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TV-Kritik

Unsympath Til Schweiger - er kann auch nett, wenn er will

Viele halten ihn für unsympathisch: In der WDR-Sendung "Ich stelle mich" von Sandra Maischberger kann Til Schweiger am Sonntagabend unter Beweis stellen, dass er ein ganz netter ist. Es sei denn es geht um Putin - oder dass er betrunken bei Facebook postet.

Wer ist sympathischer: Jan Böhmermann oder ? Das fragte der stern in dieser Woche in einer Online-Umfrage. Das Ergebnis müsste Til Schweiger aufhorchen lassen: 69 Prozent stimmten für seinen Widersacher, nur 21 Prozent für ihn. Und das, obwohl Böhmermann als Intellektueller und Anti-Alkoholiker sicherlich der schwierigere Gesprächspartner auf einer Party wäre. Die Abstimmung beweist: Durch seine Pöbeleien auf Facebook hat sich Schweiger viele Sympathien verspielt. Dabei sitzt bei ihm das Herz am rechten Fleck.

Das kann der 53-Jährige am Sonntagabend in der Sendung "Ich stelle mich" von unter Beweis stellen. Knapp eine Stunde lang stellt sich Schweiger den kritischen Fragen der Moderatorin zu seinen Ausfällen bei Facebook ("Wenn mich was stört, lass ich es raus"), seiner angeblichen Selbstüberschätzung ("Dann hätte ich schon längst eine Platte aufgenommen, Angebote hatte ich genug") und seinem Hass auf Kritiker ("Ich habe nie jemandem Prügel angedroht, höchstens dem von der 'B.Z.'").

Til Schweiger bleibt locker, auch bei Nachfragen

Schweiger reagiert nicht in der gewohnten Abwehrhaltung, sondern bemüht sich, ehrlich und authentisch zu sein. Er wirkt locker, auch wenn Maischberger nachhakt. ("Bist du immer ganz nüchtern, wenn du solche Sachen schreibst?") Vermutlich ist das der Grund, warum es zwischen ihm und der Moderatorin so gut klappt. Unumwunden gibt er zu: "Ich will mich mit Menschen umgeben, die ich mag." Die, die er nicht mag, bekommen das sehr schnell zu spüren. So wie CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer, dem er einst an den Kopf warf: "Sie gehen mir auf den Sack."

Schweiger kann aufbrausend und emotional sein. Das macht ihn in der deutschen Promilandschaft zu so etwas wie einem Problembär. Man weiß nie, wem er als nächstes an die Gurgel will. "Du musst die Schnauze halten, dann passiert dir nichts", lautet sein Fazit aus der Negativpresse, die er dadurch erfährt. Doch sein "ausgeprägter Gerechtigkeitssinn" , wie er selbst sagt, verhindere, dass das geschehe. Schweiger könnte ein Volkstribun sein. Einer, der sagt, was andere denken, der die Wahrheit ausspricht. Wären da nicht die seltsamen Momente, in denen er sich hoffnungslos verzettelt.


Schweiger verzettelt sich mit gesundem Halbwissen

Auch in der Sendung am Sonntagabend. "Merkel oder Schulz?", will Maischberger von ihm wissen. "Ich hoffe, mein Papa guckt nicht zu", sagt Schweiger, der aus einer eingefleischten Sozialdemokraten-Familie stammt. Und gesteht dann: "Merkel, ey." Die habe in der Flüchtlingskrise "hochmoralisch gehandelt". Hätte der Satz an diesem Punkt geendet, Schweiger hätte vermutlich Beifall bekommen. Doch dann folgt dieser verquaste Nebensatz: "… und weil sie die Führerin ist von der bedeutendsten deutschen Wirtschaftsmacht". Autsch. Noch schlimmer wird es bei der Frage: "Trump oder Putin?" "Eindeutig Putin", antwortet Schweiger und versteigt sich in seiner Begründung in die These, dass die Russen Hitler besiegt hätten und dass die US-Amerikaner nur im letzten Moment auf diesen Siegeszug aufgesprungen seien. Da ist er wieder, der Schweiger, der auch gerne bei gesundem Halbwissen drauflos brabbelt.

Selbstreflexion gehört nicht zu Schweigers großen Stärken. Das wird auch deutlich, als er auf Filmkritikerin Susan Vahabzadeh von der "Süddeutschen Zeitung" trifft. Die wirft ihm vor, extrem dünnhäutig zu sein und nicht besonders gut einstecken zu können. "Ich kann Kritik ab, wenn sie konstruktiv ist", kontert der 1,7-Abiturient. Seine abenteuerliche Begründung: An den Filmen könne er ja im Nachhinein nichts mehr ändern, deshalb sei die Kritik nicht fair. Dass er für den nächsten Film dazu lernen könnte, kommt ihm nicht in den Sinn.

Jan Böhmermann und Til Schweiger

Jan Böhmermann (l.) und Til Schweiger mögen sich nicht.

Für Schweiger spricht seine entwaffnende Ehrlichkeit

Dass Schweiger in der Maischberger-Sendung trotzdem Sympathien zurückerobern kann, liegt vor allem an seiner entwaffnenden Ehrlichkeit. "Da hatte ich einen im Tee", bekennt er freimütig über einen Facebook-Eintrag, in dem er Kritiker als "Trottel" beschimpfte. Oder mit seinem Geständnis, dass er am Anfang seiner Karriere als Stripper bei der "Nivea"-Geburtstagsfeier aufgetreten sei. "Ich sah aus wie ein Tanzbär."

"Er hatte tolle Jogginghosen und einen unglaublich tollen Hintern", konstatiert Nika von Altenstadt ihrem Ex-Freund schließlich. Und als er dann am Set der "Lindenstraße" auch noch auf seine Ex-Kollegin Andrea Spatzek trifft, wird klar: Schweiger ist einer, der liebt und geliebt werden will. Auch wenn er das selbst nicht wahr haben möchte.

"Ich stelle mich" mit Til Schweiger läuft am Sonntagabend um 21.45 Uhr im WDR Fernsehen.

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