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12. August 2006, 10:00 Uhr

Die Brause aus der Brauerei

Coca-Cola hat schon mit dem Scheck gewedelt, aber die Erfinder der Öko-Limo Bionade genießen den Erfolg lieber selbst: Ihr Laden brummt. Von Cornelius und Fabian Lange

Pro Stunde werden in der Peter-Brauerei 22 000 Flaschen gefüllt, verkorkt und etikettiert© Sabine Bungert

Ostheim vor der Rhön ist schön, doch die Peter-Brauerei ziert den Ort nicht. In der Leuchtreklame auf dem Dach fehlen das P und das zweite E, von der Fassade bröckelt der Putz, und im Sudhaus lässt eine Yucca-Palme die Blätter hängen. Typisch Familienbrauerei: Die Kleinen sterben zuerst. Auch über der Peter-Brauerei kreiste jahrelang der Pleitegeier; alle dort hatten sich schon auf das Schlimmste gefasst gemacht. Nur einer nicht - der Braumeister und Tüftler Dieter Leipold. Er träumte, was alle Erfinder träumen: etwas bahnbrechend Neues zu schaffen. Und damit reich zu werden, richtig reich.

Immer wenn Leipold sich zum Forschen zurückzog, flüchtete er auch vor der traurigen Realität der Brauerei, in der Hopfen und Malz verloren schien. Als Mitte der Achtziger die Not am größten war, eröffnete die Familie auf dem Werksgelände eine Diskothek. Von neun Uhr abends bis fünf Uhr in der Früh stand Leipold im "Nullachtfuffzehn" am Zapfhahn; Peter-Bier bis Oberkante Unterlippe für junge Menschen aus dem Dreieck Schweinfurt, Fulda, Erfurt; auf der Suche nach Rausch und Tanzvergnügen - das hielt die Brauerei über Wasser.

Drink auf der Basis von Öko-Gerste

Und wonach suchte Leipold? "Als Bierbrauer bin ich ja ein Biotechnologe und kenne mich aus mit Mikroorganismen. Ich wollte ein alkoholfreies Erfrischungsgetränk entwickeln." Acht Jahre hat er an dem Verfahren getüftelt, einen Drink auf der Basis von Öko-Gerste zu brauen. "Nein, nicht brauen, meine Herren! Fermentieren!" Pardon, beim Brauen entsteht ja Alkohol, bei Leipold aber, durch Mikroorganismen, Gluconsäure, die zum Beispiel auch im Honig vorkommt.

Peter Kowalsky führt bei Bionade die Geschäfte. Er hat allen Grund zu strahlen. Bald steht eine neue Halle, dann kann in zusätzlichen Tanks noch mehr Gerste vor sich hin brodeln© Sabine Bungert

Wie ein Meteorit hat Bionade in die Softdrink-Landschaft Deutschlands eingeschlagen. Peter Leipold, Inhaber des Patents sowie der Marke Bionade, lädt ein zum Mittagessen. Seine Frau Sigrid serviert Kaninchen provenzalische Art mit gebratenen Serviettenknödeln. Dazu gibt es natürlich Peter-Pils. Sigrid Peter-Leipold ist die graue Eminenz von Bionade. Sie hält sich im Hintergrund, doch wenn es drauf ankommt, hat sie ein Wörtchen mitzureden: "Wir haben Bionade anderen Brauereien als Lizenz angeboten, damit sie auch mal ein Erfrischungsgetränk verkaufen können, das etwas mit ihrer Braukunst zu tun hat. Aber davon wollten die nichts wissen. Also haben wir beschlossen, Bionade selbst zu machen."

Hinter der bröckelnden Fassade sind alle glücklich

Leipold hat sich aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen: "Ich habe für den Rest meines Lebens ausgesorgt", sagt er. Heute führt sein Stiefsohn Peter Kowalsky die Geschäfte, der 38-Jährige schaut selig aus wasserblauen Augen, wenn er seine Zahlen runterrattert: "Im Jahr 2004 haben wir sieben Millionen Flaschen Bionade abgefüllt, 2005 schon 22 Millionen. 2006 kommen wir locker auf 66 Millionen, der Sommer ist ja noch nicht vorbei." Die Fassade mag bröckeln, doch bei Bionade sind alle glücklich, vor allem die vielen neuen Mitarbeiter, die bis vor kurzem noch Hartz-IV-Empfänger waren. "An die hat ja auch keiner mehr geglaubt", sagt Kowalsky, "genauso wenig wie an unsere Brauerei!"

Heute fahren sie hier Dauerschichten, 22 000 Flaschen pro Stunde, 400 000 am Tag. Deutschland hat Durst, Durst auf Bionade. Auch Kowalsky staunt: "Wir haben Monteure, die machen nichts anderes, als Fermentationstanks zu bauen. Die sind seit einem Jahr nicht aus dem Haus gewesen. Wahnsinn!" Fünf Tage lang fermentiert in diesen Tanks das Konzentrat für Bionade: Aus Biogerstenmalz und Wasser entstehen die schon erwähnte Gluconsäure und Kohlendioxid. Das Resultat wird im Verhältnis eins zu fünf mit Wasser verdünnt und mit etwas Biozucker, Saftkonzentraten und Kohlensäure versetzt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 32/2006

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