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Christoph Waltz spielt schießwütigen Jesus

Mit seinem Auftritt in der Sendung "Saturday Night Live" begeistert der Österreicher Fans und Kritiker gleichermaßen. Vor allem Waltz' Rollen als rachedürstender Jesus und sparsamer Papst kommen an.

Von Frank Siering, Los Angeles

  Christoph Waltz wurde nach der Ausstrahlung von "Saturday Night Live" in den US-Medien bejubelt

Christoph Waltz wurde nach der Ausstrahlung von "Saturday Night Live" in den US-Medien bejubelt

Schon der Beginn der Sendung deutete an, dass es an diesem Abend kein Tabu geben würde. Christoph Waltz, 56, trat auf die Bühe, um als erster deutschsprachiger Entertainer durch die legendäre TV-Show "Saturday Night Live" führen zu dürfen, und räumte gleich erst einmal mit einigen "typisch amerikanischen" Vorurteilen auf.

"Ich wollte das schon so lange machen", erzählte Waltz zur Einleitung. "Aber sie haben immer gesagt: Warum du? Du bist ein ernsthafter deutscher Schauspieler. Du hast keinen Sinn für Humor. Aber ich bin Österreicher, und die haben Humor. Die Deutschen? Nicht so viel", ätzte Waltz.

Kaum ausgesprochen, stapfte auch schon "Freizeit-Hitler" auf die Bühne. Nicht in Uniform, sondern im legeren Freizeitlook gekleidet. Waltz rollte die Augen und lächelte freundlich, bevor er ihn aufforderte, das Publikum mit einem freundlichen "Hi(l)" zu begrüßen.

Doch das war erst der Anfang einer grandiosen Comedy-Nacht. Absoluter Höhepunkt: ein fiktiver Film-Vorspann zu einem neuen Quentin Tarantino-Film "DJesus Uncrossed". Übersetzt heißt das so viel wie "Jesus vom Kreuz geholt". Die erste Einstellung im Movie-Trailer zeigt Waltz, wie er als Jesus verkleidet aus seiner Grabstätte in Jerusalem steigt und mit den Worten angekündigt wird: "Er trägt zwar Sandalen, aber er kann trotzdem ordentlich in den Arsch treten."

Als Papst mit Pensionsplaner

Mit Sprüchen wie "No more Mr. nice Jesus" und "When you are in heaven, say Hi to my Dad" metzelt ein mit einer "Uzi" und einer Machete bewaffneter Jesus die geschockten Römer nieder. Revanche im "Django Unchained"-Stil. Eine sonore Stimme bewirbt den "neuen" Waltz-Film derweil als eine "etwas weniger gewalttätige Version von 'Passion of the Christ'".

Waltz, der in keinem der SNL-Sketche an diesem Abend sich selbst spielte, schlüpfte aus aktuellem Anlass dann auch noch in die Rolle von Papst Benedikt XVI. Dass auch ein Papst für die Rente vorsorgen muss, zeigte die Werbekampagne für "Papal Securities".

Darin spielt er den Heiligen Vater mit Rentnersorgen. Eine Einstellung zeigt ihn im Papstgewand mit reißenden Einkaufstüten in der Hand. Eine andere im Büro eines Finanzplaners, über mögliche Renten-Strategien nachdenkend und über Excel-Tabellen grübelnd.

Chancen auf den Oscar

Die "Huffington Post" jubelte, dass es "die beste Show der laufenden Saison" war, der Rolling Stone bescheinigte dem Oscar-Gewinner "Erfolg von Anfang bis Ende” und der Hollywood Reporter sowie die Los Angeles Times fanden Waltz "absolut charmant” und "irre lustig". Die Videos mit den Sketchen aus der Show machten in Windeseile ihre virale Runde im Netz.

Am kommenden Sonntag wird Waltz in Los Angeles an der Oscarverleihung teilnehmen und möglicherweise für seine Rolle als Kopfgeldjäger in “Django Unchained” seinen zweiten Academy Award entgegennehmen. Dass er dann seinem Mentor Quentin Tarantino danken wird, steht wohl ausser Frage. Und in gewisser Art und Weise hat er das ja mit seiner Homage an den US-Regisseur in seinen SNL-Sketches vom Wochenende ja ohnehin schon getan.

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