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25. April 2007, 17:02 Uhr

Zwei graue Stare

Aber diese erfreuen das Auge mit sattgelber Farbe. Und der Geschmack ist deutsche Wertarbeit: Der Grauburgunder wird zum opulenten Kraftpaket.

Zu unseren Grauburgundern passen am besten kräftige Wurstwaren oder Linseneintopf mit Speck© Daniel Fortmann

Grauburgunder ist der Sumoringer unter den deutschen Weißweinen: Keine andere Sorte fällt bei uns so kraftvoll, kompakt und opulent aus wie er. Dabei ist er nicht schwabbelig und träge, sondern geht auf kürzestem Weg zur Sache. Ein Grauburgunder klopft nicht zart an. Er kracht mit Nachdruck an den Gaumen. Typisch sind seine sattgelbe Farbe, sein starkes Alkoholgerüst und ein Duft, der zwischen Heu, Birne, Honigmelone und frischem Brot pendelt. Und weil Grauburgunder weniger Säure als Riesling hat, ist er der richtige Genusspartner für die Freunde der vollmundig-weichen Weißweine mit schön wenig Säure. Seine nächsten Verwandten sind der Weißburgunder, der eher zarter und viel heller daherkommt, und der Spätburgunder, der elegante feinfruchtige Rotweine liefert. Aus Baden stammt der 2006er Grauburgunder vom Weingut Konstanzer. Wir riechen reife Honigmelonen, Mangos und Äpfel, auch Akazienblüten und Tulpen - ein mächtiges Bouquet. Im Mund erinnert er an gelbe Pflaumen, Ananas und Birnenkompott, der Schluck wird von einer fruchtigen Säure eingerahmt. Leider haben die Konstanzer im Kampf gegen die Fäulnis des Herbstes 2006 durch strengste Selektion bei der Handlese die Hälfte des Ertrags verloren. Deshalb hat der Wein nicht für uns alle gereicht.

Zu kurz kommt dabei aber niemand: Alternativ gibt's einen Grauburgunder aus der Pfalz. Bei-leibe kein bloßer Ersatz, sondern ein exzellenter Tropfen auf gleichem Niveau. Die trockene Spätlese von Klaus Hilz duftet nach Heu, Birnen und Honig. Im Mund macht er mit moderater, weicher Säure Stimmung sowie mit Aprikose und Apfel. Zu diesen Weinen verleiben wir uns kräftige Wurstwaren ein, Hartkäse, Linseneintopf mit Speck oder Pfifferlinge in Rahm mit Bandnudeln. Der badische Grauburgunder stammt von den tiefgründigen Lösslehmböden des Kaiserstuhls. Mit rund fünfzig Prozent Anteil ist Baden die Hochburg dieser Sorte. Sehr gut gedeiht sie auch in der Pfalz. Auf den sandigen Lehmböden, die den Hängen des Pfälzer Waldes vorgelagert sind, gerät der Graue Burgunder ebenfalls prächtig.

In Italien heisst er übrigens Pinot Grigio und wird in Deutschland als all-seits bekanntes, dünnes Massenweinchen vermarktet - man hat dort die Erträge auf das Maximum gepeitscht, sehr zu Lasten des Geschmacks. In Frankreich nennt man den Grauburgunder Pinot Gris. Im Elsaß machen die Winzer ein delikates, leicht restsüßes Kraftpaket aus ihm, ein sehr ähnlicher Wein ist unter dem Namen "Ruländer" in Deutschland bekannt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 17/2007

Fabian & Cornelius Lange
 
 
 
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