Sanktionen für Schulschwänzer:
Zwischen Geldprämie und Jugendknast
Geht es nach Arbeitsministerin von der Leyen zahlen künftig Eltern von Schulschwänzern Strafe. Falscher Ansatz oder eine gute Lösung? Ein Überblick über Sanktionen und Gründe, warum Kinder schwänzen. Von Manuela Pfohl
Aktuelle bundesweite Zahlen dazu gibt es nicht. In Hamburg wurden im ersten Quartal 2012 bei 14- bis 17-Jährigen 416 Verstöße gegen die Schulpflicht registriert. Hochgerechnet auf das ganze Jahr ergebe sich eine deutliche Steigerung gegenüber 2011 mit gut 1100 aktenkundigen Verstößen, heißt es bei der Bildungsbehörde. In Hannover hatten die Jugendrichter im Jahr 2011 monatlich mit rund 200 Bußgeldverfahren wegen Schulverweigerung zu tun.
Eine Studie von 2002 sagte, dass häufiges Schwänzen, also mehr als fünf Tage pro Schuljahr, sowohl von der Bildungsstufe, als auch von dem Wohnort abhängt. Das Ergebnis: Die schlimmsten Schwänzer gingen damals auf Hauptschulen in Hannover. Dort lag der Prozentsatz der Schulschwänzer bei 33,9 Prozent. Die wenigsten Schwänzer gab es an Gymnasien in Leipzig. Der Anteil dort betrug nur 3,2 Prozent.
Schulschwänzen hat ganz verschiedene Ursachen. Die Fachleute sagen, dass es Kinder gibt, die die Schule schwänzen, weil sie dort gemobbt oder gehänselt werden. Andere haben häusliche Probleme oder Schwierigkeiten den Schulstoff zu verarbeiten. In diesen Fällen ist das Schwänzen oft eine Stressvermeidungsstrategie.
Aber es gibt auch die Gruppen der Schulschwänzer, die auf den Unterricht verzichtet, weil sie einfach "keinen Bock" auf Lernen haben, weil sie Drogen oder Alkohol konsumieren, oder die die Zeit nutzen, um dieser Zeit kriminell agieren zu können.
Es gibt verschiedene Sanktionsmöglichkeiten: So sind beispielsweise Bußgelder von bis zu 100 Euro seit langem in allen Landesschulgesetzen als Ordnungswidrigkeit verankert. Ersatzweise gibt es die Möglichkeit der Ableistung von Sozialstunden. Es besteht die Möglichkeit, Schulschwänzer mit der Polizei zwangsweise in die Schule zu bringen. Teilweise ist sogar Jugendarrest möglich. Beispiel Hamburg: Hier wurden im Jahr 2011 immerhin 132 Schulschwänzer in den Jugendknast Hahnöfersand eingeliefert. 41 mussten bis zu einer Woche hinter Gittern bleiben.
Das Amtsgericht Hannover wiederum hat im vergangenen Jahr ein nach eigenen Angaben bundesweit einmaliges Projekt gestartet. Wenn Kinder mehr als 20 unentschuldigte Fehltage haben und massive Probleme in der Familie vorliegen, können die Jugendrichter den Eltern jetzt das Sorgerecht in schulischen Angelegenheiten entziehen.
Die Erfahrungen sind unterschiedlich. Je nachdem, welche Ursachen es für das Schulschwänzen gibt, wirken diese Strafen - oder eben nicht. Denn wer ohnehin schon in der Schule gemobbt wird, oder beim Stoff nicht mithalten kann, wird auch durch ein Bußgeld nicht seine Schulangst los.
Die "Konferenz der Schulaufsicht in der Bundesrepublik" plädiert deshalb für ein breites Spektrum an Sanktionen. An erster Stelle, so fordern die Fachleute, müssen pädagogische Maßnahmen stehen. Oberster Grundsatz müsse sein, die Ursachen für das Schwänzen in Erfahrung zu bringen und wenn möglich, zu beseitigen.
Und: Es gab sogar die Idee, Schulschwänzern den Gang zum Unterricht mit einer Geldprämie zu versüßen.
Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) sagt: Die Mehrheit der Schulschwänzer, auch derjenigen, die massiv Schule schwänzten, landet später nicht im Gefängnis. Aber: Schulschwänzen erhöht die Gefahr, in eine kriminelle Karriere abzurutschen. So hat Pfeiffers Institut beispielsweise 2500 junge Gefangene dazu befragt. Das Ergebnbis zeigte, dass mehr als die Hälfte früher die Schule schwänzte.
Beleg für die These ist auch eine Studie des KFN von 2007/2008. Dabei wurden 45.000 Schüler in 61 Orten gefragt, ob sie schon mal geschwänzt haben. Gleichzeitig wurde untersucht, ob die Schwänzer auch kriminell in Erscheinung getreten waren. Die Forscher stellten fest, dass die Gefahr, ins kriminelle Milieu abzurutschen umso höher war, desto häufiger Schule geschwänzt wurde.
Nein, das ist nicht möglich. Der Grund ist, dass diese Leistungen eine Grundsicherung der Lebenshaltungskosten darstellen. Davon kann kein Bußgeld abgezogen werden.
Bei Kindern, die jünger als 14 Jahre als sind, wird eine Ordnungswidrigkeitsanzeige gegen die Eltern gestellt. Sind die Kinder zwischen 14 und 18 Jahre alt, so können die Erziehungsberechtigten aber auch die Schüler selbst belangt werden. Die Folgen: Sozialdienste und Bußgelder. Sind die Schüler älter als 18 Jahre sind sie selbst verantwortlich und werden auch direkt belangt.
Nein, das ist nicht möglich. Es wäre auch ungerecht. Denn Kindergeld erhalten nur Geringverdiener. Alle anderen können über den Kinderfreibetrag einen Teil der Kosten für ihre Kinder steuerlich absetzen. Das würde diese Gruppe bevorteilen.
Bettina Wulff stoppen oder doch lieber den ESM? Eine Entscheidungshilfe gab es auch bei Günther Jauch nicht. Der Moderator verpasste leider die Chance, in Sachen Rettungsschirm umfassend aufzuklären.
Computer machen süchtig, das Internet ist eine Droge, wir klicken uns das Hirn weg: Reißerisch klangen die Ankündigungen für Jauchs Talkrunde. Doch am Ende hielt sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen.
Angela Merkel als weiblicher Don Corleone? Günther Jauch hatte in seiner Sendung die ehemalige Kohl-Beraterin Gertrud Höhler zu Gast und ging der Frage nach: Ist die Kanzlerin zu mächtig?
Bei Sat.1 wollten sie ihn nicht mehr, deswegen geht Late-Night-Talker Harald Schmidt nun zum Bezahlsender Sky. Mit seinem Kollegen Günther Jauch will er trotzdem nicht tauschen.
Da der hoch verschuldete Staat, dort massenhaft Steuerflüchtlinge. Bei "Günther Jauch" stand das Steuerabkommen mit der Schweiz zur Debatte. Und die Frage, ob Reiche höher besteuert werden sollen.
Bei "Anne Will" ist er als Atom-Hardliner in Erscheinung getreten. Im stern.de-Interview erklärt der Kulturjournalist Wolfgang Herles, warum er es für moralisch hält, bei der Kernenergie mitzumachen.