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28. Juli 2003, 11:31 Uhr

Rettet die Jugend

Bowlen

Der Erfolg von Alcopops bei Jugendlichen ist alarmierend. Alcopops sind harmlos schmeckende Alkohol-Brausen, die in Wahrheit eine höhere Drehzahl haben als Bier. Dagegen war Tante Friedas Bowlentopf fast harmlos. Der Inhalt war selbst bestimmbar, der Topf schlecht wegzutragen und also schwer heimlich zu leeren. Wo ist er eigentlich?

Geschmack und Bekömmlichkeit sommerlicher Bowlen hängen von der Qualität der Zutaten ab. Wer nicht spart, spürt keine Reue. Mit Mineralwasser oder Fruchtsaft lässt sich der Alkoholgehalt der Bowle herabsetzen© Hans Hansen

Dies ist jetzt der vergebliche Versuch, unsere Jugend aus den Klauen der Spirituosenindustrie zu retten. Wie? Indem wir uns der Früchtebowle erinnern. Und indem wir unsere nach süßen Räuschen gierenden Kinder sanft in den heimischen Garten locken, wo sie sich peu à peu und in linder Obhut (über mehrere Sommer natürlich) jenem Zustand der Reife entgegentrinken, in dem wir sie dermaleinst in die Freiheit und Selbstständigkeit entlassen können.

Unsere Jugend ist gefährdet? Durchaus: "Alle Menschen, selbst die so genannten Wilden, werden so sehr von dem Bedürfnis nach berauschenden Getränken gequält, dass sie sich um jeden Preis welche verschaffen, mögen auch ihre Kenntnisse noch so beschränkt sein", so der französische Gastrosoph Brillat-Savarin in der Physiologie des Geschmacks.

Was gefährdet die Jugend? Alcopops. Alcopops sind der größte Triumph der Spirituosenindustrie seit langem. Explodierende Absätze mit "dreistelligen Zuwachszahlen" bei den "Ready-To-Drinks (RTDs)" meldet die "Allgemeine Hotel- und Gaststätten-Zeitung". Ready-To-Drinks ist neudeutsch und bedeutet wörtlich Fertiggetränke, meint aber Fertigmixturen aus Schnaps und Brause. Zielgruppe sind offiziell natürlich erst Erwachsene von 18 bis 35 - konsumiert aber werden sie auch von deutlich Jüngeren.

Wer fertigt derlei Stoff? Zum Beispiel die Firma Bacardi, im Eigentum von Exil-Kubanern, mit Sitz in Bermuda. Das Geschäftsjahr 2002/03 war für Bacardi Deutschland das "mit Abstand erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte". Umsatz: plus 27,3 Prozent auf 400,7 Millionen Euro; Absatzzuwachs: "stolze 72 Prozent" auf 89,2 Millionen Flaschen. "Verantwortlich für diesen kräftigen Wachstumsschub", so Bacardi, "sind (?) die überaus erfolgreichen Premix-Marken Rigo und Breezer, die als Trendsetter das boomende, junge Premix-Segment prägen". Auch "Premix" heißt wieder nichts als Schnaps-Brause-Mix. Der Begriff Segment weist darauf hin, dass sich nicht nur Bacardi um den Markt bemüht. Andere, Smirnoff etwa, tun dies ebenso.

Verbraucherschützer und Politiker nennen Alcopops "Designer-Getränke" und rücken sie somit begrifflich in die Nähe von Designer-Drogen wie Ecstasy. Etwas hochgehängt vielleicht, aber eben nur etwas: In der Tat werden beide Rauschmittel in Labors konzipiert. Und auf Jugendliche, die ein schlafendes Suchtpotenzial haben, können Alcopops anfixend wirken. So geschickt nämlich mischen die Lebensmittelchemiker Rum oder Wodka mit Pop genannten zuckrig-künstlich-fruchtigen Sprudeln, dass man den Alkoholgehalt kaum schmeckt. Zwar enthalten Alcopops kaum mehr Alkohol als Bier, aber durch den Zucker knallt er mehr.

Es ist traurig, wenn junge Menschen für teures Geld literweise billige Alkoholbrause in sich hineinschütten. Erstaunlich aber ist es nicht. Erstens, siehe Brillat-Savarin, sind selbst Wilde (also Jugendliche) um jeden Preis gewillt, sich Rauschgetränke zu verschaffen. Zweitens schmecken Jugendlichen die herben Getränke ihrer Eltern nicht. Biere sind eher bitter; Weine eher trocken; Spirituosen ein Genuss, der erarbeitet werden will und folglich erst von Erwachsenen empfunden werden kann. Jugendliche aber mögen es umso süßer, je mehr sie durch die Produkte der Fast- Food-, Fertiggerichte- und Limonadenindustrie an versteckte Zucker gewöhnt sind, von denen sie immer mehr haben möchten.

Eine selbst gemachte Bowle wird zunächst nicht einen Jugendlichen von Alcopops fern halten. Aber man kann mit Bowlen die Zunge schulen und erkennen lassen, dass Alcopops zwar nicht unbedingt schlecht, aber künstlich und immer gleich nach Massenware schmecken. Bowlen haben den Vorteil, dass man ihren Inhalt selbst bestimmt. Sie sind entschieden unhandlicher als Alcopops in ihren schicken Langhalsflaschen. Bowlengefäße kann man nicht grölend über die Straße tragen, jedenfalls nicht lange. Wer sie genießt, bleibt notwendig an der Quelle. Bowlen sind weniger zuckrig und vor allem preiswerter als eine Flasche Rigo, die in der Kneipe stolze vier Euro kostet!

Unsere Bowlenrezepte sind ebenso wenig für Jugendliche gemacht wie Alcopops. Aber niemand kann uns davon abhalten, sie mal probieren zu lassen.

Bert Gamerschlag

Weißbierbowle mit Minze

Für 6-8 Personen

50 g frische Minzblätter (1 großes Bund)
2 EL Zucker
4 EL Whiskey (möglichst Bourbon)
2 l Hefeweizen-Bier
1 l weiße Zitronenlimonade

1 Minze waschen, die Blätter abzupfen und trockenschütteln oder in einer Salatschleuder trockenschleudern, dann in ein Bowlengefäß legen, mit Zucker bestreuen und mit Whiskey beträufeln.

2 Das Weizenbier dazugießen und das Ganze mindestens 2 Stunden zugedeckt kalt stellen.

3 Vor dem Servieren gekühlte Limonade dazugießen und die Bowle kurz vorsichtig umrühren.

Zubereitungszeit: 15 Minuten (plus Kühlzeit)

Tipp: Für eine kräftigere Bowle die Limonade durch Sekt ersetzen und eine in Scheiben geschnittene Bio-Zitrone dazugeben. Um die Bowle kühl zu halten, ohne sie zu verwässern, friert man Bier, Limonade oder Sekt in Eiswürfelformen und kippt die Eiswürfel bei Bedarf ins Getränk.

Peter C. Hubschmid

Schattenmorellen-Bowle

Für 6-8 Personen

500 g Schattenmorellen
100 g Zucker
4-5 EL Kirschlikör (Cherry Heering)
2 Flaschen Beaujolais
2 Flaschen Mineralwasser mit Kohlensäure

1 Die Kirschen waschen, entstielen und entsteinen. Die Früchte ins Bowlengefäß geben, mit dem Zucker bestreuen und mit dem Kirschlikör beträufeln, dann für 2 Stunden in den Kühlschrank stellen und durchziehen lassen.

2 Den gekühlten Wein dazugeben und weiter gut kühlen.

3 Vor dem Servieren mit kaltem Mineralwasser auffüllen, vorsichtig umrühren.

Zubereitungszeit: 25 Minuten (plus Zeit zum Durchziehen und Kühlzeit)

Peter C. Hubschmid

Kiwi-Bowle

Für 6-8 Personen

500 g Kiwis
25 g Basilikumblätter
100 g Zucker
4-5 EL Weinbrand
2 Flaschen Weißwein (Muscadet)
2 Flaschen Sekt, trocken, oder Mineralwasser mit Kohlensäure (oder 1+1)

1 Die Kiwis schälen und in kleine Würfel schneiden. Das Basilikum waschen, trockenschütteln und die Blätter abzupfen.

2 Die Kiwiwürfel und die Basilikumblätter ins Bowlengefäß geben, mit dem Zucker bestreuen und mit dem Weinbrand beträufeln. Kalt stellen und 1-2 Stunden ziehen lassen.

3 Den gekühlten Weißwein dazugießen und alles noch einmal gut kühlen.

4 Vor dem Servieren die Bowle mit kaltem Mineralwasser oder Sekt auffüllen, kurz umrühren.

Zubereitungszeit: 20 Minuten (plus Zeit zum Durchziehen und Kühlzeit)

Peter C. Hubschmid

Pfirsich-Rosmarin-Bowle

Für 6-8 Personen

500 g weiße Pfirsiche oder Nektarinen
3 frische Rosmarinzweige (ca. 20 cm lang)
4 EL Zucker
4-5 EL Orangen-Likör (Cointreau)
2 l trockener Weißwein (Müller-Thurgau oder Elbling)
2 l Mineralwasser mit Kohlensäure

1 Die Früchte waschen, quer halbieren, die Hälften gegeneinander drehen und die Steine auslösen; das Fruchtfleisch in Würfel schneiden. Den Rosmarin waschen und abtropfen lassen.

2 Pfirsiche und Rosmarin ins Bowlengefäß geben, mit Zucker bestreuen, mit Likör beträufeln, 1 Stunde kalt stellen und durchziehen lassen.

3 Den gekühlten Wein dazugießen und das Ganze wieder kühl stellen.

4 Vor dem Servieren das gut gekühlte Mineralwasser dazugeben.

Zubereitungszeit: ca. 15 Minuten (plus Zeit zum Durchziehen und Kühlzeit)

Tipp: Wenn die Haut der Früchte stört, kann sie vor der Zubereitung der Bowle abgezogen werden. Dann verzichtet man aber auf die zarte Roséfärbung, die die Haut der weißen Pfirsiche oder Nektarinen abgibt.

Peter C. Hubschmid

Aprikosenbowle

Für 6-8 Personen

500 g reife, aromatische Aprikosen
1 Bund Zitronenmelisse
4 EL Zucker
4-5 EL Aprikosengeist
2 Flaschen Riesling Classic
2 Flaschen Prosecco, trocken oder Mineralwasser mit Kohlensäure (oder 1+1)

1 Die Aprikosen waschen, trockenreiben, halbieren und die Steine entfernen. Dann das Fruchtfleisch in kleine Würfel schneiden. Die Zitronenmelisse waschen, trockenschütteln und die Blätter abzupfen.

2 Die Aprikosen und die Melisse ins Bowlengefäß geben, mit dem Zucker bestreuen und mit dem Aprikosengeist beträufeln. 1 Stunde kalt stellen und durchziehen lassen.

3 Den gekühlten Wein dazugießen, kurz umrühren und weiter gut kühlen.

4 Die Bowle vor dem Servieren mit gekühltem Prosecco oder mit gekühltem Mineralwasser auffüllen und vorsichtig umrühren.

Zubereitungszeit: ca. 20 Minuten (plus Zeit zum Durchziehen und Kühlzeit)

Tipp: Statt des Aprikosengeistes kann man auch Aprikosenlikör verwenden. Dann die Zuckermenge halbieren.

Peter C. Hubschmid

Wein-Tipp

Kontrabass im Weinorchester Gäbe es ein deutsches Weinorchester, es wäre, wie ein richtiges Musikorchester, differenziert besetzt. Die fruchtbetonten Rieslinge mit ihren glasklar hellen Tönen spielten den Part der zahlreichen Violinen. Der Grauburgunder dagegen, weich und mächtig im Klang, nähme den notwendigen, aber gering besetzten Kontrabass-Part ein.

Baden ist Deutschlands Grauburgunderhochburg, der Kaiserstuhl ist ihr Bergfried. Der ÖkoWinzer Richard Schmidt bringt im Kaiserstühler Weindorf Eichstetten ausschließlich trockene Weine auf die Flasche. Sein Sohn Martin unterstützt ihn neuerdings dabei. Während der Vater die milden Gewächse bevorzugt, schlägt Martins Herz für die säurebetonten Frischlinge. Beide Varianten sind im Angebot.

Unsere Entscheidung ist zugunsten des Vaters gefallen, für den 2002er Grauburgunder Kabinett trocken. Den Most hat Schmidt auf unterschiedliche Tanks und Fässer verteilt und mit verschiedenen Hefen vergoren, die dem Wein ein reiches Aromenspektrum geben. Er duftet nach Birnen, Quitten und allerlei Blüten wie Akazie und Linde. Der Geschmack ist von einer angenehmen Milde. Spritzige Kohlensäure und eine salzige Note, wie man sie von manchen Schweizer Weißweinen kennt, sorgen im kraftvollen Geschmack für reichlich Erquickung. Die Nussaromen des langen Nachhalls schließen den wohligen Gesamteindruck gekonnt ab. Für säureempfindliche Weinfreunde ist dieser Wein ein idealer Alltagsschoppen.

Bernd Kreis

2002 Grauburgunder Kabinett, trocken. 1 Flasche: 5,10 Euro (plus Versandkosten); 6 Flaschen: 36 Euro frei Haus.

Über: Weingut Richard Schmidt, Altweg 67, 79356 Eichstetten, Tel.: 07663/31 23, Fax: 94 08 58, www.ecovin.de/ RICHARD-SCHMIDT

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