Am 8. Juli 1908 erhielt eine Erfindung ihr Patent, die fortan das Leben in heimischen Wohnzimmern entscheidend veränderte. Eine einfache Hausfrau aus Dresden verdankt der Hilfe ihres Sohnes und dem eigenen Ehrgeiz den Weltruhm ihres Vornamens.

Der Kaffeefilter wurde zum Werbestar© Melitta
Als Erfinderin der Methode, die die Kaffeezubereitung revolutionierte, ging die sächsische Hausfrau Melitta Bentz in die Wirtschaftsgeschichte ein. Die einfache Idee: mit Hilfe eines Papierfilters den Kaffeesatz in den Tassen zu vermeiden. Sie meldete diese Erfindung beim Patentamt an und gründete eine kleine Firma: die Melitta Unternehmensgruppe Bentz. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es alle erdenklichen Schwierigkeiten mit dem Getränk, das im 17. Jahrhundert in Europa bekannt und beliebt geworden war. Bis 1900 benutzte man Keramik- oder Metallsiebe zum Filtern, die den Nachteil hatten, dass bei zu großen Filterlöchern der Kaffeesatz den Genuß trübte und bei zu kleinen häufig die Löcher verstopften.
Melitta Bentz war sicher nicht die Erste, die sich über diese Umstände beim Kaffeegenuss geärgert hatte. Aber sie war die Erste, der eine Abhilfe einfiel. Mit Hammer und Nagel bewaffnet schlug sie Löcher in einen Messingtopf, legte ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres ältesten Sohnes auf den Boden des siebartigen Gefäßes und erfand auf diese Weise den ersten Kaffeefilter. Das Ergebnis war aromatischer Filterkaffee ohne Kaffeesatz.
Die Erfinderin erprobt andere Papiersorten, die das Wasser schneller durchließen. Sie ersetzte den Messingtopf durch einen 13 Zentimeter hohen zylindrischen Filterapparat mit einem Wasserverteiler und einem Rundfilterpapier zum Einlegen. Vor genau 100 Jahren erhielt Melitta Bentz für ihren "Kaffeefilter mit auf der Unterseite gewölbtem und mit Vertiefung versehenem Boden sowie mit schräg gerichteten Durchflusslöchern" und dazugehörigem "Filtrierpapier" Gebrauchsmusterschutz.
Das Startkapital war überschaubar: die Erfindung, 73 Reichspfennig und ein 40 Quadratmeter großes Zimmer in der eigenen Wohnung. Dort fand die Produktion der ersten Filter in Handarbeit statt. Melittas Mann Hugo Bentz gab seine Stellung in einem Kaufhaus auf und engagierte sich nur noch in dem jungen Unternehmen.
In den nächsten 15 Jahren vergrößerte sich die Firma Schritt für Schritt - sowohl bei der Zahl der Mitarbeiter als auch bei der Größe der Arbeitsräume. Ab 1919 lieferte Melitta außer Filtern aus Aluminium auch solche aus Porzellan und Steingut, die von Fremdfirmen hergestellt wurden. Zum Schutz vor Nachahmern markierte Melitta ab 1925 die Filterpapierpackungen in der heute noch üblichen rot-grünen Farbkombination. 1927 platzte das Fabrikgelände aus allen Nähten, die 80 Beschäftigten arbeiteten in Doppelschichten.
1937 erhielten die Filter und die Filtertüte von "Melitta" ihre heute noch übliche Form. Seit dieser Zeit läuft der Filter unten schlitzförmig zu. Die perfekte Form für Filterkaffee ist gefunden: Die Filtrationszeit stimmte, und das Aroma konnte sich nun optimal entfalten, ohne dass zu viele Bitterstoffe gelöst wurden. Außerdem sparte man Kaffee dabei.