Wir stehen im rot-gelb gekachelten Herzstück des Hauses vor dem rustikalen Küchenblock, über dem Pfannen und Kasserollen baumeln. Auf den Regalen, zwischen Töpfen und Geschirr, sitzen bunte Keramikhühner, an der Wand hängt ein Holzgehäuse, das nach Kuckucksuhr aussieht, aus dem aber zur vollen Stunde eine Kuh muht. Die Küche - das ist Sophies Welt. Sie ist Labor, TV-Studio, Kommunikationszentrum und Keimzelle aller Köstlichkeiten.
Jeden Tag werden alle, ob Hausmädchen oder Hausherr, bekocht. Heute Mittag sollen ein Zucchiniauflauf, ein "cake du soleil" und eine Rillette vom Hasen aufgetischt werden, dazu Salat, danach Käse und als Dessert eine "tarte aux pommes" mit einer "velouté de fraises au basilic", verziert mit kleinen "financiers", einer Art Mini-Muffins mit Mandeln. "Nur ein kleines Resteessen", sagt Sophie und drückt dem Gast mit einem aufmunternden Lächeln eine Art messerbewehrte Bohrmaschine in die Hand, mit der sich in einem Arbeitsgang Äpfel schälen und in hauchdünne Scheiben schneiden lassen. "Für die Tarte. Geht ganz schnell und einfach."
Madame Dudemaine outet sich als begeisterte Testerin von Hilfsutensilien aller Art. Jedes Gerät, das der Köchin Zeit und Mühe spart, ist willkommen. So auch die Porzellankuh, in deren Bauch 130 Milliliter Milch passen, die Menge für einen ihrer berühmten Cakes. Denn deren Grundrezept ist immer gleich: Milch, Eier, Mehl, Backpulver, Sonnenblumenöl und geriebener Gruyère. Die besondere Würze kommt von weiteren Zutaten - und die variieren gewaltig. Wir nehmen saftigen Bayonne-Schinken, eingelegte Tomaten, Mozzarella und frisches Basilikum aus dem Kräutergarten vor der Küche. "Den Teig nicht zu heftig umrühren", mahnt Sophie, "sonst hast du später Luftlöcher in deinem Cake."
Die Frau hat eine Mission. Und die geht so: "Ich will vor allem die Menschen glücklich machen, die das Kochen nicht mehr von ihren Müttern gelernt haben, die nur noch Verpackungen aufreißen und in die Mikrowelle stellen. Mit meinen Rezepten kann jeder sofort ein Erfolgserlebnis haben, sich fühlen wie ein begabter Koch." Für viele Franzosen sei Sophie mittlerweile so was "wie die gute Freundin, die Vertraute von nebenan, die man beim Vornamen nennt", versucht die Lektorin das Phänomen zu erklären. Und weil man eine gute Freundin auch mal anrufen kann, wenn man mit seinem Küchenlatein am Ende ist, steht die Telefonnummer der Bestsellerautorin ganz vorn in der Cake-Ausgabe. Für alle Fälle.
Einen Wunsch kann die Lieblingsköchin der Franzosen allerdings nur ganz wenigen erfüllen: einen Kochkurs im "Maison de Sophie". Denn das Paradies ist ausgebucht. Wer reinwill, kann reservieren - am besten ein Jahr im Voraus.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 36/2006
Buchtipp "Sophies Cakes"
Von Sophie Dudemaine
Gerstenberg Verl.
160 Seiten
ISBN: 3806729506
Euro: 19,90