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11. Juli 2008, 18:00 Uhr
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Das Phänomen Mario Barth

An diesem Samstag werden 70.000 Menschen ins Berliner Olympiastadion pilgern - nur weil der Comedian Mario Barth dort ein paar Witze über Männer und Frauen zum Besten gibt. Das mag vielen unbegreiflich sein. Auf jeden Fall ist es Weltrekord. Von Alexander Kühn

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Ein Guiness auf die Frauen!© Clemens Bilan/DDP

Det is jetz 'ne wahre Jeschichte, verstehste, 'ne wahre Jeschichte. Der Mario Barth macht jetzt das Olympiastadion voll, am Samstagabend in Berlin, und das ist Weltrekord.

Sein Management hat gerade eine Liste der Superlative verschickt. Eine Woche lang wird im Stadion aufgebaut, rund um die Uhr. 100 Lkw karren die Technik heran, 50 Kilometer Kabel werden verlegt, 600 Tonnen Stahl verbaut. 550 Scheinwerfer sollen das abendliche Berlin erhellen. Auf sechs Videowänden wird das Spektakel für die hintersten Reihen sichtbar, 20 Kameras nehmen die Show auf, RTL will sie im Herbst ausstrahlen. Gigantisch, wa?

Barth wird wie immer Geschichten erzählen vom Zusammenleben mit seiner Freundin, "det is wirklich passiert, verstehste". Die Freundin ist so, wie Frauen halt sind, sie geht gern shoppen, telefoniert endlos und fühlt sich gern zu dick, "kennste, oder?".

Sound einer hängenden Langspielplatte

Barth wird berlinern, so derb, wie keiner mehr öffentlich berlinert hat, seit Juhnke und Pfitze tot sind. Eine Hand am Mikro, den andern Arm als Ruder. Kurze Läufe über die Bühne, links, rechts, links, rechts. In die Knie, Schweiß abtupfen und ganz arg über seine eigenen Witze lachen, vorgetragen im Sound einer hängenden Langspielplatte: "Det ist janz einfach. Janz einfach. Janz einfach, verstehste."

Also alles wie immer, wenn Barth auftritt. Nur kommen diesmal 70.000 Leute. Und Barth kommt ins Guinness-Buch. Den bisherigen Rekord in der Disziplin Ein-einziger-Comedian-lockt-Menschenmassen-an hält der Amerikaner Chris Rock, der brachte es in London auf 15.000 Zuschauer.

Klar, Rüdiger Hoffmann ist schon vor 80.000 Leuten aufgetreten, allerdings waren die wegen der Rolling Stones gekommen, er war nur Vorprogramm. Und Michael Mittermeier durfte einmal den Aufwärmer für U2 machen.

Jeder kann mitreden

Aber die Leute am Samstag, man mag da noch so kopfschütteln, haben ihre Tickets tatsächlich und ausschließlich wegen Barth gekauft. Der ebenso tatsächlich und ausschließlich Witze über Männer und Frauen zum Besten geben wird, eine Disziplin, in der sich so ziemlich jeder schon erprobt hat, von Karl Valentin über Heinz Erhardt und Fips Asmussen bis Loriot, auf unterschiedlichstem Niveau. Weil sich von dem Thema jeder angesprochen fühlt, weil jeder mitreden kann und mitlachen. Zumindest, solange es Männer und Frauen gibt.

Wer bei Barth im Publikum sitzt, sieht sich umzingelt von Männern, die ihrer Frau den Ellbogen in die Seite rammen: "Siehst du, siehst du!" Und von Frauen, die permanent kreischen: "Wie bei uns, wie bei uns!" Barth fordert einen nicht heraus, wie es Josef Hader, Volker Pispers oder Georg Schramm tun. Die Zuschauer sollen nicht ihr eigenes Dasein reflektieren. Es geht nur um Bestätigung, ja genau, so isses.

Genau, so isses

Wahrscheinlich kann man Barth nur lustig findet, wenn man nicht zu viel darüber nachdenkt. Würde er seine Gags fein spinnen, mit zweiter Ebene, Wortakrobatik und Gehirnachterbahn, kämen mit Glück vielleicht zweitausend Leute. Niveau ist Luxus, am Samstag kommt es nur auf Masse an. Barth ist nicht Kleinkunst. Barth ist Bierzelt.

Kurzer Rundruf bei Deutschlands Spaßmachern. Jürgen von der Lippe sagt: "Der Auftritt im Olympia-Stadion ist für die deutsche Comedy ein Meilenstein." Hella von Sinnen schwärmt: "Was der in Berlin vorhat, ist gigantisch. Der Mario ist zurzeit der größte Rockstar in der Szene." Nur Karl Dall, gerade auf Urlaub in Kanada weilend, gibt sich unbeeindruckt: "Das Olympia-Stadion haben vor 70 Jahren schon ganz andere Leute voll gekriegt."

Von Alexander Kühn
KOMMENTARE (10 von 37)
 
Knuffiman (13.07.2008, 11:03 Uhr)
namidh
nicht aufregen. das ist in den foren so. es gibt immer frustrierte stinkstiefel die nichts anderes drauf haben als die vermeintlichen fehler anderer zu kommentieren, sie zu beleidigen oder beschimpfen. man muss sie gewähren lassen, vllt haben sie sonst nichts vom leben. übrigens meine frau wäscht auch "nur haare". hat sie schon immer so gemacht. seit längerem lachen wir gemeinsam darüber. dies hat nichts mit intelligenz zu tun. wir haben spass. einige haben eben keinen spass und gehen zum lachen in den keller. 70.000 andere gehen zum lachen ins stadion. jedem so wie er kann oder wie er es mag. viel spass noch.
namidh (13.07.2008, 08:49 Uhr)
Eine Frage am Rande
Wieso bemüht man sich zunehmends um die grammatische Korrektur meiner Kommentare anstatt sich mit dem Inhalt auseinanderzusetzen? Wäre ich jetzt der besagte Komiker oder hätte ich zuerst angefangen, andere ob ihrer Schreibweise zu kritisieren, würde ich es ja verstehen - aber dieses mehrseitige Nachtreten ist doch befremdlich.
Mir wäre es bei weitem lieber, würde man inhaltlich aufeinander zugehen anstatt sich an Oberflächlichkeiten zu reiben. Überdies steht meine Ausdrucksweise keinesfalls für Arroganz, weshalb sich niemand eingeladen fühlen muss, diese auseinander zu nehmen.
juerv1 (13.07.2008, 05:29 Uhr)
Witze mit Bart(h)
Wenn man sich als Comedian auf eine Bühne stellt, sollte man irgendein spezielles Talent und originelle Ideen haben. Super-Mario hat nichts von all dem, sondern kocht blöde Beziehungswitze auf.
Erstaunlich ist bloß die unbeirrbare Dreistigkeit dieses Anti-Künstlers, der sich selbst offensichlich nicht peinlich ist und sich ganz toll findet. Nur so ist das nervende Dauergrinsen zu erklären, mit dem er sein eigenen Humorabsonderungen begleitet.
heiner5362 (12.07.2008, 19:58 Uhr)
das ist einen artikel wert ?
ein proll versucht comedy---
da gibt es qualitäten, die ihresgleichen suchen. nee das war wohl nix.
reiner pr-artikel
sagt mal bescheid wenn hannes könig sich vor soviele leute traut.
troller (12.07.2008, 19:09 Uhr)
Eins
ist hier jedenfalls mal Fakt: Einige Kommentatoren können ihre Meinung wirklich humorvoll kundtun. Egal ob pro oder kontra Barth. DAS zeugt von wahrer Intelligenz! Mehr davon!
MarthaMuse (12.07.2008, 16:30 Uhr)
Es wird nicht besser
@ namidh
>> Aber wenn wir anfangen, uns wegen dem einen Fehler> Ich reagierte demzufolge und hielt, halte und werde es nicht für nötig halten, insbesondere in einer Unterhaltung über einen nicht minder erfolgreichen Komiker, völlig ungefragt und frei über den Sprachgebrauch zu philosophieren.> Ursprünglich zweisprachig aufgewachsen und nach Deutschland hinzugezogen, habe ich nie geleugnet, unfehlbar zu sein und ich werde den Teufel tun und es je behaupten, noch es mir unmittelbar oder indirekt unterstellen lassen.
Vincent_Vega (12.07.2008, 11:11 Uhr)
"Hurz" oder "Nur weil ich das nicht verstehe, bin ich nicht weniger intellektuell als Sie"
So oder so ähnlich entarvte schon Hape Kerekling vor gut 18 Jahren die Arroganz der Intellektuellen, oder voon denen, die sich für intellektuell halten.
"Därr Wolf,....Das Lamm.... auf der grünen Wiese ...Hurrz....Hurrz"
Die Deutung des Intellektuellen:"Ich glaube, Sie wollen auf eine Versöhnung zwischen Wolf und Lamm am Ende der Zeiten hindeuten"
Da lobe ich mir auch den sinnbefreiten Humor, vastehste.
Dylan1941 (12.07.2008, 11:06 Uhr)
Meine Meinung stimmt mit
dem Artikel überein.Der beste Kommentar kam von Karl Dall obwohl der eigentlich auch nicht sehr subtilen intelligenten Humor vertritt. Insgesamt kann man über Humor nicht streiten und jeder soll nach der eigenen Facon glücklich werden.Andererseits kann angesichts der unspektakulären "Scherze" Barths schon die Frage des Grundes nach Verlangen der Gesellschaft auf sinnfreien Humor gestellt werden.
Naja, jeder Kirmesplatz ist auch voll und dort sind auch scheinbar intelligente Menschen darunter, die Ihren "Thrill" im saufen am Wochenende und prolligen Auftreten sehen. Deshalb ist es keine Frage der messbaren Intelligenz sondern eher wie jeder einzelne das Leben sieht !
JanvanHelsing (12.07.2008, 10:38 Uhr)
der Clown...
Was regt man sich hier eigentlich so auf???
Mario Barth bringt mit seinen Geschichten andere Menschen zum lachen, nicht mehr und nicht weniger.
Ich glaube hier bei den verbissenen "Kritikern" eher den Frust zu lesen das sie sich schwerer und unangenehmer ihr Geld verdienen müssen.
Und det allet ohne Applaus, iss schon hart det Leben...
Fürn Clown ooch, denn nicht alle können über alles lachen...
namidh (12.07.2008, 10:37 Uhr)
Bezüglich meiner Überschrift
Ja, sie ist wirklich nicht richtig, noch diplomatisch ausgedrückt. Aber wenn wir anfangen, uns wegen dem einen Fehler gleich komplette Unfähigkeit auf Teilgebieten vorzuwerfen, dann dürfte wohl kaum jemand den ersten Stein werfen. Ich betrachte mich weiß Gott nicht als Experten - das kann ich (offensichtlich nicht. Aber zu meiner Aussage habe ich mich auch nur deswgen hinreißen lassen, weil es ja zuvor in Bezug auf meinen Sprachgebrauch zur Kritik kam. Ich reagierte demzufolge und hielt, halte und werde es nicht für nötig halten, insbesondere in einer Unterhaltung über einen nicht minder erfolgreichen Komiker, völlig ungefragt und frei über den Sprachgebrauch zu philosophieren. Da habsch einfach andere Dinge zu tun.
.
P.S.: Ich arbeite an dem Dativ-Genitiv-Problem. Ursprünglich zweisprachig aufgewachsen und nach Deutschland hinzugezogen, habe ich nie geleugnet, unfehlbar zu sein und ich werde den Teufel tun und es je behaupten, noch es mir unmittelbar oder indirekt unterstellen lassen.
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