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9. Dezember 2007, 10:25 Uhr

Gottschalk ist die Wette "wurscht"

Diesmal haben ihn die Promis im Stich gelassen: Amy Winehouse blieb daheim, Arnold Schwarzenegger musste in Kalifornien regieren und Nicolas Cage ist auch gleich wieder weg gewesen. Eigentlich war es kein Wunder, dass da sogar Thomas Gottschalk mal kurz den Faden verlor. Von Peer Schader

Gottschalk, Wetten, dass

Gottschalk (hier im Bild mit Kylie Minogue) mag es gern "spontan und einfach"© Herwig Prammer/AP

Jetzt sind Thomas Gottschalk also endgültig die Lkw- und Staplerfahrer ausgegangen. Keiner mag seinen Truck mehr im Fernsehen auf rohe Eier stellen oder Bierkästen bis unters Hallendach stapeln, bis der Turm gefährlich zu wackeln anfängt. Die Mitzitter-Wetten bei Gottschalk sind selten geworden. Nicht mehr Geschicklichkeit zählt, sondern: Gehör. Jedenfalls war das am Samstagabend so. Anstatt schweres Gerät durch die Halle zu lenken, gaben sich die Kandidaten beim vorweihnachtlichen "Wetten, dass ..?" in Graz mit den kleinen Auftritten zufrieden.

Und deshalb waren es auch bloß Rennwagen im Miniaturformat, die einer der Herausforderer über eine kleine Autorennbahn jagte, um mit verbundenen Augen exakt die vorgegebene Rundenzeit zu fahren - leider ohne Erfolg. Ein anderer versuchte sich daran, durch Lauschen am EC-Automaten den Wert von Geldscheinen zu benennen, die dieser ausspuckte. Doch auch das ging schief. Geklappt hat es dafür bei Hobbybauer Achim, der die eigenen Kühe im Stall am Schmatzen erkennen wollte.

Spektakulär geht anders

"Suchst du auch 'ne Frau? Dann machen wir das gleich mit", scherzte Gottschalk in Anspielung auf den RTL-Erfolg "Bauer sucht Frau", dessen Moderatorin Inka Bause in der vorigen Show bei ihm zu Gast war. Womöglich könnte das sogar Erfolg haben: Immerhin wurde der Kuh-Horcher nachher mit ziemlich eindeutigen 89 Prozent der Telefonstimmen zum Wettkönig gekrönt. Dem ZDF sollte das zu denken geben: Wenn die Zuschauer sich so sehr einig waren, sind die anderen Wetten ganz offensichtlich gnadenlos durchgefallen.

Kann es sein, dass das ZDF inzwischen arge Probleme hat, geeignete Kandidaten mit originellen Ideen für die Gottschalk-Show ausfindig zu machen? Nichts gegen Hör-Wetten - aber so richtig spektakulär ist das eben im Fernsehen nicht anzusehen, wenn da einer am Automaten lauscht, um Scheine zu zählen. Genauso wenig übrigens wie wenn ein Schweizer mit einem Christbaumständer Kerzen ausblasen will, auch wenn's ein Netter ist (also der Schweizer).

Selbst mit den Promis hatte Gottschalk diesmal nicht so richtig Glück. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der in Graz geboren wurde, hätte kommen sollen - "aber der hat gerade 'ne Gesundheitsreform", erklärte der ZDF-Chefmoderator zu Beginn ein wenig geknickt, und Arnie wünschte bloß per Videobotschaft frohe Weihnachten. Die skandalgebeutelte Amy Winehouse blieb ebenfalls ganz zu Hause. Nicolas Cage wurde dafür verpflichtet, es exakt eine Dreiviertelstunde auszuhalten, bis er wieder verschwinden durfte - ganz genau gemessen mit der Eieruhr, die Gottschalk auf den Tisch vor dem Sofa platzierte.

"Ist ja eh wurscht"

Mit Kylie Minogue reichte es nach ihrem Auftritt trotz Kurzvisite auf dem Sofa nicht einmal für ein Gespräch mit vollständigen Sätzen. Und sowohl Til Schweiger als auch Nora Tschirner sah man ein bisschen an, dass der Auftritt bei Gottschalk eher eine Pflichtübung zur Promotion ihres Films "Keinohrhasen" war als ein echter Herzenswunsch.

Womöglich braucht "Wetten, dass ..?" mal wieder eine kleine Frischzellenkur. Das ist auch dem Moderator schon aufgefallen. Die Grazer Stadtwette, bei der Politiker auf dem Friedensplatz Kaiserschmarrn zubereiten sollten, ging eigentlich verloren, weil zu wenige kamen - aber die Wettpaten Mirjam Weichselbraun und Klaus Eberhartinger von der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung" bettelten so lange, bis Gottschalk den Sieg doch noch genehmigte: "Ist ja eh wurscht." Stimmt ja. Aber bei "Wetten, dass ..?" ist längst so vieles wurscht, dass das bald mal zum Problem werden könnte.

Zum Beispiel die Wetteinsätze für die Promis: Die TV-Köche Johann Lafer, Horst Lichter und Sarah Wiener sollten mit dem Kochlöffel "Jingle Bells" auf Kochtöpfen schlagen. Schweiger war sichtlich davon genervt, ständig aufgefordert zu werden, sein Hemd auszuziehen und die Muckis zu zeigen, schwitze aber brav auf einem Trimm-Gerät. Und dass Komiker Jerry Seinfeld nachher mit Kollegin Renée Zellweger im Biene-Maja-Kostüm über die Bühne hüpfen durfte, war nun auch nicht gerade ein Riesenspaß.

Leicht zu überschauendes Universum

Bloß zu schimpfen wäre aber ungerecht: Gottschalk kriegt seine Zweieinhalb-Stunden-Show ja jedes Mal so souverän über die Bühne, dass es sichtlich überraschte, als er in Graz einmal komplett den Faden verlor, Zellweger eine Frage von seinen Kärtchen vorlas und sie gleich wieder zurückzog, weil die so kompliziert formuliert war (und er sie ganz offensichtlich noch nie zuvor gesehen hatte). Gottschalk mag es gerne spontan und einfach: Männer haben Muckis, Frauen schöne Knie und Hollywoodstars sind extrem erfolgreich. Es ist leicht zu überschauen, dieses "Wetten, dass ..?"-Universum, aber das macht nichts. Vielleicht ist die Show ja auch deshalb so erfolgreich.

Den Komiker Jerry Seinfeld kündigte Gottschalk am Samstag so an: "80 Millionen Amerikaner haben seine letzte Sendung im Fernsehen gesehen - das wünsch ich mir für meine letzte auch." Ach Thommy, solange es über zehn Millionen sind, ist doch auch alles okay. Und wenn demnächst wieder ein paar waghalsige Lkw-Fahrer in der Show sind, dürfte das ja wohl kein Problem sein.

Von Peer Schader
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Gernspieler (10.12.2007, 16:01 Uhr)
WD-einfach uninteressant!
Meine Frau schaute mich um 20.00 am Samstag mit ernstem Gesicht an: "Kein WD heute, das verdirbt mir den Abend."
Wir sind auch nicht mehr in Gottschalks Zielgruppe. Die Gäste interessieren uns meistens nicht, sein Gequatsche auch nicht, die Werbe-Filme schon gar nicht, die Musik erst recht nicht, die Sänger können meistens nicht singen und/oder sind uns oft unbekannt.
Einzig die Wetten würden uns interessieren, aber die gibt's nicht einzeln.
Alternativen waren auch nicht zu finden, so dass wir uns aktuelle Biathlon-Aufzeichnungen angeschaut haben.
Zum Glück gibt's den Ausschalter, den wir bei Silbereisen erst gar nicht betätigen brauchen, weil wir so 'nen Playback-und Rhythmisch-Klatsch-Schrott erst gar nicht einschalten.
GordonBleu (10.12.2007, 12:09 Uhr)
angebot & nachfrage
einfach nicht mehr gucken (mach ich schön länger); denn wenn es für das angebot WD zu wenig nachfrage, sprich zuschauer, gibt, erledigt sich das thema blad von allein.
p.s. vielleicht kann der tommi ja eine neue volksmusik moderieren, davon gibt es im öffentlich rechtlichen eh noch viel zuwenig. ;-))
darkwing (10.12.2007, 12:09 Uhr)
Also bitte...
Die Show von Thomas Gottschalk ist nach wie vor immer noch so erfolgreich, weil sie uns nach wie vor immer noch genug Gesprächsstoff für den Montag liefert. Mittlerweile ist es eben nicht mehr der Kleidungsstil (der mir persönlich sehr gut gefällt), sondern die Wetten, die dieses Mal eben nicht so doll waren.
Gut, ich gebe zu, wenn man schon wettet, dann auch richtig, wurscht ist mir das nicht.
Aber trotzdem schaue ich unglaublich gerne am Samstag Abend Wetten Dass.. und zwar nicht deswegen, weil nichts anderes kommt, immerhin habe ich Freunde, ein Auto und jede Menge DVDs.
AchazIII. (10.12.2007, 11:46 Uhr)
Gottschalk sollte sich zu seinem Alter bekennen
Bei Proben läuft er immer mit Mütze herum, in der LIVE-Sendung bekommt er dann die richtige Frisur aufgesetzt.
Das schwindende Gottschalksche Haupthaar ist proportional zum Spaß dieser Sendung. Heinz Maegerlein in seiner Tick-Tack-Show war dereinst wenigstens ehrlich und bekannte sich offen zur Glatze. Auch Heinz Erhard tat das.
Wer nicht ehrlich ist mit seiner Frisur, dem glaubt man auch sonst nicht.
Und überhaupt stören an dieser Show die Wetten. Man sollte sie weglassen, die Show verkürzen, umbenennen in "Musik und Gäste" und einen jüngeren Gastgeber präsentieren lassen. Gottschalk wird als alternder Nasenbär immer mehr zur eigenen Karikatur. Man kann nicht ewig Berufsjugendlicher sein.
Außerdem sollte man die dümmlichen Simultanübersetzer weglassen. Inzwischen kann fast jeder Deutscher zumindest so gut Englisch, um eine Fr. Zellweger zu verstehen.
havranek (10.12.2007, 11:09 Uhr)
über 25 Jahre altes Konzept!
So langsam scheint das über 25 Jahre erfolgreiche Konzept nicht mehr aufzugehen, es ist ein alter Zopf geworden.
Der Moderator ist ne absolute Lachnummer, der Umgang mit seinen Gästen einfach nur peilich. Es wäre wieder mal an der Zeit ein bisschen Kreativität walten zu lassen, die ist aber beim Niveau von Sendungen wie Wetten dass oder DSDS leider gestorben...
caipi76 (10.12.2007, 10:18 Uhr)
Das Ende naht...
noch 2-3 Sendungen von so einer Qualität und Herr Gottschalk hat Wetten dass...?! gekonnt ins Grab moderiert.
Peinlich berührt muss man miterleben, wie er seine Gäste auf dem Sofa und seine Zuschauer mit endlos banalem Gequatsche und irrsinnig schlechter Vorbereitung zu Tode langweilt. Kein Wunder, daß die Stars so schnell wie möglich wieder weg wollen. Als Zuschauer will man das ja auch...
und erträgt die Sendung nur noch, weil man die Musik-Acts sehen will. Aber so langsam tut der Rest einfach zu sehr weh, da verzichte ich lieber komplett auf die Show und nutze die Zeit sinnvoller. Das war dann also mal Europas größte TV-Show und Deutschlands bester Showmoderator?! Ah jaaa... fast unglaublich.
Hypnosefrosch (10.12.2007, 10:02 Uhr)
Wetten, dass...
...sich auch in Zukunft nichts ändert, denn solange sich die Öffentlichen finanzieren lassen, lässt sich ohne Druck ein veraltetes Konzept immer wieder neu auflegen. Die Millionen Zuschauer, die sich offenbar mit jeder Sendung zufriedengeben und beim nächsten mal einschalten geben dem Konzept ja recht.
manndernichtdaist (10.12.2007, 09:43 Uhr)
--
Nicolas Cage wusste, warum er sich das nur 45 Minuten antut ;)
hiro42 (10.12.2007, 09:26 Uhr)
Lösung
Die Sendung ist zu langweilig, selbst um sie in der Wiederholung am Sonntag-Vormittag zu gucken - und da läuft sie ohne Konkurenz. Die Lösung könnte heissen: Niels Ruf (Für alle die ihn nicht kennen: So wäre Oli Pocher gerne) - Hätte zwei Vorteile: Es gäbe nur noch eine letzte Sendung - in der würde es aber knallen!
katinka067 (09.12.2007, 20:17 Uhr)
laaaaaaaaaangweilig......
...und peinlich war es. Ich glaube die armen Gäste auf dem Sofa fandens öde , die Wetten warens auch , ausser der "Murkinummer" , die der Sendung endlich Unterhaltung brachte . Herr Gottschalk bitte überdenken sie Ihren Wortschatz und ihre spontanen Kommentare...Schade, ich hab die Sendung fruher immer gerne gesehen.
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