Von Kasperle, Krokodil und dem Erklärbären

7. Januar 2013, 14:06 Uhr

Vier Gäste, 60 Minuten - so sieht die ideale politische Talk-Show im TV aus. Das besagt die Studie "Die Talk-Republik". Besonders wichtig: Der Moderator sollte nicht wichtiger sein als die Sendung.

Talkshow, ideale Talkshow, "Die Talk-Republik", Studie, Uni Koblenz-Landau, Universität Koblenz, Günther Jauch

Bekommen wie ihre Kollegen von anderen Sendern kein allzu gutes Zeugnis: Die ARD-Talkmaster Plasberg, Maischberger, Jauch, Will, Beckmann (v.l.)©

Die ideale politische Talkshow ist 60 Minuten lang, hat vier Gäste und sollte "auch den Mut besitzen, etwas zu riskieren und unkonventionelle Wege beschreiten". Zu diesem Schluss kommt die am Montag von der Universität Koblenz-Landau veröffentlichte 290 Seiten lange Dokumentation "Die Talk-Republik". Dort haben 35 Studenten mit der Analyse von 22 Gesprächssendungen im deutschen Fernsehen nach dem Konzept des perfekten Talks gesucht.

"Zuviel Gleichförmigkeit bei Köpfen und Konzepten, zu wenig Tiefe bei der Präsentation der Argumente, zu viel Meinungsabfrage und zu wenig echter Gedankenaustausch. Kurz: Zu viel Show und zu wenig Substanz", teilten die Macher der Studie mit. Die Bestandsaufnahme ähnelt stark der Einschätzung des ARD-Programmbeirats Mitte 2012.

"Erklärbär" Günther Jauch

Ob es "Günther Jauch" in der ARD ist ("der Brave, der Harmlose, der Erklärbär"), ZDF-Konkurrentin Maybrit Illner ("Kompetent, hartnäckig, charmant und humorvoll") oder der ARD-"Presseclub" ("Gegenstück zum hektischen Polittalk-Alltag oder Schlaftablette?") - die Bilanz der unvoreingenommenen Studentenschaft fällt mäßig aus. Sternstunden seien selten. Die "Gesichtsbekanntheit" und die "kalkulierte Positions-Rolle" hätten Vorrang, das bewährte Muster "Kasperle" und "Krokodil" dominiere.

Die Gefahr, die die Studenten sehen: Politische Talkshows drohen "ins Boulevardeske abzudriften". Deshalb müsse - gerade der angestrebten Politikvermittlung wegen - die politische immer vor der gesellschaftlichen Relevanz stehen. "Die ideale Polit-Talkshow muss Selbstinszenierung vermeiden und Dynamik und Meinungsdarstellungen aus dem Thema selbst kreieren."

Moderator darf nicht wichtiger sein als die Sendung

Die Anleitung für künftige Erfolgsshows liest sich dann aus der Hand der Studenten trotz vielfältiger Analyse recht banal, denn diese Ziele haben sich die Fernseh-Talkmaster auch gesetzt: "Durch die ideale Talkshow sollte ein kompetenter Moderator führen und für spannende Diskurse sorgen. Die ideale Talkshow unter dem Aspekt der Politikvermittlung behandelt aktuelle politische bzw. gesellschaftspolitische Fragen, die ein breites Themenspektrum aufgreifen."

"In einer idealen Talkshow" müsse der Moderator gut informiert sein sowie kritisch, provokant und nachhakend moderieren. Die Inhalte und Themen sollten den Zuschauern verständlich präsentiert und Fachbegriffe erklärt werden. Der Moderator sei zwar das "Gesicht der Sendung", dürfe aber in seiner Person nicht wichtiger sein als die Inhalte der idealerweise einstündigen Sendung. Die Studenten stellen sich im perfekten Talk vier Gäste vor.

Publikum muss sich aktiv beteiligen können

Publikum und Gäste müssten "aktiv" über verschiedene Medienkanäle eingebunden werden. "Die Themen werden von den Zuschauern durch Feedback aus sozialen Netzwerken beeinflusst." Dennoch: "Mit der Analyse der Programm prägenden Talk-Shows werden überprüfbare Bewertungskriterien jenseits der Quote vorgelegt, die eine differenzierte und sachliche Diskussion über das derzeit umstrittenste Format des deutschen Fernsehens ermöglichen", sagte Thomas Leif, Honorarprofessor an der Uni Koblenz-Landau, der die Studie begleitete.

Leif ist auch Talk-Moderator. Im SWR-Fernsehen präsentiert er das Polit-Gespräch "2+Leif". Diese Sendung diente den Studenten nicht als Studienobjekt.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Günther Jauch
Kultur


Interaktive Datenbank: Alles, was Sie über das Dschungelcamp wissen müssen Interaktive Datenbank Alles, was Sie über das Dschungelcamp wissen müssen
stern TV-Programm
Kostenlos downloaden: stern TV-Programm für iPhone, iPad und Android-Smartphones und -Tablets Mehr Infos über die App
 
Humor
Tetsche, Haderer, Mette und Co. Tetsche, Haderer, Mette und Co.
 
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...

 

  von Gast 103454: Wann erbe ich? Betreffend Umzug und Steuer!

 

  von Gast 103439: Geburtstagsparty trotz AU

 

  von MrSweets: IPhone IMatch deaktivieren

 

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.