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Sojabohnen
Schicke, grüne Dinger
© Hans Hansen
Die Sojabohnen werden kurz gekocht und mit Meersalz serviert. Routiniers drücken die Bohnen mit den Zähnen aus der Hülse in den Mund
Von Ulrike von Bülow und Klaudia Thal
Die New Yorker Promis haben ihren neuen Super-Snack: Edamame sind unreife Sojabohnen, knackig und kerngesund - und jetzt auch bei uns zu haben.
Ein japanisches Restaurant in
SoHo, New York City, klein
und dezent. Viel dunkles
Holz gibt es hier und Lampenschirme
aus zerknittertem Papier.
Operndiva Cecilia Bartoli speist an
einem Tisch, ihre glockige Stimme
erhellt den Laden, während etwas
weiter hinten der Starfotograf Mario
Testino sitzt, der gern mit meist
jungen und niemals hässlichen
Männlein vorbeischaut. Während
Richard Gere an diesem Abend leider
nicht da ist. Es heißt, das Restaurant
sei sein Lieblingsjapaner,
aber man sollte den Namen nicht
unbedingt nennen, denn die Schönen
und Berühmten kommen her,
weil sie hier ihre Ruhe haben. Weil
draußen keine Paparazzi warten
und sich drinnen kein Mensch dafür
interessiert, wie sie auf diesen
kleinen, grünen Dingern herumlutschen,
die hier ein jeder ordert:
Edamame. Oder, wie Amerikaner
sagen: "Iiidähmäähhmie".
Edamame sind noch unreife Sojabohnen,
die mitsamt Hülse fünf bis zehn Minuten
in Salzwasser gekocht und dann, mit
grobem Meersalz bestreut, verzehrt werden
- man drückt dabei die Böhnchen mit
den Zähnen aus der Hülle in den Mund.
Geschmacklich sind Edamame der grünen
Bohne nicht unähnlich, sie sind allerdings
weicher, zarter und leisten keinerlei Widerstand
beim Kauen. Und Amerikaner
kauen die feinen Böhnchen neuerdings
sehr, sehr gern. In New Yorker Restaurants
gelten Edamame längst als hipper Naschkram
der "very adorable people" mit Kleidergröße
34. Diese Frauen können sich an
Edamame stundenlang festknabbern, ohne
die Strichlinie zu gefährden. 100 Gramm
haben gerade mal 125 Kaloriechen.
Cheng Nung, chinesischer Kaiser und
Agrarfreund, wusste schon vor 5000 Jahren:
Diese Bohne ist die Krönung - er
sprach sie heilig. Seither sind Edamame
ein Grundpfeiler der asiatischen Küche; in
chinesischen Speiselokalen findet
man sie in Gemüsegerichten,
Suppen und Salaten, in japanischen
Bars werden sie als Snack gereicht
und mit Bier hinuntergespült - das gesunde
Äquivalent zu Kartoffelchips.
Kostspielige Ernte
Ihr Proteingehalt entspricht dem von
Fleisch und Eiern: Sie sind reich an Vitamin
A und E, Calcium und Eisen, alles gut,
um den Blutzucker- und Cholesterinspiegel
zu senken. Und sie enthalten mächtig
viel Isoflavon, ein östrogenähnliches Pflanzenhormon,
das vor Osteoporose und bestimmten
Krebsarten schützen soll. Von
einem "wonder veggie", einem Wundergemüse,
sprechen nun ehrfürchtig die Amerikaner,
die ja so langsam von Burgerfrittenmilkshake-
Junkies zu Healthfood-Jüngern mutieren - und konsequenterweise
nun Edamame für sich entdecken.
Lange Zeit waren die Bohnen in den
USA höchstens ein paar Freaks in Kalifornien
bekannt. 1994 wurden sie von Tak
Kimura, einem Lebensmittelhändler aus
Kalifornien, erstmals in einem Ökoladen
in Berkeley verkauft: fix und fertig gepalt,
gekocht, in Beutelchen verpackt und tiefgekühlt.
Drei Jahre später wurde in Huntington
Beach die Firma "Seapoint
Farms" gegründet, heute der größte
Importeur gefrorener Edamame in
den USA, der nun einen Bohnenboom
erlebt. "Wir beliefern seit zehn
Jahren Reformhäuser", sagt Laura
Cross, Sprecherin der Firma, "doch
seit eineinhalb Jahren explodieren
unsere Verkaufszahlen." Auch in
Deutschland und Österreich ist die
Bohne bereits gelandet: Der Gefrierkost-
Riese Iglo führt Edamame seit
Januar im Programm.
Die Ernte allerdings gestaltet sich
schwierig und kostspielig, denn
Edamame wachsen an Büschen. Sie
müssen per Hand und zwischen 99
und 120 Tagen nach ihrer Aussaat
gepflückt werden. Entscheidend für
den perfekten Geschmack ist der
Zeitpunkt: Die Hülsen dürfen nicht
ganz ausgereift, müssen geschlossen
und von grüner Farbe sein, mit
einem Flaum weißer bis hellbrauner
Härchen. Die Früchte im Inneren
dagegen sollen schon vollständig
ausgebildet sein. Edamame verderben
leicht, sie müssen schnellstmöglich
bei null Grad gelagert werden und sind
frisch nur fünf bis sieben Tage genießbar.
In New York kommt man an ihnen
kaum noch vorbei. Man findet sie an den
Ständen in Chinatown, büschelweise samt
Stängel und Stiel in Zehn-Kilo-Kisten.
Oder in den Kühlregalen der Supermärkte,
hülsenfrei und "prewashed" im Ein-Pfund-
Beutel zu drei Dollar. Und an der Madison
Avenue hat das "Edamame Maternity Spa"
eröffnet, eine Wellness-Oase für Schwangere.
Die Botschaft: Auch das übergewichtige
Muttertier soll sich wie ein "wonder
veggie" fühlen - innen unreife Bohne, doch
außen knackig und zart.
stern-Artikel aus Heft 33/2008
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