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6. März 2010, 08:01 Uhr

Endstation für Sharyhan Osman

Lena kiekst, Kerstin zirpt, Dursti rockt - und am Ende fliegt einer raus: Bis auf das Senderlogo in der Bildschirmecke business as usual im Viertelfinale von "Unser Star für Oslo". Nur Fräulein Rottenmeier nervte ein wenig. Von Ingo Scheel

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Jennifer Braun (v.l.n.r.), Christian Durstewitz, Lena Meyer-Landrut und Kerstin Freking sind eine Runde weiter© Jörg Carstensen/DPA

Schwang da so etwas wie Feierlichkeit in der Stimme von Stefan Raab mit? "Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen!" ließ es sich der Prosieben-Mann angesichts des "historischen Moments" nicht nehmen, selbst die Ansage zu machen. Dass dieser Zweck-Ehe in der ach so spektakulären Hochzeitsnacht dann weniger Feierlichkeit innewohnte als noch vor Wochen, als ProSieben und die ARD einander das Ja-Wort gaben, sah dann auch Raab ein. "Eigentlich ist alles beim Alten. Der einzige Unterschied ist das Logo, oben in der Bildschirmecke." Recht er hatte - alles andere war tatsächlich das gewohnte Programm. Formstarke Kandidaten, eine Studioband mit Verve und ein launiger Mathias Opdenhövel, dessen Tagesform sogar Kollegin Heinrich, beide doppelschicht-belastet nach der Echo-Moderation am Vorabend, zuweilen in die Komfortzone mitriss.

In eben jener befand sich auch Gastjuror Adel Tawil (Ich & Ich), der mit aufmunternden Ratschlägen für die Kandidaten seinen Vorgängern König Boris und Sasha in nichts nachstand. Am unteren Ende der Wohlfühl-Skala setzte Anke Engelke in Sachen Jurysterei ihre Duftmarke. Die Komödiantin erging sich in abgehangener "Been there, done that"-Attitüde, lamentierte über vermeintliche Schauspielschul-Manierismen, haute erstmal fünf Sätze lang drauf, um sich am Schluss dann doch ans "Ich fand‘s super"-Ufer zu retten. Und verkniff es sich auch nicht, noch einmal die Songauswahl einiger Kandidaten in den vergangenen Sendungen zu bekritteln. Da bekamen Sharyhans Eigenkompositionen im Rundumschlag ihr Fett weg und erhielten Jennifers latent abgerockte Top-40-Stadtfest-Kracher unaufgefordert den Daumen nach unten.

La Engelke mit Gouvernanten-Gestus

Ein Blick auf die Setlist ihrer eigenen Band, Fred Kellner und die famosen Soulsisters, zeigt, das La Engelke sich mit beidem bestens auskennt: Auf Eigenkompositionen verzichtet man bei Kölns Lokalmatadoren ebenso gern, wie man Coversong-Untote vom Schlage "Boogie Wonderland" oder "Relight my Fire" mit Freude zerspielt. Das durch die fehlenden Werbeblöcke entstandene Plus an Sendezeit nutzte sie zudem für silbenreiche Analysen, wie und wann sich jemand in der ersten Strophe noch unsicher fühlte, im Mittelteil dann aber dufte und am Ende doch wieder nicht so dolle rüberkam. Wo "Dursti" sich wähnte, als er einmal "Ahhh" sang, warum ein anderer Song für Kerstin zum "Angstgegner" wurde und dass Sharyhan zu abgezockt mit der Kamera flirtete - nichts davon entging der Jurorin mit dem Gouvernanten-Gestus, bei der man zuweilen nicht wusste, ob sie das jetzt selbst ist oder doch nur eine ihrer Charakterstudien aus "Ladykracher".

Die fünf Viertelfinal-Teilnehmer ließen sich jedoch weder von Frollein Rottenmeier, Verzeihung, Anke Engelke aus der Ruhe bringen, noch von der Tatsache, dass diesmal doppelt abgeliefert werden musste: Zwei Songs hatte jeder Kandidat am Abend vorzutragen. Sharyhan pickte zunächst "You‘ve Got the Love" von Florence & the Machine und eröffnete so den Abend mit Schmacht und Schmackes, später setzte sie noch einmal auf eine selbstgeschriebene Ballade. Sanftere Töne schlug auch Jennifer mit dem ersten Beitrag an. Natasha Bedingfields "Soulmate" absolvierte sie dabei ebenso rund wie ihren zweiten Song, Anouks Hit aus den 90ern, "Nobody‘s Wife". Kerstin, die Elfe der Eurovision, zirpte sich zum zweiten Mal durch einen Song von Regina Spektor, zudem sang sie Marit Larsens "If a Song Could Get Me You", das in all seiner augenzwinkernden Putzigkeit Frau Freking wie auf den Leib geschrieben schien. Christian Durstewitz outete sich einmal mehr als Fan von Mando Diao und seinem eigenen Material, Lena Meyer-Landrut setzte mit Liedern von Kate Nash und Lisa Mitchell wiederum auf zwei schräge Schwestern im Geiste. Das Halbfinale war ihr damit ebenso sicher wie Dursti, Kerstin und Jennifer.

Minimale Unterschiede

Für Sharyhan Osman dagegen war im Viertelfinale Endstation. Vielleicht kam ihr Querverweis auf Celine Dions Karrierestart beim Grand Prix dann doch etwas zu kalkuliert rüber, vielleicht sind es aber auch nur noch winzige Nuancen, die im enger werdenden Teilnehmerfeld jetzt über Wohl und Wehe entscheiden. Für den Rest der von ursprünglich 4500 Bewerbern auf vier Halbfinalisten geschrumpften Konkurrenz sind es nun jedenfalls nur noch zwei Sendungen bis Buffalo.

Von Ingo Scheel
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Administrator (08.03.2010, 10:49 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Kommentare gelöscht. Bitte diskutieren Sie das Thema sachlich und verzichten Sie auf Beleidigungen.

Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
hraban (06.03.2010, 18:01 Uhr)
Ne...
...das iss es einfach nicht. Hab mir die Sendung nach der vielen Lobhudelei mal angetan und mir sind dabei die Füsse eingeschlafen. Diese Lena "Leutheuser-Schnarrenberger" hat ja noch halbwegs was, aber in Oslo würden wir mit der auch gnadenlos untergehen. Alle Kandidaten haben null Erfahrung, kein Charisma, keine Persönlichkeit etc. Nebenbei würde mich mal brennend interessieren, wer denn den Song für Oslo beisteuert. Ich gehe mal davon aus, dass Deutschlands berühmtester, dauergrinsender Metzger-Geselle den dann aus der Schublade kramt. Ich vermute, dass Oslo für uns ein ähnliches Debakel gibt, wie die letzten Jahre. Dann würde ich dafür plädieren, dass wir uns wie Italien endlich aus dem Wettbewerb verabschieden und unsere sauer bezahlten GEZ-Gebühren für was Anderes verschwenden...
Vladimir (06.03.2010, 17:26 Uhr)
Und wieder der gleiche Fehler
Deutschland ist ein Kultur-Zwerg, was juckt die Welt, was deutsche Zuschauer mögen?
Deshalb wird Deutschland auch nicht gewinnen und das Geschrei wird wieder riesig. Ich mag keine Würmer, die Fische schon. Deshalb, der Wurm für die Fische, das Steak für mich... Kapiert???
copasphil (06.03.2010, 15:09 Uhr)
motiv meinte ich
copasphil (06.03.2010, 15:09 Uhr)
@Seppel1254
der viel kritisierte wahlmodus ist eben so, dass man FÜR einen kandidaten anruft und nicht GEGEN einen. hier ausländerfeindlichkeit als moriv auszumachen ist ja wohl schon paranoid...
amapola (06.03.2010, 13:59 Uhr)
Er müsste es doch besser wissen...
...der Herr Raab, nicht die Stimme zählt in Oslo, sondern ein SONG, gepaart mit einer Performance, die die Zuschauer begeistert.
Er selbst hat es doch vorgemacht: Stimme null,Song und Vortrag gut. Zwar nicht gewonnen, doch nen guten Platz belegt. Was soll diese dämliche Sucherei nach einer "neuen" Stimme. Von denen gibts genug im Lande. Wir brauchen einen Song von erster Qualität und einen Interpreten, der die "Ware" so anbietet, dass jeder sie haben will.
Alles andere ist kalter Kaffee und Rabb-Beräucherung mit GEZ-Unterstützung.
master_of_chaos (06.03.2010, 12:00 Uhr)
Vielleicht...
ist es ja, wie von mir Gebetsmühlenartig wiederholt, die Abstimmungsmodalitäteten , die verhindern, dass Sänger/innen mit Potetzial nicht weiterkommen.

Auch wenn Jennifer Stadfetstauglich das Publikum rockt , so wäre sie eine Fehlbesetzung für Oslo. Schon bei der letzten Sendung hat es mich erst gewundert, dass die junge Dame eine Runde weiter kam, aber der "deutschsingende Schwarze" leise Servus sagen musste. ( Er hätte alleine aus diesem Grund ein paar Punkte mehr für Germany eingefahren, dess bin ich mir sicher )
Auch bei dieser Sendung war Jennifers Gesang alles andere als Rund, jedoch, Ihre Fans und spaätpubertierenden Bewunder haben auch hier die Telefongesellschaften und den Sender bereichert.

Ach wenn Frau Osman ein wenig wie die Ägyptische Ausgabe von Nicole rüberkommt ( Moment mal, die hatte doch den 1. Platz gemacht ? ) , als nochmal : Vor allem WEIL sie wie Nicole ..

Auch Sharyhan hätte das ein oder andere Pünktchen aus südlicheren Ländern einkassiert.

Die Firma Brainpool sollte hier mal die Eier haben, den Wahlmodus auf Abwahlmodus umzustellen und das Publikum den ungeeignetsten Kandidaten wählen zu lassen. Wenn schon die Jury nur Lobhudelt, dann eben anonym per Telefon.

Schlecht ist von den Kandidaten keiner, aber geeignet ...

Im Endeffekt wird eh Dursti als Telefonmagnet für das weibliche Publikum ) und Lena im Finale stehen.
Wobei ich mir nicht vorstellen kann, WER für Lena den Song schreiben soll.
Prince eventuell, der kann auch schräge Sachen produzieren.
Dusrti schreibts sich ja wohl selbst..



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