Das Tragen einer Uniform vor Gericht wurde Anders Behring Breivik verwehrt. Stattdessen wählte der mutmaßliche Norwegen-Attentäter mehrfach einen Lacoste-Pullover, erklärte die Firma zu seiner Lieblingsmarke. Die Franzosen versuchen zu intervenieren – und scheitern an der norwegischen Polizei. Von Swantje Dake

Das Bild ging um die Welt: Anders Behring Breivik wird zum Gericht gefahren - im Lacoste-Pullover© DPA
Das angedeutete Grinsen, der selbstherrliche Blick, der rote Pullover – so haben die meisten den Attentäter Anders Behring Breivik in Erinnerung. Wenige Tage nach dem Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und dem Massaker auf der Insel Utøya wurde Breivik zum Gericht gefahren und erstmals nach der Festnahme fotografiert. Wer genau hinschaute, sah einen Aufnäher in Form eines Krokodils auf Breiviks Brust. Und es gab jemanden, der genau hinschaute: Die Firma Lacoste, deren Markenzeichen das grüne Krokodil ist.
Modemarken lechzen geradezu danach, dass Promis ihre Röcke, Kleider und Uhren tragen und sich damit abbilden lassen. Aber so haben sich die Franzosen die Reklame für ihre Kleidung verständlicherweise nicht vorgestellt. Daher baten die Marketing-Strategen die norwegische Polizei, dafür zu sorgen, dass Breivik nicht länger in Lacoste-Pullover fotografiert wird. Die norwegische Tageszeitung "Dagbladet" berichtet von einem Brief. Die Polizei bestätigt, dass Lacoste an sie herangetreten ist, schweigt aber zum Inhalt des Briefs. "Das bleibt zwischen uns", so ein Polizeisprecher.
Der Attentäter ist ein echtes Ärgernis für die Franzosen. Anders Behring Breivik hatte nicht nur auf dem Weg ins Gericht ein Lacoste-T-Shirt an. Auf einem der Bilder, die von dem 32-Jährigen um die Welt gingen, trägt er ein schwarzes Lacoste-Oberteil. In seinem Manifest erklärt er die 1933 gegründete Firma des französischen Tennisspielers René Lacoste gar zu seiner Lieblingsmarke. Dazu erläutert er, dass Lacoste-Kleidung ihm die Möglichkeit gebe, als gutsituierter Europäer mit konservativer Kleidung aufzutreten. Auch eine Form von Uniform. Seine selbstdesignte durfte er vor Gericht nicht tragen. Und: 2083 - die Jahreszahl, die Breivik als Titel für sein Manifest wählte, tauchte vor drei Jahren in einer Lacoste-Kampagne zum 75-jährigen Jubiläum der Firma auf.
Marketingexperten hatten Lacoste davon abgeraten, in die Kleiderauswahl Breiviks einzugreifen. "Das wirkt zu verzweifelt", so Soziologe Karl Fredrik Tangen von der der Marketinghochschule in Oslo gegenüber des "Dagbladet". Er rät der Firma, den ungewollten Fan zu ignorieren und sich in der Marketingstrategie nicht beirren zu lassen.
Lacoste ist nicht die einzige Marke, die ungewollte Aufmerksamkeit erhält. Die britischen Firmen Fred Perry und Ben Sherman standen hoch im Kurs bei Rechtsradikalen, wurden mit dieser Begründung 2009 vom Berliner Polizeichef auf den Bekleidungsindex gesetzt. Seine Beamten durften diese Marken nicht während der Dienstzeit tragen. Die britische Marke Burberry kämpfte mit großangelegten Anzeigenkampagnen unter anderem mit Kate Moss um ihr Image, nachdem gewalttätige Fußballfans sich in den teuren Kleidern prügelten. Die US-Firma Abercrombie & Fitch Co. bat unlängst die Macher der MTV Realtiy-Sopa "Jersey Shore", dass sie ihre Schauspieler nicht mehr mit der Kleidung mit dem kleinen Elch ausstatten.