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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

Verrückt, verrückter, Streisand

Barbra Streisand auf den Spuren von Katharine Hepburn. Mit "Is' was Doc?" belebte Peter Bogdanovich die Screwball-Komödie der 30er und 40er neu. Unser TV-Tipp des Tages.

Die Verfolgungsjagd am Ende des Film zitiert sich munter durch die Komödiengeschichte Hollywoods.

Die Verfolgungsjagd am Ende des Film zitiert sich munter durch die Komödiengeschichte Hollywoods.

"Sie sind nur... anders." - "Ich weiß, dass ich anders bin. Aber ich hatte wirklich versucht, anders zu sein." - "Anders wie wie?" - "So wie Menschen, die nicht anders sind." - Howard Bannister und Judy Maxwell

"Is' was, Doc?"
20.15 Uhr, Servus TV

SCREWBALL-KOMÖDIE Normalität ist so ein böses Wort heutzutage. Eigentlich ist es ein noch schlimmeres Schimpfwort als nett. Wer will schon als normal gelten? Besonders wollen wir sein - und suchen uns möglichst individuelle Kleidungsstile, Möbel, Hobbys, um unsere Einzigartigkeit auch nach außen zu tragen. Doch gleichzeitig hat unsere Akzeptanz von Verrücktheit ihre Grenzen. Wer Regeln und Moral unserer Gesellschaft wirklich über den Haufen wirft, wird misstrauisch beäugt. Kontrollierte Verrücktheit ist angesagt. Ausbrechen - ja, aber bitte in einem festgelegten Rahmen und während einer festgesetzten Zeitspanne. Sei es das Sabbatical, der Besuch in der Lasertag-Halle oder der After-Work-Club.

Die Studentin Judy Maxwell (wie jung war Barbra Streisand damals eigentlich?) IST anders. Wie eine Naturgewalt bricht sie über den schüchternen und biederen Musikwissenschaftler Dr. Howard Bannister (Ryan O'Neal) herein. Schert sich nicht um Konventionen, Verkehrsregeln, weltliche Besitztümer oder die Tatsache, dass Bannister längst vergeben oder gar nicht interessiert ist. Peanuts. Er weiß es nur noch nicht. Und in Judys Fantasie sind die beiden sowieso längst zusammen. Das Leben der jungen Frau ist ein Spiel, locker, leicht und beschwingt hüpft sie durch eine Welt, deren Schwere sie einfach links liegen lässt, sich eine schönere, leichtere Realität zurechtpuzzelt. Dass sie in ihrem Kielwasser Chaos und Anarchie hinterlässt - egal.

Mehr als 40 Jahre ist es her, dass Peter Bogdanovich diesen späten Screwball-Klassiker drehte und mir der jungen Streisand eine herrlich quirky Idealbesetzung fand. Und noch immer fällt es uns leicht, sich in diese Lebedame frei von Zwängen zu vergucken. Träumen wir nicht alle davon, dass uns irgendwann eine Judy Maxwell aus unserem normalen Alltag herausreißt? Nur - was würden dann die Leute sagen?

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der Kapitalismus: Adam Smith und der freie Markt"
20.15 Uhr, Arte
DOKUREIHE Anfang der Achtziger kamen die Sachcomics von Rowohlt auf den Markt. Autoren und Zeichner versuchten, ihren Lesern komplizierte Dinge zu erklären. Zum Beispiel die Kapitalismusschelte von Karl Marx. Wer wissen will, was hängen geblieben ist, dem sei der neue Sechsteiler auf Arte empfohlen. Er beginnt mit Adam Smith und den Bausteinen unserer Wirtschaftsordnung. Teil 1 räumt mit dem Mythos auf, der Kapitalismus sei so alt wie Smith’ Bücher, Teil 2 damit, der Schotte habe sich um Soziales nicht geschert. Fortsetzung am 21.10. – dann auch mit Karl als Comicfigur. (bis 22.00)

"The Messenger - Die letzte Nachricht"
23.15 Uhr, WDR,

DRAMA Den Irak haben sie längst verlassen, der Tod ist weiterhin ihr Begleiter: Sergeant Montgomery (Ben Foster) und Offizier Stone (Woody Harrelson) müssen den Angehörigen gefallener US-Soldaten die traurige Nachricht mitteilen. Beklemmendes Werk über das Trauma Irakkrieg. (bis 1.00)

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo