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22. März 2009, 09:03 Uhr

Die Berben beißt in Hoden

Sie ist gar nicht erst gekommen: Ihren geplanten Auftritt bei der 181. Ausgabe von "Wetten, dass ..?" sagte "Sex and the City"-Star Kim Cattrall kurz vor der Sendung ab. Das hätte auch Iris Berben machen sollen - ihr wäre einiges erspart geblieben. Von Malte Krebs

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Mahlzeit: Alfons Schuhbeck verfütterte Stierhoden an Schauspielerin Iris Berben© Andreas Gelbert/DPA

"Stierhoden?!" Iris Berben konnte ihre Bestürzung darüber, was sie soeben mit verbundenen Augen essen musste, kaum verbergen. Und auch die Zuschauer rieben sich verwundert die Augen, ob sie nicht aus Versehen im RTL-Dschungel gelandet sind.

Kaum zu glauben, aber wahr: hier ist das ZDF, hier ist "Wetten, dass ..?" - und Iris Berben musste nach einer verlorenen Wette in Weichteile beißen. Promi-Koch Alfons Schuhbeck, der die blutigen Beutel zumindest optisch ansprechend zubereitet hatte, lieferte ein paar schöne Umschreibungen: "Die Amerikaner sagen Prärie-Auster, die Franzosen nennen es weiße Nieren, wir in Bayern sagen Stierbeidl." Doch es half nichts - selbst in der Regie war der Ekel offenbar so groß, dass sie das, was in Großaufnahme zu sehen war, nicht mit dem entsprechenden Wort untertitelte.

Betretene Stimmung auch in der Olympiahalle in München. Selbst dem sonst eher handfesten Thomas Gottschalk, der sich für das Gastspiel in Bayerns Hauptstadt in einem braunen Tachten-Trenchcoat präsentierte, schien der Griff unter die Gürtellinie unangenehm. Allein Couch-Gast Mario Barth konnte sich über den Ausflug ins Ekel-TV prächtig amüsieren. Dabei hatte der sich zuvor als Retter in der Not erwiesen, als Gottschalk Iris Berben ein ähnliches Liebes-Outing abringen wollte, wie beim letzten Mal das von Boris Becker: "Wir gönnen dir natürlich alles Glück dieser Erde, aber wenn Du es bei uns verkünden würdest, wäre das für mich nicht schlecht." Während der Berben ein gequältes Lächeln im Gesicht gefror, platze es aus Barth heraus: "Ich sach es jetzt, Schatz!"

Großes Gelächter, gerettete Situation, aber die Frage bleibt dennoch: Hat Gottschalk das nötig , ist es schon so schlimm? Offenbar schon, die Diskussionen der letzten Wochen um die ZDF-Quoten scheinen auch am Wahl-Amerikaner nicht spurlos vorüber gegangen zu sein. Also griff er zu den Erfolgsrezepten Ekel und Klatsch - eine Referenz an die quotenträchtigen Formate der Konkurrenz. Die Begründung lieferte Gottschalk mit einem bizarren Vergleich nach: "Mir geht's wie der CSU und dem FC Bayern. Entweder gibt's Platz eins oder die Krise."

Da konnte einem Gottschalk schon fast Leid tun, zumal ihm eine seiner Hauptattraktionen wenige Stunden vor der Sendung abgesagt hatte: Die Schauspielerin Kim Cattrall ("Sex and the City") drehte lieber mit Regisseur Roman Polanski auf Usedom den Polit-Thriller "The Ghost". Wer will ihr's verdenken - wer weiß, was sie zu essen bekommen hätte. Dafür durfte Slalom-Weltmeisterin Maria Riesch im schulterfreien Abendkleid ein neckisches Tattoo enthüllen (Gottschalk: "Du bist heute Sex in the City"). Ein schwacher Ersatz.

Haue mit der Plastikflasche

Statt weiblicher Reize betimmte ein halbnackter Mann das schwache Showprogramm der zweiten Hälfte: Wettkönig wurde ein Waschbrettbauch. Dank imposanter Bauchmuskeln war Danijel Peric in der Lage, sich von 15 Autos überrollen zu lassen und gleichzeitig "O Sole Mio" zu singen: Spektakulär und spaßig. Dagegen war die Konkurrenz machtlos. Ein Österreicher wollte Gummibärchen mit dem Bauchnabel hochwerfen und in einen Mini-Basketballkorb versenken. Zu Recht schätze das ZDF den Unterhaltungswert der Darbietung gering ein und unterlegte die vergeblichen Bemühungen mit Soundeffekten. Auch nicht viel besser erging es einem Hamburger, der in Luftballons verpackte Glasflaschen zerstören wollte, ohne die Ballons zum Platzen zu bringen. Der ehemalige Lehrer Gottschalk blühte bei der Kinderwette auf, als drei Pennäler ihre Mitschüler allein am Geräusch einer auf den Kopf gehauenen Plastikflasche erkannten.

Zur Sicherheit hatte sich Gottschalk gleich drei Comedians in die Sendung geholt - leider waren sie alle eher Ausfälle: Mario Barth mit seinen hinlänglich bekannten Männer-Frauen-Witzen, Matze Knop als vollkommen deplatzierte Luca Toni-Parodie und "King of Queens"-Darsteller Kevin James als schwergewichtiger Couch-Potato. Genau wie Mario Barth ("Männersache") und Iris Berben ("Krupp - eine deutsche Familie") rührte James ausführlich die Werbetrommel für seinen neuen Film ("Der Kaufhaus Cop"). Die übliche PR-Schlacht in der werbefreien ZDF-Zone. Da wunderte man sich gar nicht mehr, dass FC Bayern-Star Franck Ribéry - abseits des Stadionrasens wahrlich keine Schönheit - über den bevorstehenden Meister-Titel seiner Mannschaft fabulierte.

Frisch aus dem Euter

Zumindest musikalisch konnte "Wetten, dass ..?" mit Schwergewichtigem aufwarten. Nach den stylischen Schwedenrockern von Mando Diao ("I Wanna Dance With Somebody") kam der wiedervereinigte Gesangsverein von Take That ("The Garden"). Schließlich komplettierten Star-Tenor Rolando Villazon mit einer barocken Händel-Arie und die Gauklertruppe aus dem Monty-Pathon-Musical Spamalot den Kessel Buntes aus der ZDF-Unterhaltung.

Zum Abschluss senkte sich der dramaturgische Bogen der Show wieder in kulinarische Untiefen: Thomas Gottschalk musste nach einer verlorenen Saalwette euterwarme Milch trinken, frisch von einer Kuh gezapft. Leider stellte sich die Milch als durchaus trinkbar heraus. Ausgleichende Gerechtigkeit sieht anders aus.

Von Malte Krebs
 
 
KOMMENTARE (10 von 29)
 
Heljag66 (23.03.2009, 14:46 Uhr)
Volkskaspar
Das Niveau des Thomas Gottschalk sinkt immer tiefer. Deshalb schaue ich mir diesen immer mehr zum Volkskaspar verkommenden Komödianten schon lange nicht mehr an. Gottschalk gehört wie noch so einige andere Promis, auch zu denen, die mit dem Geld des sogen. "kleinen Mannes" ihre Millionen gemacht haben. Menschen, die sich life oder im Fernsehen solchen Schrott anschauen wollen ist leider nicht zu helfen.
SoistdasLeben (23.03.2009, 10:48 Uhr)
Dauerwerbesendung
Warum wird das geduldet, daß Herr Gottschalk für den Monopolisten E.On bzw. dessen Tochter während der Sendung Werbung macht. Er mault herum, daß die GEZ Gebühren höher geschraubt werden sollen, er macht Productplacement für E.ON (E wie einfach), Warsteiner, Haribo.....
Er zahlt vermutlich seine Steuern nicht mal in Deutschland und läßt sich von der Zwangsabgabe mästen. Ich möchte den niveaulosen gelifteten Vogel nicht mehr sehen. Kein Kackeschnuppern, Hodenlutschen, was werden denn da im öffentlich rechtlichen Fernsehen für Werte vermittelt.
lilgrem (23.03.2009, 10:35 Uhr)
Dauerkrampf
Selten so eine verkrampfte "Wetten dass" Show erlebt, in welcher ein flacher Witz den anderen zu überbieten versucht. Einzig wirklich erheiternde Szene auf der Couch war die Rettungsaktion Mario Barths, die jedoch nicht über die vorangegangene, äußert peinlich verpackte "Iris, jetzt sag doch mal"-Aktion hinwegschauen lässt.
Selten so oft "fremdgeschämt", wie bei dieser Ausgabe.
Vorallem: Den anderen immer schön gegen den Karren fahren und sich dann drüber pikiert geben, wenn die Kuh der Wetteinlösung "Thea" heißt.
Aber neben aller Kritik: Ich möchte "Wetten dass" nicht missen.
KHDecker (23.03.2009, 10:35 Uhr)
Berbens Hodenbiß
Schade, dass Frau Berben nicht Herrn Gottschalk in den Hoden gebissen hat.
Bei Pro7 muss Stefan Raab bei seinem Wokrennen das Wort "Dauerwerbesendung" einblenden. Warum eigentlich Gottschalk nicht bei seiner Sendung? Da wollen doch alle Gäste auch nur etwas verkaufen.
tomcat68 (23.03.2009, 10:33 Uhr)
@Malte Krebs
es ist absolut deplatziert in einem solchen Artikel Maria Riesch als schwachen Ersatz zu bezeichnen. Maria Riesch war der optische highlight in einer tristen Wetten dass..???
Kim Cattrall??? Wer ist das? Wer es nicht nötig hat, eine Einladung zu einer Show zu folgen, auf so einer Person kann man getrost verzichten.
FleurdeLis (23.03.2009, 08:47 Uhr)
@Herrn Krebs
Absolut deplatziert ist Ihr Kommentar zu Ribery "abseits des Fußballplatzes keine Schönheit". Was soll der Scheiß? Sind Sie schöner? Wen interessierts? Seit wann ist es wichtig, wie jemand aussieht? Ist Gottschalk schöner, oder Barth? Wenn Sie nicht sachlich schreiben können, verschonen Sie uns mit Ihren unterirdischen Ergüssen!
mercury_liest (23.03.2009, 08:34 Uhr)
Warum..
...schaut Ihr Euch Alle das noch an? In schöner Regelmäßigkeite laßt Ihr Euch über Dinge aus, die uns schon seit Jahrzehnten präsentiert werden (GEZ, Zoten-Thomas, Werbung der Stars, miese Wetten...)Wetten Daß war mal wirklich gut, Gottschalk auch, mittlerweile ist Wetten Daß wirklich schlecht und Gottschalk auch: macht's wie ich, spart Euch Zeit und Strom und schaltent NICHT ein.
Oder: wendet Euch doch mal an's ZDF, wenn dort registriert wird, wie' die Nation sieht, ändert sich eventuell ja auch mal was, oder ?
arniston (23.03.2009, 04:05 Uhr)
sauber bleiben..
eigentlich reicht es, auch die wetten
sind schon aus dem ärmel der verzweifelung gezogen.. aber,
bin ja froh, dass die sendung einigermaßen sauber geblieben ist und frau berben nicht in die hoden von t.g beissen musste ...
SethusCalvisius (22.03.2009, 23:08 Uhr)
@Blacky und co
Auch wenn das Essen von Stierhoden woanders vielleicht üblich ist, löst das hier bei uns bei den meisten Menschen Brechreiz aus. Und das ist in diesem Fall ja auch der Sinn der Sache. Wenn die Menschen es nicht abartig fänden, hätte es bei "Wetten dass" auch nicht stattgefunden. Insofern zielt Ihre Argumentation ins Leere.
Blacky007 (22.03.2009, 18:10 Uhr)
Stierhoden, in Texas DER Genuss
um den sich jeder reißt. Sicher, als Mann zucke ich da auch immer ein weng...schnipp, schnapp und weg sind se...aber letzten Endes sind es Innereien - der eine mags, der andere nicht.
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