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Die letzten Mütter und Väter

Der ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" lässt Zuschauer nach Kriegserinnerungen in der eigenen Familie wühlen. Da bald die letzten Zeitzeugen gestorben sind, ist es ein Wettlauf mit der Zeit.

Von Sophie Albers

  "Unsere Mütter, unsere Väter" erzählt davon, wie fünf junge Deutsche im Zweiten Weltkrieg ihre Menschlichkeit verlieren - wie sie töten, verraten, sich verkaufen. Die erste Folge des Dreiteilers haben mehr als sieben Millionen Zuschauer gesehen.

"Unsere Mütter, unsere Väter" erzählt davon, wie fünf junge Deutsche im Zweiten Weltkrieg ihre Menschlichkeit verlieren - wie sie töten, verraten, sich verkaufen. Die erste Folge des Dreiteilers haben mehr als sieben Millionen Zuschauer gesehen.

7,22 Millionen Zuschauer haben den ersten Teil des ZDF-Dreiteilers "Unsere Mütter, unsere Väter" gesehen. Die Kritik bemüht Superlative, um die Geschichte von jungen Deutschen, die im Zweiten Weltkrieg zu Rädern im todbringenden Werk der Nazi-Maschine werden, zu beschreiben: Das sei "echtes Leben", schreibt Stefan Schmitz auf stern.de. So unmittelbar sei man im deutschen Film noch nie in den Nationalsozialismus eingestiegen, steht bei "Spiegel Online". Es sei das beeindruckendste Unternehmen der jüngeren Fernsehzeit, heißt es auf "Zeit online". Auch auf Facebook und Twitter wurde über den Auftakt heftig diskutiert.

Vor allem aber scheint die ZDF-Serie Zuschauer dazu zu bringen, im Gedächtnis der eigenen Familie zu wühlen - wie zum Beispiel im Forum der "FAZ" nachzulesen ist. Und es ist wichtiger denn je, diese Erinnerungen aufzuzeichnen, denn die Zeitzeugen sterben aus. Schon bald wird es - auf Täter- und Opferseite - niemanden mehr geben, der dabei war, als Hitler Deutschland regierte, als Europa von Krieg überzogen und Millionen Menschen industriell ermordet wurden.

100 Momente deutscher Geschichte

Ein Projekt, das sich seit Ende 2011 als multimediale Plattform am so notwendigen Wettlauf mit der Zeit beteiligt, ist das "Gedächtnis der Nation", eine Kooperation von stern und ZDF. Eine Mammutaktion, die sich zur Aufgabe macht, Zeitzeugen vor laufender Kamera zu befragen und so deren Erinnerungen für die Nachwelt zu konservieren. Neben dem Zweiten Weltkrieg sind hier auch die Zeit der deutschen Teilung, die Emanzipation der Frau, Migrationsgeschichte und auch die Finanzkrise Thema. Zeitlich sei man nicht beschränkt, sondern "für die Zukunft offen", sagt Mitinitiator Ulrich Jörges.

500 Zeitzeugen berichten in mehr als 3000 Videointerviews von erlebter Geschichte. Dazu kommen rund 40 Jahrhundertzeugen - von Helmut Schmidt bis Georg Stefan Troller. Zu finden sind die persönlichen Berichte auf der Website "Gedächtnis der Nation". Einführende Videos zu "Momenten deutscher Geschichte" können auf einem Zeitstrahl angeordnet abgerufen werden, die sich wiederum nach Themen und Ereignissen ordnen lassen.

Auch knapp 68 Jahre nach Kriegsende darf die jüngere Generation nicht damit aufhören, der älteren Fragen stellen. Es wäre ein historischer Fehler, die Vergangenheit ruhen zu lassen, wie so manche Stimme fordert. Was von der Geschichte erinnert werden wird, hängt davon ab, wie sie erinnert wird. Deshalb müssen wir bei den noch lebenden Zeitzeugen ganz genau nachfragen.

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