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Die Völkerschlacht als News-Show

Der MDR liefert an vier Abenden eine Aufarbeitung der Völkerschlacht bei Leipzig: Anstelle einer langatmigen Geschichts-Doku erzählt man das Geschehen mit den Mitteln des heutigen Fernsehjournalismus.

  Ingo Zamperoni berichtet "live" von der Völkerschlacht

Ingo Zamperoni berichtet "live" von der Völkerschlacht

"MDR Top News: Völkerschlacht überrollt Sachsen"
19.50 Uhr, MDR

EXPERIMENT "Russische Reservetruppen auf dem Marsch in Richtung Leipzig, aufgenommen am späten Nachmittag. Guten Abend meine Damen und Herren, willkommen zu dieser Sondersendung." Mit diesen Worten begrüßt "Tagesthemen"-Moderator Ingo Zamperoni die Zuschauer zu einer ganz besonderen Ausgabe: Vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 trug sich die Völkerschlacht bei Leipzig zu. Das Heer Napoleon Bonapartes stand den verbündeten Truppen von Österreich, Preußen, Russland und Schweden gegenüber.

Der MDR hat sich zum 200. Jubiläum dieses historisch bedeutenden Ereignisses - "eine der bisher größten militärischen Auseinandersetzungen der Weltgeschichte", wie es Zamperoni in typischem Nachrichtendeutsch formuliert - etwas ganz Besonderes einfallen lassen: An vier Abenden berichtet der Sender jeweils um 19.50 Uhr in der Sondersendung "MDR Topnews" über die Völkerschlacht. Und zwar mit den medialen Mitteln, als würde sie heute stattfinden.

Anchorman Zamperoni steht in einem Nachrichtenstudio, permanent informiert ein Laufband über die "Breaking News", über Truppenbewegungen und die Zahl der Gefallenen. Der Moderator schaltet hektisch in die verschiedenen europäischen Hauptstädte, wo die Korrespondenten die Positionen der jeweiligen Regierung referieren. Im Studio versuchen Experten, die neuesten Entwicklungen zu erklären und das Geschehen einzuordnen.

Seelmann-Eggebert interviewt Napoleons Gattin

Börsenexpertin Anja Kohl berichtet vom Berliner Parkett, dass die Rohstoffpreise steigen und steigen - was für die Weltwirtschaft gar nicht gut sei. Adelskenner Rolf Seelmann-Eggebert wird aus Paris zugeschaltet, wo er ein Exklusiv-Interview mit der französischen Kaiserin Marie-Louise geführt hat. Und Kulturjournalist Dieter Mohr besucht in Wien den Komponisten Ludwig van Beethoven, der seine neue Symphonie den Kämpfern der Schlacht widmen möchte.

Und immer wieder wird die Sendung von neuen Entwicklungen überrollt: "Teile der sächsischen Armee sind nun doch von Napoleon abgefallen und zu den Alliierten übergelaufen. Seit wenigen Minuten vermelden das auch die Agenturen", berichtet Zamperoni aufgeregt. Dann drückt er auf seinen iPad-Touchscreen, um auf einer animierten Karte den aktuellen Frontverlauf zu verdeutlichen. Und natürlich gibt es immer wieder aufwühlende Bilder von der Front, die aufwändig mit originalgetreuen Kostümen und unzähligen Komparsen nachgestellt werden. Diese Bilder sind bewusst authentisch gehalten. Mit verwackelter Handkamera gefilmt, als Quelle wird oftmals "Youtube" ausgewiesen.

Insgesamt ein hochspannendes TV-Experiment, das in zweifacher Hinsicht lehrreich ist: Zum einen kann man sein Schulwissen über die Völkerschlacht noch einmal auffrischen. Vor allem aber merkt der Zuschauer am Beispiel dieses hinlänglich erforschten und dokumentierten Ereignisses, wie wenig Nachrichtensendungen über aktuelle Krisen und Kriege wirklich einen Überblick zu liefern vermögen.

Nur eines ist schade: Dass die ARD nicht den Mumm hat, diesen sehenswerten Versuch im Hauptprogramm zu senden.

Ein persönlicher TV-Tipp von Carsten Heidböhmer, Redakteur bei stern.de


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