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Komm, Schatz, ich will kuscheln

Sie sitzt wie ein Sack und macht einen Windelhintern - trotzdem ist die Jogginghose mehr als ein Sofa-Accessoire. Eine Liebeserklärung an das Kleidungsstück.

Von Katharina Grimm

  Die Jogginghose macht keine gute Figur - das soll sie aber auch gar nicht

Die Jogginghose macht keine gute Figur - das soll sie aber auch gar nicht

Liebste Jogginghose, heute ist dein Ehrentag. Ein einziger im ganzen Jahr: Internationaler Jogginghosentag. Es ist Zeit, danke zu sagen! Und sorry - weil ich so schlecht zu dir bin. Die Hemden hängen säuberlich gebügelt auf der Stange und die ollen T-Shirts bekommen ihren festen Platz im Schrank. Du liegst lieblos zusammengeknüllt in der Kommode - und ich wasch dich viel zu selten. Ich koche mit dir Spaghettisoße und putze mit dir das Badezimmer. Und danach knülle ich dich zurück in die Schublade.

Dabei weißt du gar nicht, wie sehr ich mich auf dich freue! Wenn ich mich durch grau-nasse Wintertage gegen den Wind nach Hause kämpfe, um in dich hineinzuschlüpfen. Wie wohlig mir wird, wenn ich meine tauben Eisbeine aus den regendurchtränkten Straßenschuhen in deine verwaschene Baumwolle schiebe. Dann will ich kuscheln, der Alltag bleibt draußen. Endlich daheim!

Eine Jogginghose ist Heimat. Und hässlich

Und das kann in anonymen Hotelzimmern oder auf einer unbequemen Gästecouch sein. Eine Jogginghose ist Heimat. Und hässlich. Jetzt sieh mich nicht so strafend an - du weißt doch: Du bist die Proletten-Uniform, das Erkennungsmerkmal sozial Aussätziger. Penner, Prolls und Pöbler brauchen dich, um sich zu erkennen.

Wäre ich nur ein bisschen cooler und hipper, dann wärst du viel häufiger unterwegs. Und wenn ich dann auch noch ein Mann wäre, würde ich mir einen Vollbart wachsen lassen und schlabbrige Wollmützen überziehen und schon wären wir beide total angesagt. Oder wenn ich Madonna oder ein Hollywood-Star sein könnte, dann würde ich mit dir an meinen Beinen von Paparazzi abgelichtet und würde sagen: Hey, ich bin ein Star, ich ziehe Lodder-Klamotten an und bin trotzdem ein Modevorbild für Teenies.

Du machst uns alle gleich

Doch wir sind zusammen nur morgens beim Bäcker. Unausgeschlafen, mit kleinen Augen und Haaren wie ein Vogelnest. Du hängst an mir wie ein Sack, und ich sehe in dieser Beutelhose aus, als ob ich Windeln tragen würde. Das ist nicht cool. Aber das ist dort niemand, der Jogginghose trägt. Der Typ von gegenüber aus der teuren Eigentumswohnung sieht genauso aus wie ich – oder der Obdachlose. Du machst uns alle gleich. Ob nun zum Trendsetter oder zum Universal-Penner.

Ach, meine grau-melierte Heimathose mit ausgeleiertem Bündchen, mindestens drei Nummern zu groß. Für mich bist du ein tragbares Refugium. Und vielleicht werde ich ja doch noch Hollywood-Star – oder ein Kerl mit Bart, Mütze und Hornbrille. Und wir beide, ja wir beide, sind dann endlich cool.

Ich glaube, ich werde dich heute mal wieder waschen. Das hast du dir echt verdient.

In Liebe, deine Katharina

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