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15. September 2010, 10:20 Uhr

Dämonisch, putzig - oder endlich realistisch?

20 Jahre nach der Einheit wird auch der Blick auf die DDR differenzierter. Das zeigen die neue ARD-Serie "Weissensee" und die ARD-Doku "Damals, nach der DDR". Und das kommt an: 5,7 Millionen Zuschauer schalteten die erste Folge "Weissensee" ein. Die Medienkolumne von Bernd Gäbler

 
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Die Hauptpersonen der ARD-Serie "Weissensee": Julia Hausmann (Hannah Herzsprung), Tochter einer Künstlerfamilie, ist in den Volkspolizisten Martin Kupfer (Florian Lukas) verliebt© ARD/Julia Terjung/DAPD

Das Schöne an jeder Geschichtsschreibung ist: Man weiß schon, wie es ausgeht. Meist wird Geschichte deswegen vom Ergebnis her geschrieben. Die Geschichte der DDR ist eine Geschichte des Untergangs, viel seltener eine des stabilen Lebens. Für heutige Schüler und junge Studenten ist die DDR etwa so weit entfernt wie Adenauer, Bismarck oder der Dreißigjährige Krieg. Aus diesem Grund ist es so wichtig, dass die DDR bildlich festgehalten wird.

Diese Vergegenwärtigung folgt meist zwei unterschiedlichen Narrativen. Die eine Erzählung handelt von einer dämonischen, heimtückischen und hinterhältigen totalitären Diktatur. Für den Nationalsozialismus sind stets Hitler und eventuell noch ein KZ-Aufseher die prägenden Gestalten; für die DDR dagegen wird die Stasi-Maschinerie als das rücksichtslose Machtzentrum dargestellt und als Prototyp des gesellschaftlichen Seins dient der IM, keineswegs der SED-Kreissekretär. Im Film kommen dann zahlreiche Uniformen und karge Verhör-Räume, Wanzen, Telefone und schneidend vorgetragene Befehle vor. "Die Mauer" oder "Die Frau vom Checkpoint Charlie" boten genau diese Motive.

Die andere Erzählung handelt vom gelebten Leben, das man sich nicht nehmen lassen will; von den Biografien, von Nischen und kleinen Fluchten. Unabhängig von den unterschiedlichen politischen Absichten verbindet das beispielsweise den ostdeutschen SPD-Politiker Wolfgang Thierse mit der ostdeutschen Zeitschrift "Super-Illu". Im Film sind da meist Ironie und liebevolle, fast puppenstubenhafte Ausstattung anzutreffen. "Sonnenallee", "Goodbye, Lenin" und besonders "NVA" stehen dafür.

Ein neuer Anlauf - Geschichte als Mosaik

Nun, pünktlich zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit, unternimmt das Fernsehen tatsächlich einen Anlauf, die Einseitigkeiten zu überwinden - sowohl in der Fiktion als auch in der Dokumentation. "Damals, nach der DDR", eine Koproduktion von RBB und MDR, erzählt von der Zeit unmittelbar nach der Wende. Die große Zeit des Umbruchs - Geschichte also - wird wie ein Mosaik zusammengesetzt aus vielen individuellen Geschichten.

Da ist das Mädchen aus dem Osten, das sich in einen West-Schüler verliebt hatte und nun auf den Kölner Dom steigen konnte. Da ist die ehemalige Pionierleiterin, die ihre eigene damalige Naivität beklagt. Da ist der Drogeriekettenbesitzer Rossmann, der anrührend erzählt, wie er 20.000 Exemplare des "Spiegel" auf die Leipziger Montagsdemonstration verfrachtete. Das sind keine Zeitzeugenschnipsel, sondern hier spricht Lebenserfahrung.

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Die Medienkolumne

Bernd Gäbler kommentiert regelmäßig die aktuellen Ereignisse aus der Medienwelt

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