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Bischof Jaschkes Versuch, die Kirche zu retten

Ein Bischof distanziert sich bei Günther Jauch vom Präfekt der Glaubenskongregation und versucht, die Kritiker wieder mit den Katholiken zu versöhnen. Daneben verblassen sogar Lafontaine und Kerner.

Von Jan Zier

  "Wann wird es mal wieder richtig Sommer?": Günther Jauch hat die brennenden Fragen.

"Wann wird es mal wieder richtig Sommer?": Günther Jauch hat die brennenden Fragen.

  • Jan Zier

Fehlte bloß noch, dass einer sagt, die Katholiken sind die neuen Juden. Da hatte Gerhard Ludwig Müller, Erzbischof und Präfekt der Glaubenskongregation, eine "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche ausgemacht. Und Kölns Kardinal Joachim Meisner in einem Brief "Katholikenphobie" beklagt. Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, einst ein Schüler des heutigen Papstes, hat dem jetzt bei Günther Jauch deutlich widersprochen: "In jeder Hinsicht" wolle er sich von Müllers Äußerung "distanzieren", so Jaschke in der ARD. Und weiter: "Ich halte nichts von solchen Worten." So weit, so eindeutig des Bischofs Kritik am Kollegen.

Jaschke war angetreten, für seine katholische Kirche die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Genau an jenem Ort, an dem wieder einmal ein Sturm der Entrüstung über sie hereinbrach. Schließlich war war der "gnadenlose" und "lebensfremde" "Konzern Kirche" schon vergangene Woche Thema bei Jauch. Martin Lohmann (CDU), Chefredakteur des privaten katholischen Fernsehsendes K-TV, wollte dort im Zweifelsfall sogar seiner eigenen Tochter untersagen, das Kind eines Vergewaltigers abzutreiben. "Lohmann vertritt nicht die Position der Kirche", sagt Jaschke nun. Und dass man nicht "zum Prinzip erheben" dürfe, was jüngst zwei katholische Kliniken in Köln taten, die eine mutmaßlich vergewaltigte Frau abgewiesen hatten. Jaschke - selbst für katholische Kliniken zuständig - sagt: Keine Patientin werde dort abgewiesen, ja, man werde ihre Entscheidung respektieren, "selbst wenn wir sie nicht für richtig halten". Zwar ist er klar gegen eine "Pille danach", die der Abtreibung dient. Aber für eine, die Empfängnis verzögert.

Kerner ist "gerne drin" - in der katholischen Kirche

Sogar die Homosexuellen, die "ordentlich leben" - was auch immer das heißen soll, Jauch fragt das nicht - will Jaschke nicht als "Sünder" abqualifizieren. Und der ehemalige Küster, den Jauch eingeladen hat, weil seine katholische Kirche ihn einst von der Kanzel weg "zum Dorf hinausjagen" wollte, nachdem er sich als schwul outete? "Es bewegt sich etwas", sagt Jaschke. Nein, sagt er dann noch, so ganz streng müsse man die Dinge nicht immer auslegen, nicht mal als Priester: "Es gibt Ermessensspielräume". Die katholische Kirche habe heute zum Teil "leicht faschistische Züge", sagt indes der vertriebene Küster.

Neben dem Weihbischof verblassen an diesem Abend alle Gäste. Sogar der Linke Oskar Lafontaine, der einst Messdiener war und bis heute an "die christliche Soziallehre glaubt", ja, die Katholiken gar für ihre "Wertevermittlung" lobt. Dabei ist er sonst gerne Mittelpunkt jeder Talkshow. Aber auch der einfältige Johannes Baptist Kerner bleibt erfreulich im Hintergrund. Er ist eingeladen, weil er mal aus der katholischen Kirche austrat, nur um später wieder reumütig in ihren Schoß zurückzukehren. Er ist irgendwie "gerne drin", sagt er, weil er dort falsch singen darf. Und dass in der Kirche ja auch irgendwie viele Menschen viele sinnvolle Dinge tun. Auch die Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann, Vize-Ministerpräsidentin und Mitglied des Zentralkomitees der Katholiken bleibt reichlich unauffällig. Sie findet die Menschenrechtsverletzungen ihrer Kirche zwar irgendwie "schwer auszuhalten", will sie dann aber doch weiter dulden, höchstens das Grundgesetz ein bisschen "weiterentwickeln", natürlich unter Einbeziehung der Kirchen.

Lafontaine spricht von "Ferkeleien"

In die Bredouille indes gerät der einzige Protestant in der Runde, Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche. Als die diakonischen Einrichtungen seiner Kirche in die Kritik geraten, weil sie MitarbeiterInnen untertarifliche Dumpinglöhne zahlen, kann er auch nicht weiter helfen, sagt er. Nein, dass eine Pflegerin 500 Euro im Monat weniger bekommt als eine andere, die die gleiche Arbeit tut - "das gefällt mir auch nicht", sagt Schneider. Aber der Markt, Sie wissen schon, und, überhaupt: "Nur 8,7 Prozent" seiner kirchlichen Einrichtungen machen "sowas", sagt Schneider. Und er würde ja drüber reden, also hier etwa, bei Jauch. Da muss ihm am Ende doch Lafontaine beispringen: Man dürfe jetzt "nicht alles auf der Kirche abladen", verteidigt ihn der Linke - schon gar nicht alle politischen "Ferkeleien" der letzten Jahre. Und so waren am Ende doch wieder alle irgendwie versöhnlich.

Jan Zier

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