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17. Januar 2012, 13:56 Uhr

Unangemessen, verharmlosend, stereotyp - "Döner-Morde"

Seit dem Anfang der Neunziger wählt eine Jury von Sprachexperten das scheußlichste Wort des vergangenen Jahres. Meist handelt es sich um Wörter die Geringschätzung verschleiern oder die Würde von Menschen herabsetzen. Das "Unwort 2011" schafft mühelos beides.

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Polizeibeamte untersuchen nach einem Mord in Dortmund einen Kiosk auf Spuren© Nils Foltynowicz/DPA

Zum "Unwort des Jahres 2011" ist der Begriff "Döner-Morde" gewählt worden. "Damit wurden von Polizei und Medien die von einer neonazistischen Terrorgruppe verübten Morde an zehn Menschen bezeichnet", sagte die Sprecherin der "Unwort"-Jury, Sprachwissenschaftlerin Nina Janich.

Das Schlagwort verharmlose, sei eine sachlich unangemessene, folkloristisch-stereotype Etikettierung. "Döner-Morde" waren 269 Mal eingereicht worden, der Begriff lag an der Spitze. Damit waren im Kern Morde an acht türkischstämmigen und einem griechischen Kleinunternehmer bezeichnet worden. Janich zählte auch den Mord an einer Polizistin mit.

Zum "Unwort des Jahres 2010" war "alternativlos" gewählt worden. Neben der unabhängigen, sprachkritischen Jury wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS/Wiesbaden) das "Wort des Jahres". 2011 ist es der Modebegriff "Stresstest".

Merkels sprachlicher Sündenfall

Die "Unwort"-Jury kritisiert in diesem Jahr außerdem die Formulierung "Gutmensch". Mit dem Ausdruck werde besonders im Internet das ethische Ideal des "guten Menschen" in hämischer Weise aufgegriffen. Kritisiert wurde auch der Begriff "marktkonforme Demokratie", den Bundeskanzlerin Angela Merkel benutzt habe. Es handele sich um eine "höchst unzulässige Relativierung".

Die "Unwort"-Jury besteht aus sechs Mitgliedern: Vier Sprachwissenschaftler, ein Journalist sowie ein jährlich wechselndes Mitglied aus dem öffentlichen Kultur- und Medienbetrieb.

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Begriffe zum "Unwort des Jahres" gewählt, die soziale Misstände verharmlosen. Unter anderem wurden "sozialverträgliches Frühableben", "Entlassungsproduktivität", "notleidende Banken" und "Überfremdung" zu "Unworten" erklärt.

ono/DPA
 
 
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