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14. Januar 2012, 08:23 Uhr

Herzschmerz, lass nach…

Dieter Bohlen muss sich warm anziehen. Mag der Superstar-Sucher derzeit auch noch so derbe Sprüche auffahren, die Konkurrenz bei SAT1 überzieht Deutschland mit einer einzigen großen Gefühlsoffensive. Und punktet dabei mit Stimmen und Dramaturgie. Von Christoph Forsthoff

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Das Team von Xavier Naidoo (Mitte) in der Dritten "The Voice of Germany"-Liveshow© SAT.1/ProSieben/Richard Huebner

Drama, ganz großes Drama! Tränen, pathetische Klänge, Umarmungen ohne Ende: Wen die dritte Liveshow von "The Voice of Germany" nicht rührte, der hat kein Herz - oder ist Kritiker. Von daher: Kompliment, liebe Macher, das war wirklich großes Kino, was ihr da 150 Minuten lang für die Kamera und uns Fernsehzuschauer inszeniert habt.

Und das mit bestenfalls mittelmäßigen Darstellern: Acht Kandidaten, die an diesem Abend überwiegend eine falsche Songauswahl für ihre Stimme und Fähigkeiten getroffen hatten; fünf Juroren und Coaches, deren Unterhaltungswert von Sendung zu Sendung eher ab- als zunimmt; und ein Moderatorenduo, von dem der weibliche Teil außer einem nicht enden wollenden Ausschnitt rein gar nichts zu bieten hatte.

Auch Verlierer werden zu Gewinnern

Doch dafür gibt's ja ein euphorisiertes und bisweilen auch völlig enthemmtes Publikum in dem Berliner Adlershof-Studio - und eben eine Dramaturgie, die alle Tränendrüsen- und spannungssteigernden, sende- und werbezeitdehnenden Kniffe perfekt beherrscht. Und da es andererseits in Deutschland derzeit nicht gerade an Krisen mangelt, sind solche "Am-Ende-haben-wir-uns-doch-alle-fürchterlich-lieb"-Formate natürlich Balsam für alle geschundenen Seelen. Weshalb sich selbst die beiden einzigen Verlierer des Abends letztlich doch beinahe wie Gewinner vorkommen mussten, konnten sich doch Katja Friedenberg aus Xavier Naidoos Talent-Team und Bennie McMillan aus dem BossHoss-Quartett kaum der zahlreichen Umarmungen erwehren. "Das ist bei Euch zweien unsagbar schwer - wow, wow, wow, huuh", jammerte Naidoo zwar vor seiner Entscheidung zwischen Friedenberg und Mic Donet, nachdem das Publikum bereits mit ihren Anrufen Rino Galiano und Max Giesinger in die nächste Runde bugsiert hatten.

Doch letztlich hatte er selbst der einzigen Frau in seinem Team bereits zuvor den musikalischen "Todesstoß" versetzt, indem er sie überhaupt "Flugzeuge im Bauch" singen ließ: Was zwar hier tatsächlich einmal nicht gebellt klang wie bei Grönemeyer, doch mit Streichersoße und überzogenem Pathos so völlig verkitscht war, dass die arme Katja trotz eindrucksvoller Stimme nur schlecht aussehen konnte. Sie trug's mit Fassung, auch wenn ihr unmittelbarer Konkurrent keinesfalls besser war, denn sein "Papa was a Rolling Stone" war von einem echten Soulorgan, das Naidoo hier gehört haben wollte, weit entfernt - kleiner Tipp an den großen Coach: Vielleicht einmal die eingedeutschte Version von Stefan Gwildis anhören.

Ivy singt alle an die Wand

Zweifellos hatte da das BossHoss-Duo mehr Geschick bei der Songauswahl seiner vier Kandidaten bewiesen - und zweifellos auch die sängerisch stärkeren Talente in ihrem Team. Dass die 19-jährige Ivy trotz einer Stimmbandreizung die anderen wie schon zuvor fast an die Wand sang, sprach nicht nur für Qualität, sondern auch für einen fähigen Gesangslehrer - dass Ole sich bei "Cello" halbwegs aus der Lindenbergschen Aura dieses Songs befreien konnte, für ein gesundes Selbstbewusstsein und einen eigenen Stil.

Nur konsequent, dass das Zuschauer-Voting die beiden in die nächste Runde bugsierte - weit weniger nachvollziehbar dagegen, dass Alec Völkel und Sascha Vollmer die zwei anderen in den Sängerhimmel lobten. "Ihr beide seid absolut perfekt und großartig", schmalzten sich die BossHosser in bester Nena-Manier durch ihre (Aus-)Wahl - dabei hatte Bennie seltsam verhalten gesungen und auch seine Konkurrentin Ramona Nerra nicht durchweg zu überzeugen vermocht. Aber so ist das eben, wenn sich alle fürchterlich lieb haben: Da ist kein Raum für echte Kritik. Schließlich soll ja hier großes Kino inszeniert werden - und da geht es bekanntlich vor allem um ganz großes Pathos.

Von Christoph Forsthoff
 
 
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