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Spannung vor «Babylon Berlin»-Premiere

Berlin - Volker Bruch («Unsere Mütter, unsere Väter») ist auf Zeitreise ins Jahr 1929 gegangen. Er spielt in der Fernsehserie «Babylon Berlin» die Hauptrolle, den Kölner Kommissar Gereon Rath, den es zur Sittenpolizei an die Spree verschlägt.

Volker Bruch

Hauptdarsteller Volker Bruch mag Krimis. Foto: Jens Kalaene

Volker Bruch («Unsere Mütter, unsere Väter») ist auf Zeitreise ins Jahr 1929 gegangen. Er spielt in der Fernsehserie «Babylon » die Hauptrolle, den Kölner Kommissar Gereon Rath, den es zur Sittenpolizei an die Spree verschlägt.

Die Vorlage der Serie sind die Krimis von Volker Kutscher. « Berlin» ist mit 38 Millionen Euro rekordverdächtig teuer. Drei Regisseure drehten die 16 Folgen: Tom Tykwer, Henk Handloegten und Achim von Borries. Mitte Oktober startet die Serie bei Sky im Bezahlfernsehen, ein Jahr später im Ersten. Groß gefeiert werden soll sie am 28. September bei der Premiere im Berliner Ensemble.

Frage: Wie geht es Ihnen so kurz vor der Premiere?

Antwort: Super. Ich freue mich sehr darauf. Jetzt muss es auch endlich mal raus.

Frage: Funktioniert «Babylon Berlin» um 20.15 Uhr im klassischen ?

Antwort: Das werden wir sehen. Wenn die Leute es so verschlingen wie ich, dann ja.

Frage: Die Serie wird mit großer Spannung erwartet: einmal als große Produktion aus , einmal von den Kutscher-Fans. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Antwort: Bei einem großen Projekt gibt es immer große Erwartungen. Dadurch, dass ich in meiner Position zum jetzigen Zeitpunkt so machtlos bin, spielt der Druck keine Rolle. Ich habe praktisch keinen Einfluss auf das, was jetzt passiert.

Frage: Wie haben Sie sich vorbereitet?

Antwort: Neben den ganzen Kostüm-, Masken- und Tanzproben haben wir hauptsächlich an den Büchern gearbeitet. Wir haben zwei Monate lang in verschiedensten Konstellationen alle Szenen durchgearbeitet. Beim Tanzen haben wir als erstes Charleston gelernt, dann eine Choreographie erarbeitet und sie dann am Set wieder über den Haufen geworfen. Uns hat der Funken gefehlt, den haben wir uns wiedergeholt.

Frage: Wie ist es, in den Kulissen von Potsdam-Babelsberg zu arbeiten?

Antwort: Von außen sieht das erstmal seltsam aus. Man sieht nur die Holz- und Pappwände wie bei einer riesigen Theaterkulisse. Wenn man sie dann betritt, sind dort aber Pfützen, Tauben, Passanten. Autos wie aus einer anderen Zeit. Dann wird es lebendig. Das ist wie eine Zeitblase.

Frage: Was Ihr Gesicht in der Serie angeht, Sie haben Mut zum Elend.

Anwort: Dann macht es doch erst Spaß. Das war eine Herausforderung für alle Abteilungen, dass es gelebt, verlebt und dreckig aussieht.

Frage: Was haben Sie für ein Verhältnis zu Berlin?

Antwort: Ich lebe gerne hier. Aber es ist ein zweischneidiges Schwert. Ich liebe Berlin, weil es so lebendig und weltoffen ist. Ich habe hier tolle Menschen kennen gelernt, und viele meiner Freunde leben hier. Gleichzeitig ist es so eine Drecksstadt. Wenn man mit dem Fahrrad durch Berlin fährt, kommen die Hustenattacken, weil es so ekelhaft ist. Die Luft ist so schlimm, dass ich manchmal Fluchtgedanken habe. Wenn ich eine Weile weg bin, zieht es mich wieder her. Es ist eine Hassliebe.

Frage: Wie geht es mit «Babylon Berlin» weiter? Kommt bald der Hund, den und Charlotte im Buch haben? Oder der Ziehsohn?

Antwort: Die beiden erleben schon einiges zusammen. Der Film ist tatsächlich anders als die Bücher - in vielerlei Hinsicht. Es gibt ganze Stränge, die im Buch gar nicht vorkommen. Das ist sehr bereichernd für die Serie.

Frage: Mögen Sie sonst Krimis?

Antwort: Ja, ich mag Krimis ganz gerne. Ich gucke aber kaum deutsches Fernsehen - außer ein paar Leute hintereinander empfehlen mir etwas, dann sehe ich es mir in der Mediathek an. Ich denke, die Tage des klassischen Fernsehens sind gezählt. Dadurch muss aber keine Lücke entstehen. Wir werden mehr Content produzieren denn je. Es wird keinen Engpass geben für uns Filmschaffende.

Frage: Welche Serie mögen Sie gerade?

«Big Little Lies» mit Reese Witherspoon und Nicole Kidman - das ist unglaublich, so detailliert und fein erzählt. Eine sehr faszinierende Komposition zwischenmenschlicher Dramen.

Frage: Synchronisiert oder im Original?

Antwort: Synchronisierte Sachen kann ich nicht gucken. Da geht mir zu viel verloren. Obwohl es die Deutschen ja gut machen. Es ist eine ganz eigene Kunstform, die mich aber überhaupt nicht interessiert. Wenn man einmal angefangen hat, original zu gucken, gibt es kein Zurück mehr.

Frage: Haben Sie sich selbst mal synchronisiert gesehen?

Antwort: Ja, bei «Unsere Mütter, unsere Väter». Ich habe mal einen spanischen Trailer gesehen - unglaublich - ich hatte so eine ganz tiefe Whisky-Stimme - und die Frauen viel zu hohe Pieps-Stimmen.

Frage: Hat Hollywood schon bei Ihnen angerufen?

Antwort: Ich weiß nicht, wie man sich das vorstellt. Hollywood ruft nie an. So funktioniert es nicht. Es gibt nicht die Karriere, die man plant, sondern immer nur Projekte, zu denen man sich verhält. Sowas wie «Babylon Berlin», das ist eine Riesennummer, das hätte ich vor drei Jahren auch nicht skizzieren können.

ZUR PERSON: Volker Bruch (37) wurde in München geboren und absolvierte am Max Reinhardt-Seminar in Wien seine Schauspielausbildung. Er drehte Filme wie «Rose», «Nichts ist vergessen», «Das wahre Leben» und «Der Vorleser». Im ZDF-Dreiteiler «Unsere Mütter, unsere Väter», der 2014 einen internationalen Emmy gewann, spielte er einen Wehrmachtsoffizier.

dpa

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