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"Get Lucky" mit Kissinger

Die Absage von Daft Punk in seiner Show tanzt Stephen Colbert gekonnt weg und spuckt damit seinem Arbeitgeber vermeintlich lächelnd in die Suppe - mithilfe einer irrwitzigen Reihe hochkarätiger Gäste.

Von Oliver Noffke

Hierzulande ist die gute alte Late-Night-Show schon fast ausgestorben. Harald Schmidt sendet auf Sky im mittleren vierstelligen Zuschauerbereich. Benjamin Stuckrad-Barres bissige Sendung findet, wenn überhaupt, nur noch online statt. Und Kurt Krömer wird schon vor der Ausstrahlung der ersten Sendung von seinem Gast verklagt. In den USA, dem Heimatland der beherzten Late-Night-Späße, gab es vermeintlich ein ganz anderes Problem.

Dem mehrfach ausgezeichneten Komiker, Moderator und Autor Stephen Colbert sagte angeblich völlig unvermittelt Daft Punk für seine Show ab. Sie könnten "Get Lucky" in seiner Sendung leider nicht spielen. Für den Rückzug des französischen Elektropop-Duos soll der Sender MTV verantwortlich sein, der Daft Punk als Überraschungsgast für seine Video Music Awards Ende August gebucht habe - exklusiv. Bitter für Colbert, der seit Tagen Werbung für den Auftritt gemacht hatte und die Absage nur einen Tag zuvor erhalten haben soll.

Etwas konsterniert wirkend und in der Schuld eines Autoherstellers, der die Show gesponsert und damit den geplanten Auftritt überhaupt erst möglich gemacht hatte, trat Colbert die Sendung an - mit Musik "featuring the artist formerly booked as Daft Punk" (für die ursprünglich gebuchte Band Daft Punk). Und zog unvermittelt diverse Asse aus dem Ärmel.

Kutcher, Damon, Kissinger

Genau wie MTV gehört Colberts Heimatsender Comedy Central zum Medienkonzern Viacom und mit diesen Beziehungen ließ sich eine irrwitzige Ansammlung von Prominenten organisieren: Zunächst kam Ashton Kutcher auf die Bühne. Der ehemalige MTV-Moderator ("Punk'd") bestätigte quasi offiziell, dass es keinen Live-Auftritt geben werde. Trotzig lässt Colbert dennoch "Get Lucky" vom Band spielen und erhebt sich langsam mit rhythmischen Bewegungen aus seinem Sessel. Nachdem er hinter seinem Schreibtisch hervorgekommen ist, beginnt die Sause: Durch den Backstage-Bereich tanzt er mit Hugh Laurie ("Dr. House"), wackelt mit Jeff Bridges synchron mit den Hintern, wechselt das Studio und lässt sein Tanztalent in "America's Got Talent" von Heidi Klum bewerten, um anschließend aus dem Aktenschrank eines sichtlich amüsierten Henry Kissinger zu springen.

Neben langbeinigen Tänzerinnen hat auch Matt Damon einen Auftritt. Ohne weitere Ankündigung zappelt dieser in einer Telefonzelle unter buntem Zettelregen. Seit seinem herrlich schrullig inszenierten Streit mit Jimmy Kimmel scheint Damon Gefallen an solchen Überraschungsauftritten gefunden zu haben.

Die Bilanz dieser vermeintlichen Gegenoffensive: Das Publikum johlt, der Sponsor ist sicherlich auch ohne Daft Punk glücklich und Colbert tanzt. Angesichts der abgefahrenen Menge an Protagonisten und Spielorten scheint es allerdings nahezu unmöglich, dass Colbert tatsächlich erst einen Tag zuvor von der Absage der Band erfahren hat. Falls doch, gebührt ihm umso größerer Applaus für seinen Einsatz sowie Henry Kissinger für seine Spontaneität. Lediglich MTV ist um eine Überraschung ärmer.

Oliver Noffke
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