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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

Erst Lesbenporno, dann ein verdammt guter Thriller

Dieser Film machte "Matrix" erst möglich - und war ein Vorreiter für starke Frauenrollen im Kino. "Bound - Gefesselt" ist unser TV-Tipp des Tages.

Zwei Frauen, ein Plan: Violet (Jennifer Tilly, r.) und Corky (Gina Gershon, l.) wollen mit ergaunerten Mafia-Millionen ein neues Leben beginnen

Zwei Frauen, ein Plan: Violet (Jennifer Tilly, r.) und Corky (Gina Gershon, l.) wollen mit ergaunerten Mafia-Millionen ein neues Leben beginnen

"Bound"
23.10 Uhr, ZDFneo
THRILLER In den ersten Filmminuten fehlt eigentlich nur noch, dass jemand nach Stroh fragt. Da wird mit säuselnder Stimme in Ohren gehaucht. Da trifft schmutzige Haut auf schmutzige Gedanken. Da kümmert sich Handwerkerin (!) Corky (!!) um die verstopften Rohre (!!!) der verführerischen Nachbarin Violet.

"Bound" war Mitte der 90er einer dieser Filme, die man als pubertierender Jung' irgendwann auf der Festplatte hatte. Ein Film mit dem gewissen Ruf. Einer dieser Streifen, die man nur anstellte, wenn man sich ganz sicher sein konnte, dass die Eltern aus dem Haus waren. Und ja, der Anfang spielt tatsächlich wie ein straightforward Lesbenporno. Bis zum Coitus Interruptus. Bis Caesar (Joe Pantoliano), Violets Mitbewohner/Gespiele/Freund mit Mafia-Hintergrund, die Szenerie betritt und die Erwartungen der Zuschauer komplett auf den Kopf gestellt werden.

Aus dem vermeintlichen Lesbenporno entwickelt sich ein spannender und (für die damaligen Sehgewohnheiten) brutaler Thriller, der seine Verliebtheit in den Film Noir der vierziger und fünfziger Jahre nicht verbergen will. Doch so sehr die Mechanismen von damals auch am Werk sind, mit einer Genre-Konvention wollten die Geschwister Andy und Lana (damals Larry) Wachowski bei ihrem Regiebedüt unbedingt brechen. Nicht die Männer, die prügelnden Mafiosis, treiben die Handlung voran, sondern zwei starke Frauen. Und deren lesbische Beziehung besitzt keine besondere Bedeutung für die Plot. Sie ist einfach da, eine ganz normale Beziehung zwischen zwei Menschen.

Die Wachowskis wurden dafür von der Kritik gefeiert und erhielten die Chance (und das Geld), für ihren zweiten Film eine weitere starke Frauenrolle zu schreiben. Ihr Name: Trinity. Der Film - natürlich - "Matrix". Gerne würde man jetzt schreiben, dass die Wachowskis, Gershon und Tilly damit den Grundstein legten für eine Gleichberechtigung von Frauen im Film. Doch auch knappe 20 Jahre nach "Bound" bleibt es immer noch die Ausnahme, wenn eine Frauenrolle einmal nicht als kreischendes Opfer ("Damsel in Distress") oder männliche Sex-Fantasie ("Lara Croft") daher kommt. Verdammt schade ist das.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der blinde Fleck - Das Oktoberfestattentat"
20.15 Uhr, Arte
POLITDRAMA München, 26.9.1980: Am Eingang zur Wiesn explodiert eine Bombe. 13 Menschen sterben. Der Student Gundolf Köhler, selbst Todesopfer, war der Täter. Zu diesem Ergebnis kommen der Chef des bayerischen Staatsschutzes (Heiner Lauterbach) und Generalbundesanwalt Rebmann (Miroslav Nemec). Reporter Ulrich Chaussy (Benno Fürmann) bezweifelt deren Einzeltätertheorie. – In Tradition von Thrillern wie "Die Unbestechlichen" gelangt das ruhig erzählte Drama zu der Einsicht, dass der Terror von rechts nicht erst mit den NSU-Morden nach Deutschland kam. (bis 21.45)

"Requiem for a Dream"
22.35 Uhr, 3Sat

DRAMA Drei Freunde (u.a. Jennifer Connelly, Jared Leto) taumeln im Drogenrausch zwischen Euphorie und Cold Turkey. In hypnotischen Bildern beschreibt Darren Aronofsky ("Black Swan") Realitätsflucht zwischen Crackpfeife und Fernbedienung. Einer der besten Drogenfilme überhaupt. (bis 0.15)

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo