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15. Dezember 2008, 09:21 Uhr

Eine Ministerin im Glück

Nicole Kidman als ätherische Schneeprinzessin, Hugh Jackman als galanter Herzensbrecher, die Pussycat Dolls als singende Barbiepuppen – soweit die üblichen Rollen. Dann aber Bundesministerin von der Leyen als turtelnder Teenie, Jopi Heesters als Büßer - das gab es auch bei "Wetten, dass…" in Stuttgart. Von Sylvie-Sophie Schindler

Sie wollte eigentlich nur neben ihm sitzen, und dann trägt er sie auf Händen: Familienministerin Ursula von der Leyen, ist, in den Armen des australischen Schauspielers Hugh Jackman, im Glück© Michaela Rehle/AP

Pech für Oskar Lafontaine. Er hätte Gratis-Werbung bekommen, und zwar am Samstagabend in Thomas Gottschalks TV-Show "Wetten, dass…?". Ursula von der Leyen, Bundesfamilienministerin und aus einem ganz anderen politischen Lager, hätte eine Rede halten müssen, in der sie erklärt, warum die Deutschen die Linkspartei wählen sollen. Und man sah es ihr an, Ursula von der Leyen hätte wohl lieber in ein Digeridoo geblasen, wie zuvor Hollywoodstar Nicole Kidman, als ausgerechnet andere Parteien zu bewerben. Dahin gestellt bleibt, ob diese Idee für einen Wetteinsatz von der Fernsehredaktion wirklich reiflich überlegt war.

Aber gut, es ist ja nicht dazu gekommen. Was an dem kleinen Dennis liegt, der 15 Purzelbäume in einer Papiermülltonne machte, damit seine Wette gewann und sofort das Herz der Bundesfamilienministerin, die vor lauter Begeisterung gleich zu dem Jungen in die Tonne stieg. Genau in diesem Moment flüchtete Dennis mit einem Sprung. Ob er entsetzlich erschrocken war oder der Politikerin einfach Platz machen wollte, ist nicht klar. Aber für einen der wenigen Lacher sorgte diese Szene allemal.

Ja, auch wenn es die alte Leier ist, es war mal wieder nicht besonders komisch, Thomas Gottschalk bei seinem traditionellen Show-Gekasper zuzugucken. Im besten Fall war es unterhaltsam. Die besonders treuen Zuschauer sehnen sich garantiert nach der früheren Spritzigkeit des Blondgelockten zurück. Aber Jammern hilft auch nichts, weder bei der Finanzkrise noch bei TV-Krisen. Zumindest, es gibt noch gute Nachrichten: Auf Thomas Gottschalk und seine Versprecher ist Verlass. Darüber kann man sich ärgern, man kann den Kopf schütteln und den Moderator einen "Schussel" nennen, aber neu ist das nicht. Insofern, lassen wir das.

Schweiger versucht, Gottschalk zu korrigieren

Ein Lob noch an dieser Stelle für Til Schweiger. Der Regisseur und Schauspieler hatte es wenigstens versucht, einen Gottschalk-Versprecher zu korrigieren. Der Moderator kündigte an, man würde Rick Kavian im neuen Schweiger-Film in der Rolle des Ritters Lanze sehen. Da intervenierte Til Schweiger: "Aber der bin doch ich." Und Gottschalk unbeirrt: "Ist doch egal." Darauf Schweiger: "Nein, das ist nicht egal." Doch Gottschalk dachte nicht daran, sich zu korrigieren oder gar zu entschuldigen. Einem Götz George hätte er so nicht kommen können - man erinnere sich an den legendären Streit. Til Schweiger hingegen zettelte lieber keinen Zoff an. Er verriet stattdessen später: "Ich trage keine Unterhosen." Danke, Til, dann wissen wir das jetzt auch.

Hugh Jackman trägt die Bundesministerin auf Händen

Auch andere Intima wurden munter ausgeplaudert. Und hier noch mal zurück zu Ursula von der Leyen, die zum Teenager mutierte, weil Hugh Jackman - "The Sexiest Man Alive" - auch unter den Gästen war. Sie kreischte zwar nicht, doch sie ging mit glänzenden Augen auf Hugh Jackman zu, nur um, wie sie sagte, fünf Sekunden neben ihm sitzen zu dürfen. Ihr großer Wunsch. "Wenn meine Töchter das sehen, die liegen am Bode", sagte die Bundesfamilienministerin und strahlte Jackman an, als wolle sie ihn gleich vor den Traualtar schleppen. So entrückt nahm von der Leyen die anderen Gäste auf der Wett-Couch erstmal gar nicht wahr und gab später ausschließlich den anwesenden Männern die Hand, was die Damen Anastacia und Nicole Kidman und sichtlich irritierte.

Einen Nachhilfekurs in Sachen Höflichkeit ist Frau von der Leyen dringend ans Herz zu legen. Da kann sie sich gleich mal eine Scheibe abschneiden von ihrem großen Schwarm, der die Ministerin später sogar auf Händen trug. Auch ein Pluspunkt für Jackman: Er verließ die Show nicht vorzeitig. Inzwischen ist das tatsächlich eine Sensation, denn es hat sich längst eingebürgert, dass internationale Stars ihre Aufenthaltsdauer bei "Wetten, dass…?" auf das Nötigste beschränken. Beispiel Nicole Kidman. Die Schauspielerin brach mittendrin auf, um sich auf den Weg zu ihrer fünf Monate alte Tochter zu machen. Und Anastacia folgte ihr, und das ganz ohne Grund.

Heesters entschuldigt sich und will in fünf Jahren wiederkommen

Ansonsten: Herbert Grönemeyer sang vom Glück, die Pussycat Dolls sangen auch, sahen dabei aber sexier aus als "Herbie", der 105-jährige Joopie Heesters schmetterte einen Robert-Stolz-Song und hielt sich am Klavier fest. Aber viel wichtiger: Er entschuldigte sich dafür, Hitler einen "guten Kerl" genannt zu haben. Dafür gab es weitere Einladung zu "Wetten, dass..." von Thomas Gottschalk und Standing Ovations vom Publikum.

Lewis Hamilton plauderte übers Rennfahren - über was denn sonst - und Alexandra Neldel war auch irgendwie da, nett anzusehen mit ihrem frechen Pferdeschwanz, aber was sie sagte - ohne Belang. Auf einem anderen Niveau befragt Thomas Gottschalk seine Gäste leider auch nicht. Insofern, wer zwischendurch weghört, hat auch nichts verpasst.

Wettkönig wurde der Würfelstapler

Nicht zu vergessen: Ein paar Wetten gab es auch. Doch auch darunter nichts, worüber man am Montag unbedingt mit seinen Kollegen sprechen müsste. Ein Bagger wurde bei der Außenwette in Hamburg auf Wasser so eingesetzt, dass seine Schaufel wie ein Ruder funktionieren sollte. Sechs Kerzen sollten via Modellflugzeug gelöscht werden. Ein Hobby-Fußballer trat gegen den Profi Thomas Hitzlsperger an - Thomas Gottschalk nannte ihn zwischenzeitlich "Zitzelsperger" - und wettete, er würde auf die Tore mit höherer Geschwindigkeit zielen als der Profi.

Wettkönig wurde dann ein Kandidat, der auf zehn Nagelköpfe jeweils vier Würfel staplen konnte - ohne dabei seine Hände zu verwenden. Eine hübsche Idee. Doch das alleine ist kein Gegenmittel für die obligatorische "Wetten, dass..?"- Langeweile. Wäre man Nicole Kidman, man wäre wohl auch geflüchtet.

Von Sylvie-Sophie Schindler
 
 
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