. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
2. April 2009, 10:41 Uhr

Ist Pocher der bessere Schmidt?

Ein letztes Mal ist Oliver Pocher heute Abend an der Seite von Harald Schmidt in der ARD zu sehen. Danach bekommt er seine eigene Late-Night-Show bei Sat1. Er traut sich alles zu. Aber was kann Pocher wirklich? Von Johannes Gernert

Oliver Pocher, Kerner, Sat1, ARD, Schmidt und Pocher

Siegessicher: Oliver Pocher bei einem Liveauftritt seiner Tour "Gefährliches Halbwissen"© Steffen Schmidt/EPA

Er hat diese Momente. Als sich bei der Verleihung des Echo im Februar die gesamte deutsche Musikindustrie feierte, moderierte Oliver Pocher den ARD-Abend. Zwischendurch stand auch der ehemalige Topmodel-Coach Bruce Darnell auf der Bühne und machte der Schlagersängerin Helene Fischer auf unglaublich peinliche Weise endlos lange seltsame Komplimente. Fischer schockgefror das Lächeln im Gesicht. Pocher reagierte kurz darauf geistesgegenwärtig. Wenn die Zuschauer sich noch fragen würden, warum Darnell keine Show mehr in der ARD habe: "Den Grund kennen sie jetzt."

Für manche war diese kurze, bissige Bemerkung der Höhepunkt des sonst eher lauen Abends. Das kann Pocher: Sagen, was alle anderen denken, sich aber nicht laut zu sagen trauen. Er sagt es dann extra laut. Und wenn die Ironie stimmt, sind es seine stärksten Momente. Diese Schlagfertigkeit hat ihn weit gebracht, vom öffentlichen Casting einer Nachmittagstalkshow ins Programm des Musiksenders Viva, von da zu ProSieben und schließlich neben Harald Schmidt in die ARD. Einige ARD-Obere wollten ihn nicht gehen lassen. Er hat die Quote in der Zielgruppe der gefragten 14- bis 49-Jährigen sicher um ein, zwei Punkte nach oben getrieben. Das ist viel im öffentlich-rechtlichen Universum. Aber Pocher hat sich für Sat1 entschieden. Man hat ihm dort ausreichend Geld, einen langfristigen Vertrag und eine wöchentliche Late-Night-Show angeboten. Die Frage wird jetzt sein: Was kann so einer alleine ausrichten?

Seine Liga: Die Bekanntesten im Showgeschäft

Anfang März dieses Jahres tritt Oliver Pocher in der Berliner O2-World auf, eine riesige neue Halle, sie ist relativ voll. Eine DVD soll aufgezeichnet werden. Ein Einpeitscher bittet die Leute, auf einen Beat "Pocher" zu skandieren. Bevor es losgeht, kommt Oliver Pocher selbst noch einmal auf die Bühne. "Es ist der absolut wahnsinnigste Auftritt, den ich je gehabt habe", sagt er. Im Publikum sitzen seine Eltern, seine Schwester, seine Freundin. In den nächsten Stunden werden ihn der Berliner Rapper Bushido, die Moderatoren Günther Jauch, Johannes B. Kerner und einige Comedians auf der Bühne unterstützen. Das ist jetzt seine Liga: Die bekanntesten Gesichter des TV-Showgeschäfts.

Mit einem Boxermantel über dem Anzug, hinter ihm einige Comedy-Gürtel-Träger, zieht er in die Halle ein. Er schwingt die Fäuste. Er will es den Leuten heute zeigen. Nach ein paar Begrüßungssätzen geht er gleich ins Publikum. Opfer suchen. Schwächen ausmachen und dann blitzschnell verbal zuschlagen. Er findet auch sofort einen, ein Azubi, der sagt, er sei krank geschrieben, weil ihm 1,5 Tonnen auf den Nacken gefallen sind. 1,5 Tonnen? Pocher macht das zum Running Gag des Abends. Ein wenig inspirierter Anfang. Es wird dann nicht besser, als die Freundin einer Zuschauerin, die er anruft, um sie spontan in die Halle einzuladen, nicht wirklich Lust hat zu kommen. Er muss sie am Ende fast bitten. Es ist eine blöde Situation. Vielleicht ist er doch nicht so weit, wie er dachte.

Es zeigt sich, was er nicht kann

Nach knapp zwei Stunden ist Pause. Danach ist die Halle leerer. Einige Zuschauer sind nicht mehr zurückgekommen. Der Anfangsapplaus für den zweiten Teil ist ziemlich kurz. Pocher steht da, mit ausgestreckten Armen und sieht aus, wie einer, der den Jubel gern länger genossen hätte. Es zeigt sich an diesem Abend auch recht deutlich, was er alles nicht kann. Er ist kein guter Stand-Up-Comedian.

Er arbeitet ohne Pointen oder mit welchen, die so schwach sind, dass sie kaum auffallen. Er hat keine besonders frischen Ideen. Radiomoderatoren wegen ihrer chronischen Guten-Morgen-Laune als "Morgen Michi" und "Crazy Claudia" zu imitieren, war schon vor fünf Jahren kaum mehr lustig.

Das Programm wird nicht origineller dadurch, dass Pocher dicke Frauen in regelmäßigen Abständen als "fette Tonnen" bezeichnet und schon gar nicht dadurch, dass er völlig ungerührt fremdenfeindliche Ressentiments bedient. "Was wäre Berlin ohne unsere Türken? Leerer, klar. Sicherer, sauberer, aufgeräumter. Nee, sie sind wirklich toll." Riesenapplaus im Saal. Bei Sat1 dürfte er für solche Bemerkungen weniger Ärger kriegen als von den ARD-Aufsichtsräten.

Reagieren statt agieren

Man sollte ihn nicht unbedingt alleine lassen. Er braucht Situationen, am besten peinliche. Er ist einer, der besser reagiert als agiert. Wenn er für "Schmidt und Pocher" nach draußen ging, konnte er sich solche Situationen schaffen. In einer der letzten Sendungen war er als Uri-Geller-Nachfolger unterwegs, eine ordentliche Mischung aus Parodie und Provokation. Im Grunde hat er sich da nicht weiterentwickelt. Mit solchen Späßen ist er auf Viva bekannt geworden, seine ProSieben-Show "Rent a Pocher" lebte davon, dass er raus ging, etwas erlebte und das kommentierte.

Ein TV-Kollege hatte einmal ganz ähnlich angefangen. Stefan Raab war erst bei Viva und schließlich bei ProSieben, wo seine Sendung "TV Total" gerade erst zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat. Mit den Straßen-Blödeleien und seinen "Raabigrammen", in denen er Prominente singend vorführte, hat er irgendwann aufgehört. Die Leute nähmen einem das ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad auch übel, hat er kürzlich der "FAS" gesagt. Raab hat sich als Musikförderer profiliert und Show-Ideen wie "Schlag den Raab" entwickelt, die sich ins Ausland verkaufen. Er war auf die Blödel-Beleidigungen nicht mehr angewiesen.

Er moderiert nicht, er lauert

Bei Oliver Pocher ist nicht ganz klar, was ihn außer seiner Schlagfertigkeit und dem unbedingten Willen berühmt zu werden und zu bleiben noch auszeichnet. Man kann eine Sat1-Show nicht so gut mit eineinhalb Stunden improvisierten Straßen-Sketchen füllen. Es müsste dazwischen schon etwas anderes passieren. Aber was?

Er ist kein besonders guter Moderator, er hört nicht richtig zu, dafür sind ihm die schnellen Gags zu wichtig. Er lauert darauf, dass sich etwas verdrehen, verfremden, verwerten lässt. Vielleicht wäre er selbst neben einem Jauch bei RTL besser aufgehoben gewesen als alleine bei Sat1. Zumindest muss er jetzt mehr liefern als gelungene Podolski-Parodien und spontanes Geblödel. An der späten Nacht in Sat1 sind schon große Hoffnungen wie Anke Engelke gescheitert.

Am Mittwochabend, die Nachricht von seiner Sat1-Verpflichtung ist noch frisch, sitzt Oliver Pocher bei Johannes B. Kerner. Pocher sieht etwas bleich aus wie immer, aber auch ein bisschen müde. Er macht sich über den üblichen Unfug lustig, der so im Fernsehen läuft. Topmodels, Heidi Klum, Mario Barth - und Johannes B. Kerner, der seine aktuelle Sendung mit einer Aufklärungskampagne gegen Abzocke an Bankautomaten begonnen hat. "Du wirst dich noch wundern", sagt Kerner.

Von Johannes Gernert
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
ganzbaf (03.04.2009, 09:22 Uhr)
Genauc: Pocher, Barth und Dr. Hirschhausen...

das Horrorkabinett schlechten Humors ;-P
nichtvergessen (03.04.2009, 09:00 Uhr)
O.P
zuersteinmal faellt auf, dass er ziemlich kleinwuechsig ist und viele Pickel hat. Kaum Haare am Sack und am rumposen isser. Da moecht man lieber ma aufn schoenen Einlauf zurueckgreifen oder bei Flut durchs Wat wandern.
Wie vollbloede der ist zeigt sein Wechsel zum Pleitesender SAT1.
Mehr alsne Besenkammersexschlagzeile bringt der nicht.
Silbador (03.04.2009, 08:25 Uhr)
Pocher passt in diese Zeit
In Zeiten, in denen sich Leute im Fernsehen tummeln, die früher nicht mal in die Dorfdisco gedurft hätten, passt ein Oliver Pocher doch einwandfrei.
Ohne besondere Fähigkeiten, ohne besonderes Aussehen, ohne den geringsten Charme so lange schon im TV mitmischen zu dürfen, ist symptomatisch für diese nahrezu wertefreie Epoche.
Wie jede Hochkultur in der Menschheitsgeschichte ist auch der sogenannte westliche Lebensstil dem Untergang geweiht. Die sogenannte Oberschicht liefert dem Pöbel Brot und Spiele und kassiert fleissig ab. Dem Mob werden Individuen vorgesetzt, die immer noch eine Stufe tiefer stehen und so eine Abgrenzung suggeriert,eine vermeintliche Erhabenheit über noch tiefer stehende Bevölkerungsschichten. Nicht der Drang nach Oben bestimmt das Dasein, sondern der Blick nach unten.
Mindme (03.04.2009, 08:17 Uhr)
auf Kosten anderer...
böse Witze machen. Nur wer das witzig findet und selbst so drauf ist, findet Pocher witzig. Lerne ich Menschen kennen, bringe ich gerne das Gespräch auf ihn. Wer ihn gut findet gehört nicht im mein Leben. Ich bin froh, dass er Harald Schmidt nun nicht mehr runterzieht und die ARD sollte ihm dankbar sein, dass er zu SAT1 geht.
klabautermann79 (02.04.2009, 23:03 Uhr)
Schöner Artikel
Der Artikel trifft es schon ziemlich genau und spiegelt eigentlich das wieder, was der Pocher ist: ein Nichts.
Mario Barth finde ich auch nicht sonderlich lustig, aber sogar der hat viel mehr Show-Qualitäten als ein Oli Pocher. Wenn ich Pocher sehe, kann ich kein bißchen lachen, weil seine Sprüche nur unterste Schublade sind und sein Gehabe völlig stumpf und arrogant wirkt.
Da wünscht man sich direkt einen Heinz Erhardt, einen Dieter Hallervorden oder einen Dieter Krebs zurück!
MIHINZ (02.04.2009, 22:26 Uhr)
Unterbelichtet und bösartig
Eigentlich ist Herr Pocher keine Zeile Wert! Welches Verständnis aber haben die Verantwortlichen bei den Sendern von Moral, Ethik oder Anstand? Hat niemand von denen gesehen, als Pocher u. a. seine „lustigen Scherze“ über Parkinson-Kranke machte? Wackelnd und wankend imitierte er Muhamad Ali (vormals Cassius Clay) als dieser ehrenhalber die olympische Flamme anzündete. Wann nimmt er sich die nächste Minderheit vor? Dieser unterbelichtete Pocher wird aufgrund seiner eigenen Komplexe immer ein kleiner Wadenbeißer bleiben.
utasieg (02.04.2009, 20:38 Uhr)
Erstaunlich
wie Stern, Die Welt und Bild die Werbetrommel für diesen Nichtsnutz rühren müssen.Dieser Nichtsnutz ist bei Sat1 gut aufgehoben.
Ach-nee (02.04.2009, 18:30 Uhr)
Wenn ich den Namen schon höre...
Pocher nervt einfach nur. Totaler Unterschichtenklamauk. Sprachrohr höchster Intoleranz und Pseudo-Witz. Immer auf Kosten Anderer.Wirkt wie schlechter Alkohol, zerstört mittelfristig Gehirnzellen.
MEHR ZUM ARTIKEL
Fernsehen Oliver Pocher wechselt zu Sat1

Wenn zwei sich streiten... Lange wurde über die Zukunft von Oliver Pocher spekuliert. Das Erste wollte ihn behalten, RTL war äußerst interessiert. Jetzt hat sich Pocher überraschend für einen Sender entschieden, der zumindest öffentlich gar nicht zur Debatte stand: Er geht zu Sat1. Exklusiv. mehr...

Oliver Pocher und Barbara Schöneberger Blondinen bevorzugt

Gemeinsam moderierten die beiden am vergangenen Wochenende die Echo-Verleihung und auch sonst sind sie sich ähnlicher, als man denkt. Im Interview mit dem stern berichten Barbara Schöneberger und Oliver Pocher über das liebe Geld, komische TV-Jobs und unsittliche Berührungen. mehr...

Pilotsendung "5 gegen Jauch" Operation Jauch und Pocher

Oliver Pocher und Günther Jauch machen gemeinsam auf Stefan Raab: Zusammen haben sie nach Angaben eines Branchendienstes eine Pilotsendung für eine neue Gameshow aufgezeichnet. Testweise. Die Spekulationen über Pochers Zukunft dürften damit weiter angeheizt werden. Und sein Wechsel von der ARD zu RTL wird immer wahrscheinlicher. mehr...

Medienkolumne Das steckt in Pocher

Spätestens seit seiner Stauffenberg-Parodie ist Oliver Pocher das Enfant terrible der ARD. Einen Vorteil hat Pocher auf jeden Fall: Er zwingt alle - Zuschauer wie Entscheider - zu Bekenntnissen. Nicht immer fallen sie eindeutig aus. Bernd Gäbler analysiert das Potential Pochers. mehr...

Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft