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6. Oktober 2008, 15:08 Uhr

Wenn die Handlung an ihre Grenzen stößt

Mit dem Fernsehzweiteiler "Wir sind das Volk" setzt Sat.1 seine "Eventmovie"-Tradition fort und zeigt eine aufwändige Filmproduktion über den Untergang der DDR. Doch trotz überzeugender Darsteller und einem um Authentizität bemühten Drehbuch haben sich die Macher mit der Handlung übernommen. Von Annabel von Gemmingen

Andreas (Hans-Werner Meyer, l.) verspricht beim Abschied, dass er Katja (Anja Kling, r.) nach seiner Flucht bald nachholen wird© Sat 1

Berliner Mauer, ein Tag im August 1983. Schüsse fallen, mehrere Kugeln durchsieben den Körper von Matthis. Doch Andreas will seinen Freund nicht aufgeben, versucht ihn zu sich hoch auf die Mauer zu zerren. Er schafft es nicht und muss am Ende dessen Hand loslassen: Matthis' lebloser Körper plumpst zurück auf östlichen Boden, Andreas lässt sich mit letzter Kraft von der Mauer in den Westen hinüber fallen, dann verliert er das Bewusstsein. Keine drei Meter voneinander entfernt liegen beide im Dreck, getrennt nur durch die Berliner Mauer - ein symbolträchtiges Bild, von der Kamera eingefangen aus der Vogelperspektive: Für den einen fängt jetzt das Leben in Freiheit an, für den anderen ist es vorbei, ehe es begonnen hat.

Der Sat.1-Fernsehzweiteiler "Wir sind das Volk - Liebe kennt keine Grenzen" beginnt dramatisch und düster und macht deutlich, was die Zuschauer in den knapp 180 Minuten Filmlänge erwarten dürfen: eine aufwendig produzierte Achterbahn der Gefühle. Die Zutaten: wohl dosiertes menschliches Leid, eine Hand voll Adrenalin und ganz, ganz viel Liebe.

Stellenweise übertriebene Filmdramatik

Denn "Wir sind das Volk" handelt zwar vom Untergang der DDR, doch der schwülstige Filmtitel-Zusatz "Liebe kennt keine Grenzen" lässt erahnen, dass der historische Kontext lediglich als Kulisse für eine dramatische Liebesgeschichte dient, die sich im geteilten Deutschland abspielt: Bei seiner Flucht in den Westen muss Andreas seine große Liebe Katja in der DDR zurücklassen. Was er nicht weiß: Katja erwartet ein Kind von ihm und es werden sechs Jahre vergehen ehe die kleine Familie - und ein Jahr später auch Deutschland - wiedervereint ist. Vor allem für Katja, die nach einem gescheiterten Fluchtversuch ins Stasigefängnis nach Hohenschönhausen kommt, wird dies eine Zeit des Leids. Eine Liebe mit Hindernissen also, die jedoch so stark ist, dass sie den Repressalien des DDR-Regimes trotzt und am Ende selbst die deutsche Teilung überdauert.

Ist der neue Event-Zweiteiler demnach eine hoffnungslos verkitschte Liebesschnulze? Nein, ein solches Urteil wäre überzogen und würde dem ernsten Hintergrund nicht gerecht, vor dem sich die Liebesgeschichte abspielt. Denn solch tragische Beziehungsgeschichten wie die von Andreas und Katja hat es zu DDR-Zeiten schließlich wirklich gegeben. Und dank der zwei überzeugenden Hauptdarsteller Hans-Werner Meyer und Anja Kling lässt sich das zeitweilige Übertreten der Grenze von der realistischen Erzählung hin zur übertriebenen Filmdramatik auch ertragen.

Künstlich aufgeblasene Filmszenen

Zumindest gilt das für den ersten der beiden Teile von "Wir sind das Volk", denn gen Ende des zweiten Teils werden Augen- und Nasenschleimhäute dann doch etwas überreizt und Szenen, die an sich schon genug Aussagekraft besäßen, in ihrer Emotionalität noch künstlich aufgeblasen.

Ein Beispiel: Wenn Oberstleutnant Jäger - den es auch im wahren Leben gegeben hat - angesichts der stetig wachsenden Menschenschar vor dem Grenzposten 7 in Berlin den alles entscheidenden Satz sagt: "Macht die Schlagbäume auf, wir fluten", dann läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter. Und wenn hunderte von Menschen über die Grenze strömen, jubelnd, weinend, fassungslos, wenn sich wildfremde Menschen in den Armen liegen, dann rührt das zuhause vor der Mattscheibe zu echten Tränen. Man möchte rufen: "Ja, genau so war es damals. Das habt Ihr ganz fantastisch umgesetzt!".

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