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Rechter Büttenredner tritt in ZDF-Karnevalssendung auf

Hans-Peter Faßbender bekennt sich offen zu seiner AfD-Mitgliedschaft und verbreitet auf Facebook rechte Hetze. Trotzdem durfte er bei "Karnevalissimo" auftreten. Das ZDF will von Faßbenders Gesinnung nichts gewusst haben.

Hans-Peter Faßbender in der ZDF-Sendung "Karnevalissimo"

Hans-Peter Faßbender in der ZDF-Sendung "Karnevalissimo"

Das ZDF bezeichnet die Show als "die moderne Variante des Fernsehkarnevals". Doch wer die am Dienstag ausgestrahlte Sendung "Karnevalissimo" gesehen hat, wähnte sich eher auf einer Zeitreise in die 60er Jahre. Modern war hier einzig das gestochen scharfe Fernsehbild in HD. Ansonsten gab es viel Gestriges: Das ZDF-Fernsehballett trat auf, für Stimmungsmusik sorgten unter anderem die Domstürmer, Klüngelköpp und die Hermes Houseband. Vor allem aber gab es Büttenredner: einen als Frau verkleideten Mann, einen Bauchredner sowie diverse Komiker, die ihr Programm vor allem mit Witzen mit einem uralten Thema bestritten: dem Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau. 

Eröffnet wurde der zweieinhalbstündige Reigen wie jedes Jahr von Hans-Peter Faßbender, der einen Bundeswehrsoldaten verkörpert. Der fiel humoristisch mit seinen schlüpfrigen Witzen über Alkohol, Übergewicht und notgeile Frauen nicht weiter aus dem Rahmen. 

Hans-Peter Faßbender postet stramm rechtes Gedankengut

Viel schlimmer ist die Tatsache, dass Faßbender überhaupt auftreten durfte. Denn ein Blick auf seine Facebook-Seite weist ihn als knallharten Rechtsausleger aus. Dort postet der Düsseldorfer alles, was das AfD-Weltbild glücklich macht. Auf seinem Profil findet sich einen unappetitliche Mischung aus Anti-Islamismus, Verschwörungstheorien und Putin-Verherrlichung. Gar nichts hält er dagegen von der Bundeskanzlerin Angela Merkel, Fassbender hat ein Posting geteilt, das sagt: "Die gehört weggesperrt."


Beim ZDF will man voll all dem nichts gewusst haben. "Die Facebook-Kommentare des Redners waren der Redaktion nicht bekannt", sagt ein Sendersprecher auf Anfrage des stern. Und fügt an: "In seinem Vortrag waren keine fremdenfeindlichen Äußerungen enthalten." Weitere Auftritte im ZDF seien nicht geplant.

Hans-Peter Fassbender bestreitet im Gespräch mit dem stern, rechtsradikal zu sein. Er unterstütze die AfD, sei aber kein Ausländerfeind. Über "Karnevalissimo" sagt er: "Das war mein letzter Auftritt im Fernsehen." Er mache seit 40 Jahren Karneval, "das reicht".

Natürlich muss ein Sender nicht von allen Menschen die Facebook-Profile abscannen, bevor sie im Fernsehen auftreten. Doch dass Faßbender mit dem rechten Rand sympathisiert, ist keineswegs neu. Bereits im vergangenen Oktober berichtete die "Bild"-Zeitung unter der  Überschrift "Bütten-Star outet sich als AfD-Mitglied" über die politische Präferenz des Karnevalisten und schreibt auch von "rechtslastigen Kommentaren im Internet". 

Sven Gerling, Organisationschef beim Düsseldorfer Karnevals-Dachverband CC, sagte damals der "Bild", die von Faßbender verbreitete Hetze stehe "im krassen Widerspruch zu den Werten, die wir mit dem Düsseldorfer Karneval vertreten.“


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