Deutsche hängen am liebsten vor der Glotze

29. August 2013, 14:23 Uhr

Die Deutschen beklagen einer Umfrage zufolge, zu wenig Zeit für Freunde und spontane Unternehmungen zu haben. In der Realität verbringen sie ihren Feierabend jedoch am liebsten zu Hause vor dem TV.

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Die Deutschen verbringen ihre Freizeit am liebsten vor dem Fernseher©

Amerikaner gehen mehr raus, Skandinavier stehen auf neue Medien, Südeuropäer lieben die Familie und Benelux-Bewohner die Kultur - und was tun die Deutschen in ihrer Freizeit am liebsten? Sie machen es sich daheim auf dem Sofa nett. Fernsehen, Telefonieren und Ausruhen bleiben ihre Freizeitbeschäftigungen der Wahl. "Der Hang zu regenerativen Tätigkeiten hat bei uns weiter zugenommen", bestätigte Prof. Ulrich Reinhardt am Donnerstag in Berlin. "Die Vorlieben sind international ganz unterschiedlich."

Der Freizeit-Monitor 2013 der Stiftung für Zukunftsfragen zeigt einmal mehr - die meisten bleiben am Feierabend zu Hause. Unter den Top 17 Freizeitbeschäftigungen ist keine einzige, die dezidiert draußen spielt - es sei denn, man unterstellt beim Telefonieren via Handy (Platz 7) einen Aufenthalt im Freien.

Doch ein zweiter Blick auf die Ergebnisse der repräsentativen Befragung vom Juni zeigt durchaus Unterschiede: Nicht nur die zu erwartenden zwischen den Geschlechtern - Frauen lesen fast doppelt so oft Bücher wie Männer (45 zu 25 Prozent), nehmen sich mehr Zeit für die Körperpflege und zum Shoppen, während Männer öfter heimwerken, zu Sportevents oder in die Kneipe gehen. Sondern auch zwischen Osten und Westen: So treiben Westdeutsche mehr Sport (37 zu 25 Prozent), nutzen häufiger Social-Media-Angebote und treffen sich öfter mit Freunden. Ostdeutsche beschäftigen sich öfter im Garten (40 zu 34 Prozent), heimwerken lieber und gönnen sich häufiger eine Kaffeepause am Nachmittag.

Internetnutzung stagniert

Insgesamt gilt: Kontakte werden vorzugsweise via Telefon, Mail oder - je jünger desto intensiver- auch über Soziale Netzwerke gepflegt. "Das hat sich verstärkt, aber viele erkennen mittlerweile auch, dass der virtuelle Kontakt nur Ergänzung und keine echte Alternative zum persönlichen Treffen ist", betont Reinhardt. Tatsächlich stagniert die Zuwachsrate bei der Internetnutzung und nur wenige der Befragten gaben an, in Zukunft noch mehr telefonieren oder im Web surfen zu wollen.

Denn alles ist auch eine Frage des Gesamtzeitbudgets: Mit kaum vier Stunden steht den Deutschen im Durchschnitt eine Viertelstunde weniger freie Zeit pro Werktag zur Verfügung als noch vor drei Jahren. Fast alle - mit Ausnahme der Ruheständler - beklagen Freizeitmangel. Am stärksten ist dies bei Familien. Aber auch immer mehr Jugendliche stöhnen. Bei ihnen ist die freie Zeit seit 2010 besonders drastisch zusammengeschnurrt: Um fast eine Stunde. Vorrangige Gründe dafür sind verkürzte Schulzeit, Ganztagsunterricht und mehr Leistungsdruck - auch durch die Eltern, die das Beste für ihren Sprössling wollen.

Graubereich zwischen Arbeit und Freizeit wird wachsen

"Jugendliche brauchen aber Zeit und Muße, um herauszufinden wer sie sind, sich im Gespräch mit anderen zu spiegeln und eigene Kompetenzen zu erproben", sagt die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Bettina Hannover (FU Berlin). Hier sollten Eltern statt Druck auszuüben den 'goldenen Mittelweg' suchen. "Angebote machen, aber den Jugendlichen die Entscheidung überlassen, sie wahrzunehmen."

Trotz Arbeitszeitverkürzung und höherer Lebenserwartung sagt Reinhardt voraus: "Die wirklich freie Zeit wird in Zukunft nicht wesentlich zunehmen." Dafür werde der Graubereich zwischen Arbeit und echter Freizeit wachsen.

Und nicht zuletzt macht auch das Geld einen Unterschied bei der Freizeitgestaltung. Das zeigt nicht nur der Freizeit-Monitor sondern auch bereits der Datenreport 2011. Mit steigendem monatlichen Einkommen erhöhen sich danach die Ausgaben für Freizeit und Kultur von acht auf zwölf Prozent des Konsumbudgets. Laut Datenreport gaben dabei die Menschen im Osten und Westen der Republik für ähnliche Freizeitwünsche Geld aus - allerdings investierten die Bundesbürger in den neuen Ländern mehr Geld in ihre Gärten.

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