Hammer statt Honks

24. Februar 2010, 07:41 Uhr

"Attitude" und "Punch" stimmten mal wieder bei Stefan Raabs Suche nach dem "Star für Oslo". Wassergläser flogen gestern zwar nicht, stattdessen Herzen, Höchstnoten und am Ende wiederum zwei Kandidaten. Schade nur, dass die Zuschauer ausblieben. Von Ingo Scheel

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Pure Harmonie: Sharyhan Osman, Christian Durstewitz, Jennifer Braun, Lena Meyer-Landrut, Leon Taylor und Kerstin Freking (v.l.n.r.)©

Nena hätte ihre wahre Freude gehabt: Nach den - zugegeben unterhaltsamen - Ausfällen in der letzten Ausgabe von "Unser Star für Oslo", herrschte wieder pure Harmonie im Kölner ProSieben-Studio. Acht auf den Punkt fitte Kandidaten, mit Cassandra Steen ("Glashaus") und Sasha zwei Gast-Juroren, die sich in punkto Diplomatie zwischen Peter Maffay und Kofi Annan einreihten, ergänzt durch Stefan Raab, den "Juror mit der Zehnerkarte". Man vergaß beinah, dass am Ende zwei der angetretenen Kandidaten rausfliegen sollten. Doch auch diesmal lichteten sich die Reihen wieder ein Stück, es geht schließlich unaufhaltsam Richtung Finale und Richtung ARD. Auf ProSieben scheint dieses Experiment vorerst gescheitert: Von dem schwachen Ergebnis der Vorwoche verlor "USFO" noch einmal eine halbe Million Zuschauer. Nur noch 1,38 Millionen Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren wollten die Castingshow sehen.

Ein vorletztes Mal also tagte der Grand-Prix-Gipfel auf ProSieben und ist dort mit der vierten Ausgabe mittlerweile TV-Routine am Dienstagabend geworden: Raab referiert, die Heavytones werfen den Riemen auf die Orgel, Opdenhövel moderiert und Sabine Heinrich glänzt zumindest bei der vom Zettel abgelesenen Beschreibung der Verlosungsgewinne. Mit Lena, Jennifer und Co. steht darüber hinaus ein Casting-Tross am Startblock, so grundsolide und motiviert, man könnte meinen, Vorentscheid-Historie à la Zlatko, Mosi oder Leon hat nicht nur vor vielen Jahren, sondern auch auf einem fernen Planeten stattgefunden.

Geliebt gelobt, bewundert und beklatscht

Raabs Grundidee hat weiterhin Bestand: Bei "USFO" wird mit Würde gecastet. Hier gibt es eben keine "Honks", so der einstige Alf Igel im Schluss-Plädoyer, sondern Kandidaten mit Passion. Und die sind - Cassandra Steen flötete es auch dem letzten, nach der Werbepause zu spät aufs Sofa zurückgekehrten Zuschauer immer wieder ins Ohr - einfach "Hammer". Die "Performance", der "Punch" und vor allem die "Attitude": Alles krass, mutig und "übelst beeindruckend". Da mochte auch Sasha - mit Rübezahl-Gedächtnis-Vollbart - nicht widersprechen. Es wurde wieder geliebt und gelobt, bewundert und beklatscht.

Sharyhan war von der barfüßigen Nil-Göttin zur blau behüteten Swing-Sister mutiert und punktete mit Classic Jazz ("Is You Is or Is You Ain't my Baby"), Jennifer gab eine zu Beginn zahme, in der Mitte hysterische, am Ende überzeugende Version von Avril Lavignes "I'm With You" und Christian eine Eigenkomposition zum Besten. Leon rockte Lenny Kravitz, Kerstin kopierte Alanis Morissette sehr souverän.

Und Lena? Die bewies mit Kate Nashs "Foundations", dass sie durchaus konventioneller zu Werke gehen kann und es ganz schön ist, ein Lied zu singen, das mehr als drei Zuschauer kennen. Endstation war schließlich für Katrin, deren "Love Song" von Sara Bareilles kaum schlechter war als der Rest und - schon mit dem Schlusston seiner Version von U2s "Beautiful Day" war das zu ahnen - für einen formschwachen Cyril, der diesmal "überpowerte" und weder Timing noch Töne des Originals bändigen konnte.

Das Rennen ist wieder offener

Das letzte halbe Dutzend im ESC-Vorentscheid steht also fest. War Lenas Oslo-Ticket nach der ersten Show fast schon gedruckt, scheint das Rennen mittlerweile wieder offener zu sein, die Konkurrenz bekommt Konturen: Sharyhan als Kandidatin für die große Euro-Ballade, Kerstin mit Nudelook-Charme als Wiedergängerin von ABBAs Agnetha oder Christian Durstewitz als männliche Nicole, mit Wandergitarre und Hoppla-jetzt-komm-ich-Charme unterm Stirnband - die Luft wird dünner für Fräulein Meyer-Landrut.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
dmgroupie101 (25.02.2010, 08:14 Uhr)
Klasse
ich bin wirklich mal wieder beeindruckt gewesen. Da ich Dienstag nicht zusehen konnte, habe ich mir das Ganze gestern im Internet angesehen. Was manche kandidaten für eine Entwicklung machen, ist einfach schön, mehr kann man dazu kaum sagen. Habe ich Kerstin Freking in der 1.Show noch als Piepsemäuschen abgetan, muss ich wirklich zugeben, dass sie mich mit "Thank you" absolut geflasht hat. Lena's "Foundations" war extraklasse, denn ich habe schon mehrfach die Originalinterpretin, Kate Nash, mit diesem Lied live gehört, die währenddessen kaum atmen kann, was zu Leiden Ihrer Stimme geht, das hatte Lena echt besser drauf. Bei der Konkurrenz wird es dir wirklich tolle Jennifer schwer haben. Leon war okay, er hat den Sympathiebonus, Dursti ist einfach nicht mein Fall, aber hochtalentiert, genauso wie Sharyhan.

Ich genieße diese Sendung, und habe mich am Dienstag nach langer Zeit mal wieder geärgert, dass ich eine TV-Sendung verpasse.... ist mir nicht so oft passiert in den letzten Monaten. Weiter so.

Ach ja, und offensichtlich hat sich der Stern Autor auf Sabine Heinrich eingeschossen, wofür es meiner Ansicht nach keinen Grund gibt!!! Weiter so Sabine, NRW liebt Dich!
paladin09 (25.02.2010, 04:15 Uhr)
USFO
ist auf Pro7 eine von S.Raab produzierte Castingshow - zu Deutsch Vorentscheidung. Im Gegensatz zu früheren Sendungen der ARD hat S.Raab der USFO überhaupt erst wieder ein interessantes, sehr gelungenes, modernes Gesicht gegeben.
Der erste Grand Prix de Eurovision fand 1956 mit 7 Ländern unter strengen Regeln statt. Zu keiner Zeit sollte der Grand Prix de Eurovision eine internationale Rock - PoP - Beat Sendung sein, sondern eine reine internationale musikalische Kultursendung. Die Beiträge der Künstler sollten den Zuschauer die Kultur anderer Länder näherbringen und zur Völkerverständigung beitragen. Der Sinn dieser internationalen Show ist geblieben. Die Regeln haben sich mehrfach geändert. Sieg oder Platzierung war nie das wichtigste Ziel der Sendung. Das wichtigste Ziel dieser Sendung war ein kulturpolitsches Grenzen überwindendes Ziel. Schließlich war die ARD auch schon 1956 ein öffentlich rechtlicher Sender und der Eurovision angeschlossen. Für die teilnehmenden Künstler stand natürlich die persönliche Platzierung im Vordergrund. Schließlich ist die Sendung für die Zuschauer als Wettbewerb ausgelegt. So, hatte der Grand Prix de Eurovision ohne die heutigen Privatsender und Sat TV stets über 8Mill. Zuschauer. USFO erhebt den Anspruch für sich anspruchsvollere musikalische internationale Unterhaltung den Zuschauer bieten zu wollen als es die heutige Rock-Pop - HipHop Techno Szene zu bieten hat. Genau diesen Anspruch erfüllt S.Raab mit seiner USFO Castingshow in anspruchsvoll Bester Manier. Ebenso kann man die Beiträge zu früheren Grand Prix Jahren der Kandidaten als künstlerisch erstklassisch bezeichnen. Man kann USFO nicht mit anderen Castingshows, etwa wie DSDS vergleichen, da hinter USFO ganz andere inhaltliche, international kulturelle und politische Inhalte stecken als DSDS eine reine Quoten Provitshow von RTL ist wo der Vermarktungswert der Show, wie der Kandidaten im Vordergrund steht. Daher ist es gut das es USFO gibt, weiter geben muß und herzerfrischend den Kandidaten zu zuschauen, wie zu hören. Es erstaunt schon welche wirkliche künstlerisch hochbegabte, unentdeckt bleibende Talente es aus dem Volk gibt. Das allein ist Grund genug, das es diese Sendung mit ihrem hohen Anspruch geben weiter geben muß.
Wer S.Raab kennt, kann Gewiss sein, das der sich längst Gedanken macht etwas eigenes aufzuziehen, zu produzieren um auch anspruchvollere Talente aus dem Volk zu fischen. Der Mann, weiß wie es geht und wird mehr und mehr seriöser. Die Zusammenarbeit mit der ARD kommt nicht von ungefähr!
cardiac (24.02.2010, 13:58 Uhr)
Genau
Mal ganz abgesehn davon, dass in der Mode-, Musik-, Schauspielbranche fast alles über Castings läuft, das sind halt nur eben keine "Shows" im TV.
Man merkt auch deutlich, ob eine Casting-Show a) eine der Show wegen oder b) eine des Castings wegen ist.
USFO ist defintiv Typ b), DSDS defintiv Typ a).
kinkin12_21 (24.02.2010, 12:02 Uhr)
Ah ja...
Ich finde das Casting-Konzept eigentlich gut: Versteckte Talente zu entdecken und eine Bühne zu geben. Sozusagen ein Shortcut durch den Urwald der Musikindustrie. In Amerika haben Castingshows/Talentshows Tradition, nicht nur im Fernsehen. Michael Jackson wurde auch in einer Talentshow entdeckt. In Nashville gibt es auch eine für Countrymusiker, das Ergebnis ist u.a. Elvis Presley.

Es kommt halt darauf an was man daraus macht und wie man damit umgeht.
kinkin12_21 (24.02.2010, 11:57 Uhr)
Ich sag's mal so...
Wer lieber DSDS schaut, der soll das eben tun.

USFO hat eben nicht so eine penetrante Werbung in der BILD (kein einziger Bericht seit der 1. Show!).

Gestern Abend fühlte ich mich sehr gut unterhalten: interessante Kandidaten, abwägige Songs (die ich danach erstmal im youtube suchen musste um das Original zu kennen), kompetente Jury, auch die Moderatoren wahren unterhaltsam ohne aufdringlich zu sein. Wer es nicht geschaut hat ist selber schuld, allerdings ist Dienstag sendezeit eben ein Nachteil zu DSDS (Sonnabend primetime). Aber USFO hat bei mir das Interesse zu den alternativen Songs geweckt (Ich kannte Adele oder Kate Nash vorher nicht und bin jetzt begeistert).

Und Raabs "Gesangsunterricht" fand ich auch witzig im positiven Sinne :)

Letztes Zitat zu DSDS: Mich hat wirklich gewundert, wie die Steffi es zugelassen hat dass man sie vom Anfang an derart entwürdigend behandelt hatte. Der Tiefpunkt: Schreyl fragte sie ob sie wohl auch Kosenahmen ala Pam Anderson für ihre Brüste hätte. Ich hätte ihm bei so einer respektlosen Frage vor Millionen Zuschauern eine geknallt, zumindest verbal.
Noctim (24.02.2010, 10:55 Uhr)
Unwichtig
Als chronischer Casting-Show-Ablehner lehne ich auch diese Sendung konsequent ab. Es interessiert mich einfach nicht.

Was hat der Grand Prix bitte schön für einen Stellenwert? Es ist doch mehr oder weniger klar, dass sich immer die selben Staaten die Punkte zuschieben und zudem nur die ersten 1-3 Kandidaten tatsächlich musikalisch beim Publikum überzeugen konnten.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass vor Guildo Horn Anno '98 keine Sau beim Grand Prix eingeschaltet hat. Er galt als Schlager-Parade für Senioren. Erst seit dem Stefan Raab Hype (98-heute) ist der Grand Prix auf einmal "in" und das Deutschland unter die ersten 10 kommt "heilige Mission".

Naja Brot und Spiele...
cardiac (24.02.2010, 09:47 Uhr)
Es geht doch gar nicht nur um die Stimme - zumindest Lena und "Dursti" haben mehr als diese, wer diese beiden Talente verkennt ist wirklich ein Blindfisch. Raab reibt sich schon die Hände hinter den Kulissen, denn er hat gleich zwei potenziell erfolgreiche Künstler (ja, in diesem Fall sind es wirklich Künstler) gefunden. Zum Grand Prix wird ja vermutlich er einen Song schreiben, und das sind nicht die schlechtesten.
Scheitern wird Deutschland vermutlich wieder daran, dass die Deutschen halt deutsch denken und z.B. den süßen Karibik-Briten gewinnen lassen werden, der in Oslo absaufen würde wie jede andere 08/15-Schmusepop-Eintagsfliege. Oder wieder den Sieger aus dem letzten Jahr kopieren - wie schon so oft.
dist-bln (24.02.2010, 09:29 Uhr)
Talentiert und chancenlos!
...hier treten zwar Leute ans Mikro, die wirklich singen können (mehr oder weniger), aber vom Hocker reist das alles nicht!

im übrigen- wann sind die letzten Zuschauer vor lauter Diplomatie und langweiligem Opdenhövel eingeschlafen..?
glaubt irgendjemand der letzte "USFO" wird in Oslo irgendetwas reißen können? Stimme reicht da nicht!
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