Kirchensatire geht dem WDR zu weit

5. Juni 2013, 13:19 Uhr

Es geht um die Kirche, ein provokantes Video und einen TV-Sender. Die Komikerin Carolin Kebekus behauptet, der WDR habe ihre neue Satireshow zensiert. Der fragliche Film hat es in der Tat in sich. Von Volker Königkrämer

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Darf die das? Im Satire-Video "Dunk den Herren" schleckt Carolin Kebekus unter anderem ein Kruzifix ab und macht sich über die katholische Kirche lustig.©

Nein, mit der katholischen Kirche hat's die Komikerin Caroline Kebekus nicht so. Das wurde bereits im Februar deutlich, als sie für die "heute show" des ZDF vor laufender Kamera Kardinal Joachim Meisner anging und sich flugs mal als neue Päpstin ins Gespräch brachte. Bewerbungsmappe inklusive. Die Kirche war not amused und soll laut "Spiegel" sogar darauf gedrängt haben, dass der Beitrag nicht gezeigt wird. Am Ende vergeblich, der Film wurde gesendet.

Der WDR hat offenbar deutlich mehr Berührungsängste. In der Pilotsendung ihrer neuen Show "Kebekus", die heute um 20.15 Uhr bei Einsfestival gezeigt wird, war ursprünglich auch ein Video geplant, in dem sich Kebekus dreieinhalb Minuten lang an der katholischen Kirche abarbeitet. "Dunk den Herren" heißt das Werk, ist schwer komisch, aber alles andere als politisch korrekt und für gute Katholiken vermutlich der Stoff, der stantepede die Exkommunikation zur Folge hätte.

Kebekus schlüpft darin in verschiedene Rollen, mal rappt sie als Nonne Songlines wie "… geb mich nur Jesus hin, weil ich seine Bitch bin" und schleckt dabei ein Kruzifix ab. Mal schlüpft sie ins Messdienergewand und säuselt von der "Aftershow-Party in der Sakristei". Zu sehen ist das Werk schon jetzt auf Kebekus eigenem YouTube-Kanal.

WDR soll Video aus der Sendung geschnitten haben

Dem WDR als federführender Sender, so der schwerwiegende Vorwurf, soll das zu heiß gewesen sein, er soll das umstrittene Video aus der Sendung geschnitten haben. Das sagte Kebekus jedenfalls am Dienstag bei Stefan Raabs "TV total", wo sie eingeladen war, um ihre neue Show zu promoten. Doch sie tat das Gegenteil. "Müssen Sie nicht gucken, ist total verschnitten", ließ die Komikerin die Pro7-Zuschauer wissen. Und setzte nach: "Ich möchte mich von der Sendung distanzieren."

Zensur beim WDR im vorauseilenden Gehorsam vor der Kirche? 1Live Programmchef Jochen Rausch, der beim WDR für junges Fernsehen zuständig ist, bestätigt den Vorgang als solchen, bewertet ihn jedoch völlig anders. Das umstrittene Video sei von der Produktionsfirma lediglich für die Sendung vorgeschlagen worden, die Redaktion habe sich bei der Endabnahme jedoch gegen eine Ausstrahlung entschieden, heißt es in einer WDR-Pressmitteilung.

Die Argumentation des Senders liest sich dann so: "Der Grund: Insbesondere durch die Szenen mit dem Kruzifix könnten religiöse Überzeugungen von Zuschauern verletzt werden. Dies war und ist nicht die Intention der Redaktionsgruppe 'Junges Fernsehen' – und ließe sich auch nicht mit dem WDR-Gesetz vereinbaren, das in § 5 ausdrücklich festlegt, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten."

"Jetzt bleibt's halt bei einer"

Der Mediendienst DWDL hingegen untermauert den Zensurvorwurf mit einer E-Mail, deren Quelle zwar nicht angegeben ist, die vom Tonfall her aber offenbar aus dem Umfeld der Show stammt: "Der entsprechende Clip war fester Teil der morgigen Sendung. Die Folge war bereits fertig produziert und abgenommen. Sie muss nach der Intervention umgeschnitten werden. Sollte behauptet werden, man habe den Musik-Clip nur produziert und sich immer offen gehalten, ihn auch wirklich zu senden, so wäre das eine Lüge."

"Kebekus" sollte die erste eigene Show der Komikerin werden. Die Sendung wird von Bildundtonfabrik produziert, die auch "Roche und Böhmermann" auf Sendung brachte. Bei ihrem Raab-Auftritt sagte die Komödiantin lakonisch: "Eigentlich waren mehrere Sendungen geplant. Jetzt bleibt's bei einer."

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