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Freifrau jagt Kinderschänder

Sie engagiert sich schon seit Längerem gegen Kindesmissbrauch. Jetzt verfolgt Stephanie zu Guttenberg ihr Anliegen auch im Fernsehen: In der Doku-Reihe "Tatort Internet" will die Ministergattin Kinderschändern nachstellen. Die Sendung läuft ausgerechnet auf dem "Schmuddelsender" RTL2.

Von Carsten Heidböhmer

Die wohl bekannteste Sendung auf RTL2 ist "Big Brother". Seit mehr als zehn Jahren sorgt der Privatsender mit einem einfachen Konzept für überdurchschnittliche Quoten: Die Zuschauer sehen Menschen beim täglichen Leben im Container zu. Gingen anfangs tatsächlich mehr oder weniger "normale" Menschen in den TV-Knast, so ist das Format inzwischen zu einer Spielwiese für Pornostars und andere Silikonwunder verkommen. Dass die Quoten für dieses Format konstant über dem Senderdurchschnitt liegen, hat einen einfachen Grund: Die Zuschauer bekommen regelmäßig nackte Tatsachen und ein bisschen Sex serviert.

Ausgerechnet in diesem Umfeld verfolgt nun Stephanie zu Guttenberg ihre Mission, Kinder vor übermäßiger Sexualisierung zu schützen. Bereits an diesem Donnerstagabend um 20.15 Uhr startet auf RTL2 die neue Doku-Reihe "Tatort Internet". Darin wollen die Ministergattin und der frühere Hamburger Innensenator Udo Nagel in insgesamt zehn Folgen Sexualtäter aufspüren, die Kinder im Netz belästigen. Die weiteren Folgen sollen künftig montagabends laufen.

Kritik an Heidi Klum und Lady Gaga

Für zu Guttenberg ist dies eine logische Ausweitung ihres bisherigen Engagements: Die Ehefrau von Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg ist Präsidentin der Kinderschutzorganisation Innocence in Danger. Erst kürzlich veröffentlichte sie gemeinsam mit Anne-Ev Ustorf das Buch "Schaut nicht weg! Was wir gegen sexuellen Missbrauch tun müssen". Darin kritisiert sie unter anderem den Sexismus in Musikvideos von Lady Gaga sowie Shows wie "Germany's Next Topmodel". Doch so manches im Programm von RTL2 ist mindestens so problematisch wie Heidi Klums Model-Casting. Seltsam, dass zu Guttenberg sich genau diesen Sender aussucht.

Für RTL2 ist die neue Reihe mit Stephanie zu Guttenberg dagegen ein echter Coup. Denn der Privatsender möchte seit einiger Zeit sein Schmuddelimage loswerden. Neben den Kritikern hatte man zuletzt auch die Zuschauer verprellt - nahezu alle neuen Doku-Soaps floppten. Ganz offensichtlich hatten es die Programmmacher mit dem Trash zu weit getrieben.

Erster Schritt zu einem qualitativen Neuanfang?

Als Konsequenz daraus wurde kürzlich Unterhaltungschefin Julia Nicolas gefeuert. Der Sender entschuldigte sich sogar für die niveaulosen Inhalte und kündigte an, dass die Programme in "größerem Maße als bisher den qualitativen Ansprüchen gerecht werden" sollen.

"Tatort Internet" scheint da tatsächlich der erste Schritt hin zu einem qualitativen Neuanfang zu sein. Doch der Eindruck täuscht: Das Format wurde noch von der geschassten Julia Nicolas verantwortet.

In jedem Fall betritt der Sender mit diesem Format Neuland. Das sieht man schon an seiner Einordnung: Die Kategorie "Dokumentation" existiert derzeit im Pressebereich von RTL2 gar nicht - "Tatort Internet" läuft deshalb unter dem Label "Doku Soaps". Der Privatsender hat offenbar noch einen weiten Weg zu gehen, will er eines Tages ernst genommen werden.

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