. .
TV und Fernsehen
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Juli 2010, 17:04 Uhr

Knallhart nachgefragt

Sie trifft derzeit jedes Fettnäpfchen: Katrin Müller-Hohenstein. Der "innere Reichsparteitag" und die falsche Österreich-Flagge waren peinlich, ihre Werbung für eine Molkerei brenzlig. Die ZDF-Moderatorin setzt ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Ist sie wirklich so naiv? Von Jens Maier

Katrin Müller-Hohenstein, Weihenstephan, ZDF-Moderatorin, Sportstudio, WM, WM 2010, Südafrika, Österreich, Werbung

Mimt auch am Montagnachmittag auf der Homepage von Weihenstephan noch die Testerin: Katrin Müller-Hohenstein© Screenshot

Erinnern Sie sich noch an Eva Herman? Bis 2006 war sie Nachrichtensprecherin bei der "Tagesschau", außerdem moderierte sie bei der ARD mehrere Talkshows. Ins Gedächtnis eingebrannt haben sich jedoch ihre fragwürdigen und missverständlichen Äußerungen zum Frauenbild. In der ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner wollte sie im Oktober 2007 alles richtigstellen - und hat es noch viel schlimmer gemacht. Als Herman dann auch noch anfing, vor laufenden Kameras über Hitlers Autobahnen zu faseln ("Es sind auch Autobahnen damals gebaut worden, und wir fahren heute drauf"), wurde sie zur Witzfigur. Mit dem Spruch "Autobahn geht gar nicht!" machte sich eine ganze Nation über sie lustig und fragte sich: Ist die so naiv oder so dumm?

Die gleiche Frage stellen sich viele Fernsehzuschauer derzeit bei Katrin Müller-Hohenstein. Die Sportmoderatorin, zusammen mit Oli Kahn für das ZDF bei der Live-Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika im Einsatz, hat in den vergangenen Tagen mit ihrer Äußerung vom "inneren Reichsparteitag" für viel Wirbel gesorgt. "Das ist eine verbale Entgleisung, die ihr und uns leidtut. Sie ist im Eifer der Situation entstanden. Wir bedauern das, und das wird so auch nicht mehr vorkommen", versuchte das ZDF sich anschließend in Schadensbegrenzung. Schwamm drüber, war die Devise. Und das hätte auch beinahe geklappt, würde Müller-Hohenstein nicht von einem ins andere Fettnäpfchen treten.

Einfach bärig, die Österreich-Flagge

Jüngster Fauxpas: Sie verwechselte die Berliner mit der Österreich-Flagge. Nach dem Deutschland-Spiel gegen Argentinien zeigten die Kameras eine rot-weiß-rote Fahne zwischen den jubelnden Fans im Kapstadter Stadion. Darauf war deutlich ein großer, schwarzer Bär zu erkennen - das Wappentier der Bundeshauptstadt. Umso verwunderter waren die Zuschauer als Müller-Hohenstein zu Oli Kahn gewandt plötzlich fragte: "Oli, siehst du die Österreich-Fahne? Das ist ja interessant." Ein peinlicher Irrtum für die 44-Jährige. Doch auch für diesen hatte sie die passende Entschuldigung parat: "Ich habe nur das Rot-weiß-rot gesehen. Ich wollte die österreichischen Zuschauer nicht kränken", erklärte sie hinterher.

Dass sie den dicken, bräsigen Berliner Bären nicht gesehen hat, "was soll's?", werden jetzt viele sagen. Beim ZDF sind zwar schon Sportmoderatorinnen in Ungnade gefallen, weil sie das Gründungsjahr des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 verwechselt hatten (Sportstudio-Moderatorin Carmen Thomas sagte 1973 "FC Schalke 05"), doch der Fahnenpatzer, er ist im Vergleich zum "inneren Reichsparteitag" harmlos. Da aber niemand Müller-Hohenstein ernsthaft unterstellen würde, braunes Gedankengut verbreiten zu wollen, wäre inzwischen selbst dieser nicht mehr der Rede wert, wenn am Wochenende nicht Entschuldigung Nummer drei hätte folgen müssen. Und dieses Mal für etwas, das sie vielleicht wirklich ihren Moderatorenjob beim ZDF kosten könnte.

Anlass ist dieses Mal eine Werbung im Internet für die bayrische Molkerei Weihenstephan . Für das Unternehmen tritt Müller-Hohenstein als sogenannte "Schirmherrin des Qualitätsbeirats" auf. Zu ihren Aufgaben gehöre es, mit ihrem "journalistischen Wissen" und ihrer "natürlichen Neugier" diesen zu unterstützen, sagt sie in einem Kurzinterview auf der Unternehmenshomepage. In einem Video ist sie zu sehen, wie sie vier ausgewählte Verbraucher bei einem Betriebsrundgang begleitet. "Ich glaube, es ist wichtig, dass es kritische Verbraucher gibt, die auch mal genauer hinschauen", sagt sie, "und dann gehen wir der Sache einfach mal auf den Grund." Und ihr kritisches Fazit lautet am Schluss: "Also ich fand's ganz toll."

Horst Schlämmer lässt grüßen

Unfreiwillig komisch, fast wie eine Parodie auf Hape Kerkelings Horst Schlämmer, den "knallhart nachfragenden" Stellvertrenden Chefredakteur des Grevenbroicher Tagesblattes, wirkt das ganze und hat Ende vergangener Woche ZDF-Chefredakteur Peter Frey höchst persönlich auf den Plan gerufen. "Der Internet-Auftritt ist nicht glücklich und kann so nicht bleiben", sagte Frey dem Branchenblatt "Medium Magazin". Der Vertrag entspreche "nicht den Vorstellungen des ZDF von Auftritten seiner journalistischen Köpfe". Die so gescholtene Moderatorin, die um die Unzulässigkeit der Vermischung von Journalismus und Werbung weiß, reagierte prompt und wie gewohnt: mit einer Entschuldigung. "Das Engagement war ein Fehler, den ich bedaure", sagte Müller-Hohenstein. Sie beende die Arbeit als Schirmherrin des Beirats und wolle ihre Gage spenden, erklärte sie.

Hätte sie es mit diesen Worten gut sein lassen, ihr Image als kompetente und unabhängige Journalistin wäre zwar lädiert worden, aber den Vorwurf naiv oder gar dumm zu sein, hätte sie sich wahrscheinlich nicht gefallen lassen müssen. Doch Müller-Hohenstein behauptete gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Spiegel": "Es war nie meine Absicht zu werben." Ihr Management tut sogar so, als sei der Auftritt keine Werbung. Der Grund: Sie halte schließlich kein Produkt in die Kamera oder preise die Vorzüge der Marke. Im Video klingt das dann so: "Ich habe noch nie eine Molkerei von innen gesehen. (…) Das finde ich das Bemerkenswerte an diesem Tag, dass die Transparenz so da war. Gerade in Zeiten von Analogkäse und Klebeschinken, wo einem so viel vorgegaukelt wird, ist es, finde ich, nicht selbstverständlich, dass man dem Verbraucher alles zeigt."

Dass eine gestandene Journalistin offenbar glaubt, dass sie bei einem Besuchstag in einer Molkerei, für den sie auch noch bezahlt wird, kritischen Einblick in die Produktionsprozesse nehmen kann und ihr "alles gezeigt" wird, darüber kann sich jeder Zuschauer selbst ein Urteil bilden. Die ist naiv, werden manche denken. Dass sie dann aber auch noch glaubt, mit ihrem bezahlten Auftritt solle nicht geworben werden, ist dumm. Er gehe davon aus, dass Müller-Hohenstein selbst nicht klar war, dass mit ihr geworben werden sollte, sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey dazu. Das muss er auch. Denn andernfalls bliebe nur die Möglichkeit, dass Müller-Hohenstein ihre Zuschauer für dumm hält. Und dann bliebe Frey nichts anderes übrig, als seine Sportmoderatorin sofort freizustellen.

Abstimmung

Soll Katrin Müller-Hohenstein als ZDF-Sportmoderatorin abgelöst werden?

Abstimmen Ergebnis anzeigen
Von Jens Maier
 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
Preston (06.07.2010, 18:28 Uhr)
vom Niveau her könnte das hier auch die BILD-Zeitung sein
mit all den Beleidigungen und persönlichen Unterstellungen. Naja, was will man von der Facebook-Generation groß erwarten; viel mehr als "Daumen hoch" ("Gefällt mir") kennt die halt nicht.
reisekutscher (06.07.2010, 17:56 Uhr)
KMH
Ich finde diese Dame - im Gegensatz zu manch anderem hier - mehr als eine Augenweide.
Freue mich immer wieder, sie im TV zu sehen. Was sie gesagt und getan hat ist mir egal, wenn sie auf der Abschussliste steht, kann sie eh nichts dagegen tun.
Gruß vom heimlichen Verehrer ;-)
also_ne... (06.07.2010, 13:56 Uhr)
@ preston
nur weil das hier eine tendenziell linksliberales Blatt ist, bedeutet das noch lange nicht, dass auch nur linksliberale Kommentare gepostet werden dürfen!

naja, aber mit Kritik / conträren Ansichten sind Sie auch bereits beim Thema "Ballerspiele" nicht klar gekommen...
Preston (06.07.2010, 12:23 Uhr)
@joschitura: warum geben Sie dann nicht in der WELT ihren Senf dazu?
- da passen Sie mit ihrem Weltbild offenbar besser hin.
Der STERN ist, soviel ich weiß, noch immer linksliberal - sonst hätte man sich (im obigen) Artikel auch nicht so kritisch mit dem Spruch über den "Reichsparteitag" auseinandergesetzt.
Ich habe nur gesagt, daß ich es absolut verlogen finde, Eva Herman um ihr Amt zu bringen - und Müller-Hohenstein so einen Dreck durchgehen zu lassen.
spargo (06.07.2010, 12:09 Uhr)
jetzt ist aber mal gut...
Frau Müller-Hohenstein ist eine sympatische und kompetente Sportmoderatorin, davon gibts nicht so viele. Ihre Interviews im Sportstudio sind klasse (z.B. mit van Gaal). Der Erfolg und die Beliebtheit scheint einigen nicht zu passen. "Innerer Reichsparteitag" ist vielleicht nicht politisch korrekt, aber die Moderatoren sind mehrere Stunden am Stück über mehrere Wochen im Einsatz, da jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, ist unangebracht. Die österreischiche Flagge beim kurzen Blick mit der berliner Flagge zu verwechseln ist für mich überhaupt nicht mal erwähnenswert. Wen soll das beleidigen? Die Werbeaktion war vielleicht im Rahmen Ihres Arbeitsvertrages mit dem ZDF erklärungsbedürftig, aber wieso soll das den normalen Zuschauer interessieren? Sie ist ja keine politische Redakteurin, die kritisch über die Milchwirtschaft berichtet. Also für mich alles an den Haaren herbeigezogen, weil man ihr den Erfolg nicht gönnt. Mein Tipp: Solche Beiträge einfach ignorieren und locker bleiben.
joschitura (06.07.2010, 12:08 Uhr)
@preston
Zitat :"sorry, ich lese nicht die WELT..."
Sie lesen offenbar überhaupt ein bißchen wenig, lieber Herr oder liebe Frau preston! Aber: wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Vielleicht sollten Sie (und auch Ihre Bekannte mit dem Dr.phil in Germanistik!) mal ein bißchen lesen... Zum Beispiel, die andern Kommentare hier, die Ihnen (und allen anderen, denen es an Geschichtsbewußtsein und Geschichtskenntnissen mangelt) erklären, daß der Spruch vom "inneren Reichsparteitag" von seinen Erfindern doch nazi-regimekritisch gemeint war: man hat sich über die Nazis und ihren Pomp lustig gemacht. Zu einer Zeit, als das sehr gefährlich war...Würden Sie das bitte jetzt mal endlich zur Kenntnis nehmen und mit Ihren Pawlow´schen Reflexen von wegen Nazi-Gedankengut etc. pp. aufhören ?
schade77 (06.07.2010, 12:06 Uhr)
@preston
Danke für Ihre Worte. Jetzt fühle ich mich besser...weil ich nämlich weiss, dass ich wirklich angekommen bin im 21. Jahrhundert und mich so viel besser fühlen kann als Sie, einer der Ewiggestrigen, die unseren Ruf als Deutsche immer wieder festigen...aber auch unsere Fussballer schaffen es momentan, dieses Denken in der Welt abzuschaffen...

Aber da Sie so total streng mit der Vergangenheitsbewältigung sind, gehe ich davon aus, dass Sie natürlich NIE im Leben Kindergeld angenommen haben, weil...
"Das Kindergeld wurde in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus unter dem Namen "Kinderbeihilfe" für "arische" Familien eingeführt"

Ich danke auf Knien, dass ich nicht so suchend und nörgelnd und verbittert durch die Welt renne, sondern in 2010 angekommen bin...
AlwinThiloMozart (06.07.2010, 11:50 Uhr)
Die Dame ist überfordert - aber nicht nur sie
Wie gut, dass diese unsägliche (Medien-)WM bald zu Ende geht. Frau KMH, vom Radiosender "Antenne Bayern" kommend, ist eine Quotenfrau, wie vorher ein User ganz richtig analysierte. Jedes Wort von ihr zeigt, dass sie mit Sport nichts, aber auch rein gar nichts am Hut hat. Sie weiß es, das ZDF weiß es und die TV-Seher müssten es auch wissen. Wenn sie denn wenigstens schön wäre. Außer unvorteilhaft großen Ohren, die sie auch noch so betont, fällt einem nichts auf.

Man sehnt sich zurück an Zeiten, als ein Spiel fünf Minuten vor dem Spiel begann. Ich habe das noch in Erinnerung, als Rudi Michel mit der Aufstellung auf Sendung geht. Dann ging es um Sport. Fünf Minuten nach dem Abpfiff sendete das TV sein Routineprogramm. Die Vor- und Nachbereitung der Mehmets, der Katrins und mittlerweile auch der Dellings ist grausam geworden. Natürlich sind sie geschuldet den Zwängen, die Werbung und Sponsoren unterzubringen. Jede Petitesse wird breitgetreten, von Merkels Jubelpose bishin zu Schweisteigers Stuhlgang.

Frau KMH kann sich trösten: Ein Herr Scholl ist mindestens genauso nichtssagend und peinlich.

Die größte Befürchtung bleibt: In gut zwei Jahren bei der EM 2012 geht das Ganze wieder von vorne los, vermutlich noch grausamer als 2010.
TanniWhite (06.07.2010, 10:59 Uhr)
An dem Tag...
...an dem Johannes B Kerner aufhört, seicht und harmlos dahinzutalken,
...an dem R. Beckmann endlich den guten Ratschlag D. Nuhrs beherzigt ("...einfach mal Fresse halten..."),
... an dem alle sonstigen Pseudo-Babbel-Daytime-oder-Latenight-Talkern wirklich journalistische Fähigkeiten beweisen,
...an dem männliche Sportreporter fehlerfrei und unterhaltsam kommentieren,

an diesem Tag pflichte ich der Kritik an Frau M.-H. bei. Vorher nicht.
Inkompetenz ist kein männliches Privileg. Auch Frauen dürfen doof und/oder hässlich sein.
WorldWideUwe (06.07.2010, 10:42 Uhr)
Einfach mal ...
... des Abends unter den Sternenhimmel setzen und dann im Angesicht der Weiten des Universums die paar Minuten Moderation von Frau H. und die Wichtigkeit von stern.de Artikeln neu bewerten ...
MEHR ZUM ARTIKEL
Milch-Werbung Katrin Müller-Hohenstein verärgert das ZDF

Nach ihrem Fauxpas mit dem "inneren Reichsparteitag" sorgt Katrin Müller-Hohenstein erneut für Ärger. Die Sportmoderatorin wirbt im Internet für eine deutsche Molkerei. Ihrem Haussender ZDF gefällt das gar nicht. mehr...

Fußball-WM im TV Müller-Hohenstein und Kloses "Reichsparteitag"

Im Alltag hat sich die unselige Sprachwendung gehalten, nun ist ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein darüber gestolpert. Einen "inneren Reichsparteitag" habe Miroslav Klose nach seinem Tor gegen Austalien gefeiert. Mit dem Spruch brachte sie die Internet-Gemeinde in Rage. Selbst die Regierung schaltete sich ein. mehr...

Der Moderatorencheck Die neue Frau fürs Sport-TV

In einer neuen Serie beleuchtet Moderatorentrainer Michael Rossié ab sofort neue TV-Gesichter. Zum Anfang nimmt er Katrin Müller-Hohenstein unter die Lupe, die ihr Debüt im "Aktuellen Sportstudio" feierte. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft