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ZDF-Gottschalk-Connection im Zwielicht

Das ZDF und die Gottschalks sind bereits mit mutmaßlicher oder tatsächlicher Schleichwerbung aufgefallen, vor allem bei "Wetten, dass ..?". Neue Vorwürfe, die der "Spiegel" erhebt, haben es in sich.

Von Thomas Schmoll

  Thomas Gottschalk bei einer "Wetten, dass ..?"-Sendung 2011 in Nürnberg. Die Firma seines Bruders Christoph soll erfolgreich Unternehmen angeboten haben, gegen Geld verbotene Reklame in Deutschlands populärster TV-Show unterzubringen.

Thomas Gottschalk bei einer "Wetten, dass ..?"-Sendung 2011 in Nürnberg. Die Firma seines Bruders Christoph soll erfolgreich Unternehmen angeboten haben, gegen Geld verbotene Reklame in Deutschlands populärster TV-Show unterzubringen.

  • Thomas Schmoll

Kommissar Schimanski ging im "Tatort" gegen unangenehmen Reiz im Rachen mit "Paroli"-Hustenbonbons vor. Die Bewohner der "Lindenstraße" hatten einen Hang zu "Nesquik" und "Meister Propper", der Marienhof hatte eine zeitlang eine sichtbare Vorliebe für den Reiseveranstalter "L'Tur". Nicht zu vergessen ZDF-Moderatorin Andrea Kiewel, die sich bei ihrem Sender über Jahre nebenher als Diätbotschafterin verdingte und Weight Watchers als das Non plus ultra im Kampf gegen überflüssige Pfunde anpries. Und natürlich Thomas Gottschalk mit seine Gummibärchen auf dem Tisch von "Wetten, dass ..?".

Zur Geschichte von ARD und ZDF gehören auch viele Geschichten rund um Schleichwerbung. Aber auch viele Versprechen, Ankündigungen und Maßnahmen, die verkappte Lobhudelei für Produkte zu unterbinden und zu bestrafen. Trotzdem gab es immer wieder Verstöße gegen die Vorgaben. Denn da wo Menschen sind, ist auch der Wunsch, möglichst viel Geld zu verdienen. Und schließlich arbeiten beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht nur Engel. Wer sich als Schleichwerber betätigt, hat einen lukrativen Nebenjob. Ein PR-Vertrag zwischen "Weight Watchers" und der - später gefeuerten, #link;http://www.stern.de/kultur/tv/andrea-kiewel-die-rueckkehr-der-weight-watchers-trompete-621170.html; inzwischen aber vom ZDF rehabilitierten# - Kiewel sah für einen viermonatigen "Kooperationszeitraum" garantierte 30.000 Euro sowie Sonderhonorare vor, falls sie Produkte des Unternehmens "ausführlich" in "besonders erwünschten Formaten" platziert. Die Firmen, die Schleichwerber engagieren, zahlen gerne. Gerade bei populären Sendungen wie "Wetten, dass..?" sitzen stets Millionen vor dem Fernseher.

45 Sekunden A-Klasse pro Sendung

Immer wieder kritisiert hat die Schleichwerbung im öffentlich-rechtlichen Rundunk der "Spiegel". Der widmet dem Thema in seiner neuesten Ausgabe eine Titelgeschichte und erhebt neue Vorwürfe gegen das ZDF und die Gottschalk-Brüder. Wieder geht es um "Wetten, dass..?" Und wieder geht es um hohe Beträge, die Rede ist von Millionensummen. Die Anschuldigung lautet: Die von Christoph Gottschalk gegründete Firma Dolce Media soll erfolgreich Firmen angeboten haben, gegen Bezahlung verbotene Reklame in Deutschlands populärster Fernsehshow unterzubringen. Das Nachrichtenmagazin beruft sich auf Verträge zwischen der Gottschalk-Firma und dem Autobauer DaimlerChrysler einerseits sowie dem Solaranlagenhersteller Solarworld andererseits. Der Abschluss soll 2003 erfolgt sein, Laufzeit drei Jahre.

Falls sich die Vorwürfe bewahrheiteten, könnte das ZDF gegen den Rundfunkstaatsvertrag verstoßen haben, der Eingriffe in redaktionelle Entscheidungen verbietet. Der Vertrag zwischen dem Stuttgarter Autokonzern und Dolce Media habe zum Beispiel vorgesehen, dass "die konkrete Anmoderation" für ein in "Wetten, dass..?" präsentiertes Sondermodell der A-Klasse von Mercedes "zwischen den Parteien einvernehmlich festgelegt wird". "Die On-Air-Präsenz der A-Klasse" müsse "im Schnitt 45 Sekunden pro Sendung" betragen. Kostenpunkt für DaimlerChrysler pro Jahr: "1.250.000 Euro,-- zzgl. Mehrwertsteuer." Und: "Ferner wird DaimlerChrysler Dolce Media für Herrn Gottschalk während der Vertragslaufzeit einen gemeinsam ausgesuchten Mercedes-Benz zur Nutzung in Europa überlassen." Seit 2007 ist Audi Kooperationspartner von "Wetten, dass..?". Grundlage der Zusammenarbeit sei ein Vertrag mit Dolce Media, den der Konzern nicht offenlegen wolle.

"Das war ein Super-Sendeplatz"

Die Gottschalk-Firma wollte sich laut "Spiegel" nicht äußern, weil es bei Verträgen grundsätzlich "ausdrückliche Verschwiegenheitsklauseln" gebe. Sollte es diese Bestimmung tatsächlich geben, halten sich nicht alle Beteiligten daran. Frank Asbeck, Gründer und Chef von Solarworld redete Klartext: "Man zahlt für die Sendesekunden." Entscheidend sei gewesen, dass die Carports mit Solardach, die die Zuschauer hätten gewinnen können, "in der Sendung einem Millionenpublikum gezeigt" würden. "Ich bin mit dem Gegenwert sehr zufrieden", sagte Asbeck. "Das war ein Super-Sendeplatz, und wir hatten einen tollen Werbeeffekt." Dem "Spiegel" zufolge blätterte das Solarunternehmen rund eine Million Euro dafür hin, in der "Wetten, dass..?"-Staffel 2010/2011 Kooperationspartner zu werden.

Daimler-Sprecher Jörg Howe äußerte sich ebenfalls zu der Angelegenheit, die "aus damaliger Sicht ein ganz normaler Vorgang" gewesen sei. In den Verträgen habe explizit gestanden, dass "Dolce Media aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit dem ZDF" gewährleiste, dass der Rundfunkstaatsvertrag sowie die Werbe- und Sponsoringrichtlinien des Senders voll eingehalten würden. "Darauf mussten wir uns verlassen." Im "Spiegel" stellte das ZDF zudem klar, Dolce Media sei nicht berechtigt gewesen, für den Fernsehsender solche Zusagen zu machen. Ein ZDF-Sprecher fügte später über die Deutsche Presse-Agentur (DPA) hinzu, dem Sender lägen keine Erkenntnisse zur Schleichwerbung bei der Präsentation von Gewinnspielen vor. "Einflussnahmen von Dritten auf redaktionelle Entscheidungen gab es nicht." Der "Spiegel" wiederum zitiert ZDF-Intendant Thomas Bellut mit den Worten: "Die Vermarktung der Markenrechte und die Akquise von Gewinnspielpreisen aus einer Hand gibt es nach Gottschalk nicht mehr. Es schadet dem Sender, wenn auch nur der Anschein entsteht, dass da nicht sauber agiert würde."

Christoph Gottschalk studierte übrigens Rechtswissenschaft. Er wollte eine Doktorarbeit zum Thema "Verbotenes und erlaubtes Product-Placement im TV" schreiben, brach das Vorhaben aber ab, weil ihm die Praxis näher war - und Geld brachte.

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