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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

DVD Killed the Video Star

Dieser Film von Michael Gondry ist nichts für Fans von Michael Gondry. Er ist nicht einmal eine besonders gute Komödie. Trotzdem sollten Sie "Abgedreht" eine Chance geben. Unser TV-Tipp des Tages.

Mit wenig Geld und viel Phantasie inszenieren Mike (Mos Def) und Jerry (Jack Black, li.) Filmklassiker nach.

Mit wenig Geld und viel Phantasie inszenieren Mike (Mos Def) und Jerry (Jack Black, li.) Filmklassiker nach.

"Abgedreht"
01.55 Uhr, ARD

KOMÖDIE Vorsicht! Wer Filme von Michael Gondry ("Eternal Sunshine of the Spotless Mind") mag, sollte um diesen einen großen Bogen machen. Oder seine Erwartungen zumindest herunterschrauben. Denn als Komödie ist "Abgedreht" leider nur Durchschnittsware. und Mos Def kalauern sich durch eine Handlung, die je nach Perspektive zu hanebüchen oder zu wenig abgedreht* daherkommt. Die deutsche Synchro tut ihr übriges dazu, wenn sie den Sprachduktus von Black, Def und Danny Glover in dieses viel zu hohe Geschnattere überträgt, das wir schon aus 1980er-Komödien mit afro-amerikanischer Besetzung leidlich kennen.

Trotzdem habe ich "Abgedreht" irgendwie in mein Herz geschlossen. Der Grund lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Schweden. Nein, nicht das Land. Die Tätigkeit. "Geschwedet" nennen die Kumpels Jerry (Jack Black) und Mike (Mos Def) nämlich ihre selbst gedrehten, unfreiwillig trashig geratenen Remakes berühmter Hollywoodblockbuster wie "Ghostbusters", "König der Löwen" oder "Rush Hour 2". Die waren nötig geworden, nachdem Jerry aus Versehen sämtliche VHS(!)-Magnetbänder in einer Videothek gelöscht hatte.

Anti-"Under the Dome"

In diesen Momenten, wenn Black und Co. am Ende das halbe Viertel zu ihren Dreharbeiten einladen und alle einfach nur Spaß haben, atmet der Film einen wunderbar anarchischen Geist - und einen Hauch von Spielplatzatmosphäre. Mein Patensohn zeigte mir kürzlich auf seinem Smartphone, wie er und ein Kumpel den finalen Kampf aus "Star Wars - Episode III" zwischen Schaukeln und Sandkästen nachgedreht haben. Und da juckte es auch wieder in meinen Fingern. Warum nicht einfach einmal machen, ohne lange nachzudenken?!

Nein - es braucht kein teures Equipment, kein Tross von Spezialisten, ja, es braucht noch nicht einmal Talent. Wirklich jeder kann Filme drehen - wenn das Herz nur am rechten Fleck sitzt. Für diese Botschaft liebe ich diesen Film: Vergesst die Kohle, vergesst die Perfektion. Geht's raus und dreht's Filme.

* (Wer Jack Black und wirklich abgedreht mag, schaut lieber "Heat Vision and Jack")

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Let’s go!"
20.15 Uhr,

DRAMA Nach dem Tod ihres Vaters kehrt die 21-jährige Laura (Alice Dwyer) 1968 aus L. A. nach München heim. Sie will ihrer Mutter beistehen. Die aber stößt sie von sich. Wie das immer schon so war. Von ebenso schönen wie schmerzvollen Erinnerungen überwältigt, litt Laura immer an Eltern, von denen sie nie erfuhr, wie sie als Juden in Deutschland den Holocaust überlebten. – Jüdische Identitätsfindung und Traumabewältigung in der jungen BRD sind zwei zentrale Themen dieses Films. Michael Verhoeven erzählt die Geschichte in einer anspruchsvollen Rückblendenkonstruktion. Die hat ihre Berechtigung, weil das Vergangene so stark die Gegenwart der Figuren formt. (bis 21.45)

"Schwarzer Ozean"
22.40 Uhr, Arte

DRAMA Ein Knall, grelles Licht, eine riesige Rauchwolke: 1972 werden drei junge Matrosen Zeugen einer geheim gehaltenen Atombombenexplosion im Südpazifik. – In betont ruhigen, stark stilisierten Bildern von opernhafter Wucht zeigt Marion Hänsel, wie Warten in Gewalt umschlägt. (bis 0.10)

"Chiko"
23.15 Uhr, RBB

MILIEUKRIMI Der Film über den Deutschtürken Chiko (Denis Moschitto), der sich mit Gewalt sein Stück vom Kuchen holen will, überträgt den frühen Martin Scorsese in die Hamburger Vorstadtgettos. Authentisch, brutal, in der Sprache der Straße. (bis 0.40)

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo