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Marlon Brando als einsamer Lustmolch

Zwei Menschen treffen sich in einer leeren Wohnung und haben hemmungslosen Geschlechtsverkehr. So die Geschichte von "Der letzte Tango in Paris". Und doch dreht sich der Film alles andere als um Sex.

Der Amerikaner Paul (Marlon Brando) und die junge Französin Jeanne (Maria Schneider) treffen sich in einem leerstehenden Pariser Appartement und schlafen miteinander

Der Amerikaner Paul (Marlon Brando) und die junge Französin Jeanne (Maria Schneider) treffen sich in einem leerstehenden Pariser Appartement und schlafen miteinander

"Der letzte Tango in Paris"
1.20 Uhr, ZDF

EROTIKDRAMA Diesem Film eilt ein Ruf voraus. Und vielleicht werden Sie jetzt denken: Na klar, der Heidböhmer, so ein Tipp kann nur von einem Mann kommen. Ich gebe zu, als ich mir den Film vor vielen Jahren erstmals anschaute, war meine Motivation eindeutig: Ich war neugierig auf die berühmt-berüchtigten Sex-Szenen. Wie sich zwei Fremde, ein älterer Mann und eine junge Frau, in einer leerstehenden Wohnung begegnen, übereinander herfallen und es hemmungslos miteinander treiben. Wie sie gemeinsam Tierlaute imitieren. Wie sie versuchen zum Höhepunkt zu kommen, ohne sich zu berühren. Und dann natürlich der legendäre Akt mit der Butter.

Das alles nimmt einen großen Teil des Filmes ein und hat mich seinerzeit gefesselt. Doch beeindruckt hat mich etwas anders. Ich war erstaunt, dass "Der letzte Tango in Paris" entgegen seinem Ruf gar kein Film über Sex ist. Es ist eine ergreifende Studie über Einsamkeit. Der alternde Amerikaner Paul (Marlon Brando) und die junge Französin Jeanne (Maria Schneider) sind zwei Verzweifelte, die sich erkennen und doch nur über Sex miteinander kommunizieren können. Paul muss mit dem Freitod seiner Frau klarkommen und erfährt, dass sie ihn zu Lebzeiten betrogen hat. Jeanne hat das Leben noch vor sich, aber den falschen Mann an ihrer Seite. Paul könnte der Richtige sein. Doch sie können nicht zusammenkommen. Es wird kein gutes Ende nehmen mit den beiden.

Der Film verströmt eine tiefe Melancholie, die noch verstärkt wird durch die eindringliche Filmmusik von Gato Barbieri. Dieser herbstliche Stimmung kann ich mich nicht entziehen. Und vielleicht bekomme ich deshalb gerade jetzt, da die Blätter von den Bäumen herabrieseln, wieder Lust, mir diesen Film anzusehen.

Ein TV-Tipp von Carsten Heidböhmer, Kulturredakteur beim stern


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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo