Fußball und treffen sich nicht mehr mit Freuden". Letzteres hatte sie selbst bei ihrem spielesüchtigen Sohn erlebt - da wirkte es schon ein wenig bizarr, dass sich Gerster zu jenen Eltern zählte, die sich "vorbildlich" um ihre Kinder kümmern…

Wie übrigens alle Diskutanten, die voller Stolz von ihrem Nachwuchs und dessen Umgang mit PC und Internet erzählten. Nur Jauch mochte da nicht mitreden - oder sann er etwa über Spitzers Feststellung nach, dass Fernsehen die Bildung nachhaltig verschlechtere …?

Von Christoph Forsthoff
 
 
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