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Das satirische Comeback des Friedrich Küppersbusch

Der Wahlkampf droht langweilig zu werden, Merkel-Land ist in Agonie versunken. Und nur einer kann uns aufwecken: Friedrich Küppersbusch, der sich nach 16 Jahren mit einer Satire-Show zurückmeldet.

Von Carsten Heidböhmer

  Friedrich Küppersbusch kehrt nach langjähriger Abwesenheit ins Fernsehen zurück. Mit "Tagesschaum" will er Schwung in den Bundestagswahlkampf bringen.

Friedrich Küppersbusch kehrt nach langjähriger Abwesenheit ins Fernsehen zurück. Mit "Tagesschaum" will er Schwung in den Bundestagswahlkampf bringen.

Deutschland im Jahr 2013. Im achten Jahr der Regentschaft von Kanzlerin Angela Merkel ist das Land in einen wohligen Dämmerzustand gefallen, in großen Nachrichtenmagazinen begründen schlaue Leute, warum sie im Herbst nicht wählen wollen - ist doch eh alles egal -, und drüber aufregen will sich schon lange keiner mehr. Da kommt plötzlich ein altbekanntes Gesicht um die Ecke und will das ganze Land aufrütteln: "Wir wollen die Leute mit sanftem Nachdruck bis an die Tür des Wahllokals begleiten. Was sie da machen - links, rechts, ungültig wählen, Schwalben falten - wumpe. Doch gerade bei dieser vermeintlich egalsten Wahl seit langem möchten wir noch mal darauf hinweisen: Wählen, solange es nichts besseres gibt." So beschrieb Friedrich Küppersbusch das Programm für seine neue Sendung "Tagesschaum" im Interview mit der "taz".

Wer ist dieser Mann, der sich mal eben zum Retter der Demokratie aufschwingen möchte - und das nicht etwa mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Humor? In den 90er Jahren galt Küppersbusch als der große Erneuerer des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. In Zeiten, als Sender wie Viva, MTV, Premiere oder sogar RTL vormachten, wie modernes Fernsehen geht, bewies er quasi im Alleingang, dass auch die ARD zeitgemäße TV-Unterhaltung kann. Sogar solche mit Niveau. Als Moderator der TV-Magazine "Zak" (1990-96) und "Privatfernsehen" (1996-97) verpasste Friedrich Küppersbusch der politischen Berichterstattung eine Frischzellenkur. Die beiden Sendungen sprühten nur so vor guten Einfällen und neuartigen Herangehensweisen, die sich von dem bislang vorherrschenden, verschnarchten Tonfall von Politmagazinen erfrischend abhoben.

"Wie klappt's im Bett?"

Küppersbusch und sein Team haben ernste und komplexe Themen kompakt und auf eine freche und humorvolle Weise präsentiert. Legendär waren seine Interviews. Immer wieder überraschte er seine Gäste mit unkonventionellen Fragen. Von der damaligen Umweltministerin Angela Merkel wollte er wissen, wie sie Männer mit Sockenhaltern findet. Das Gespräch mit Sänger Heinz Rudolf Kunze begann so: "Fangen wir mal mit einer harmlosen Frage an: Wie klappt's im Bett?" Derartige Fragen waren aber nie Selbstzweck, sie sollten den Gast nicht bloßstellen oder lächerlich machen, sondern die gewohnte Interview-Routine durchbrechen, um von den Prominenten mehr als Floskeln zu erhalten - was sehr oft gelang.

1997 verschwand er dann von den Bildschirmen - und verlegte sich auf die Arbeit hinter der Kamera: Mit seiner Produktionsfirma probono verantwortete er politische Sendungen wie den preisgekrönten Talk "Maischberger" oder "4 gewinnt - die Meinungsshow" (beide NTV). Für RTL produzierte er den "Großen Deutschtest" mit Hape Kerkeling und die Reality-TV-Show "Raus aus den Schulden" mit Peter Zwegat. Und für 3Sat macht er das Szenemagazin "Bauernfeind". Daneben spricht er Radiokolumnen und schreibt seit 2003 jeden Montag für die "taz".

"Eine Viertelstunde Haltung, Erbauung und Trost"

Nun wird sein kahles Haupt wieder auf den Bildschirmen zu sehen sein. Seine Satireshow "Tagesschaum" wird ab 10. Juni drei Mal wöchtentlich im WDR ausgestrahlt. Montags, dienstags und donnerstags - "wir wollen 'sternTV' und 'Günther Jauch' eine Chance lassen" (Küppersbusch) -, daneben werden die Folgen auch auf Youtube abrufbar sein. Frei nach dem Motto "In der Kürze liegt die Würze" wird die Sendung nur 13 Minuten lang sein. In "Tagesschaum" will Küppersbusch die Nachrichten des Tages "pointiert und gewollt unausgegoren kommentieren", wie es in der offiziellen Ankündigung der Sendung heißt. Oder in Küppersbuschs Worten: "Eine Viertelstunde Haltung, Erbauung und Trost. Die 'Tagesschau' auf Koks, also."

Unterstützt wird er dabei von einem hochkarätigen Autorenteam, darunter auch der renommierte Medienjournalist Stefan Niggemeier (vormals "FAS", "Spiegel"). So darf man sich auf ein inspirierendes TV-Magazin freuen, das nur einen Wermutstropfen hat: Das Verfallsdatum ist eingebaut. Am 22. September ist Bundestagswahl - für Küppersbusch ist die Mission damit beendet.

"Tagesschaum" läuft ab dem 10. Juni drei Mal wöchentlich, montags, dienstags und donnerstags. Ab 22.45 Uhr in Einsfestival und um 23.15 Uhr im WDR Fernsehen. Außerdem gibt es einen eigenen Youtube-Kanal.

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