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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

Graf Dracula bittet zum Wirtschaftskrieg

Schlimmer als "Dracula Untold" konnte es ja nicht werden. Eine neue Serie zeigt den Blutsauger als gesitteten Geschäftsmann im viktorianischen England. Unser TV-Tipp des Tages.

Erst Handkuss, dann Halsbiss: Manieren hat er, der neue Dracula (Jonathan Rhys Meyers)

Erst Handkuss, dann Halsbiss: Manieren hat er, der neue Dracula (Jonathan Rhys Meyers)

"Dracula"
22.10 Uhr, Vox
TV-SERIE Dracula als Glühbirnenfabrikant? Der Fürst der Finsternis - ein Lichtbringer der Menschheit? Einen gewissen Hang zur Ironie kann man den Machern der neuen "Dracula"-Serie wirklich nicht absprechen. Und mit Jonathan Rhys Meyers haben sie einen Vampir gefunden, von dem sich einige Zuschauerinnen und Zuschauer sicher auch freiwillig beißen lassen würden.

Dracula heißt nun Alexander Grayson und posiert in der viktorianischen Londoner High Society als stinkreicher amerikanischer Geschäftsmann. Jonathan Harker (Oliver Jackson-Cohen) ist noch immer Mina Murrays (Jessica De Gouw) Verlobter, arbeitet aber als Journalist, sie studiert Medizin. Ebenso tauchen in Nebenrollen auf: Minas beste Freundin Lucy Westenra (Katie McGrath) und Draculas Gehilfe Renfield (Nonso Anozie) - hier allerdings erstaunlich geistig gesund und schwarz.

Am Mut, die bekannten Figurenkonstellation durcheinander zu würfeln, hat es also nicht gefehlt. Trotzdem fehlt es der Serie an Biss (hüstel), die Charaktere, vor allem Dracula selbst, bleiben recht farblos. Lag das Besondere an der Romanvorlage von Bram Stoker doch gerade darin, dass die Motive des Vampirs im Dunkeln blieben, dass erfolgreiche Verfilmungen mit Bela Lugosi oder Max Schreck diese Aura des Geheimnisvollen, Bedrohlichen, Bösen erhielten. Rhys Meyers Dracula dagegen ist viel zu menschlich geraten: Ein schmucker Kerl, dem es nach Blut und Liebe und Rache giert, der aber eher an Edward aus "Twilight" als an Nosferatu erinnert.

Große Überraschungen in Sachen Plot bietet "Dracula" ebenfalls nicht. Bereits am Ende der ersten 45 Minuten sind die Fronten klar abgesteckt: Wir kennen Draculas Gegner, wissen, warum er wirklich in die Alte Welt zurückgekehrt ist und werden Zeuge seiner ersten Annäherungsversuche zu Mina. Vielleicht haben die Macher ja schon geahnt, dass keine große Zeit für Experimente bleibt. In den USA wurde "Dracula" nach der ersten Staffel und zehn Folgen abgesetzt. Das Ende allerdings ist extrem rund und sehenswert geraten. Fast so gut, dass man sich mehr Futter wünscht. Aber nur fast.

Fazit: Wer auf komplexe, ineinander verschachtelte Handlungen á la "Lost" und "Breaking Bad" steht, kann "Dracula" getrost links liegen lassen. Wer seine Geschichten aber lieber geradeaus erzählt mag, für den ist die Serie genau das richtige TV-Häppchen für zwischendurch.

PS: ... oder er schaut einmal in diese, in Deutschland weitgehend unbekannte BBC-Verfilmung von 1977 herein. Näher dran am Original war bislang kein Film-Dracula.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die letzte Versuchung Christi"
20.15 Uhr, Arte
DRAMA In seiner Verfilmung von Nikos Kazantzakis’ Roman zeigte Martin Scorsese 1988 die menschliche Seite Christi. Jesus (Willem Dafoe) will nicht glauben, dass er der Messias ist. Er verzehrt sich heimlich nach der Hure Maria Magdalena und bittet schließlich Judas (Harvey Keitel), ihn an den Römer Pilatus (David Bowie) zu verraten. Als Luzifer ihm ein ruhiges Leben mit Frau und Kindern verspricht, gibt er den Plan, sich zu opfern, fast wieder auf. Es ist seine letzte Versuchung… Dank grandioser Bilder (Kamera: Michael Ballhaus) nimmt die seinerzeit in den USA von Kirchenprotesten begleitete und bei uns nahezu ignorierte Passionsgeschichte zu jeder Zeit gefangen. (bis 22.50)

"Das geplünderte Erbe"
22.45 Uhr, ARD

DOKUMENTATION Die Terrormiliz "Islamischer Staat" finanziert sich durch Löse- und Schutzgelder, Spenden, Erdöl - und den lukrativen Handel mit antiken Kunstschätzen aus dem Nahen Osten. Ein Hauptumschlagplatz für geplündertes Kulturerbe ist Deutschland. Logbuch eines Skandals. (bis 23.30)

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo